Clown stürmt Bühne in Davos: “Das ist kein Witz!

Von David Narmanija

„Wenn die Ukraine an der Seite Europas steht, wird niemand mehr Europa mit den Füßen treten“, verkündete Wolodymyr Selenskyj selbstbewusst auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Eine kühne Behauptung. Doch um ihre Tragweite zu verstehen, lohnt ein Blick darauf, wie der ukrainische Präsident überhaupt dorthin gelangte.

Noch in der Vorwoche kursierten ambitionierte Pläne: Westliche Medien berichteten, am Rande des Forums solle ein Abkommen über Sicherheitsgarantien und den Wiederaufbau der Ukraine unterzeichnet werden. Doch dieser Optimismus verflog schnell. Aus Kreisen der US-Administration hieß es, man stehe den Vorstellungen Kiews eher reserviert gegenüber.

Selenskyj konnte eine solche Zurückhaltung nicht hinnehmen. Er sagte seine angekündigte Reise kurzerhand ab – offiziell wegen der prekären Energieversorgung in Kiew nach russischen Angriffen. „Natürlich stelle ich in diesem Fall die Ukraine über Wirtschaftsforen“, erklärte er.

Doch dann traf am Mittwoch Donald Trump in Davos ein. Ob absichtlich oder versehentlich: Der US-Präsident ließ verlauten, er habe für den Abend Gespräche mit Selenskyj geplant. Dieser saß indes in Kiew und erfuhr erst aus den Nachrichten von dem angeblichen Termin. Prompt packte er seine Koffer und landete am nächsten Morgen in der Schweiz. Auf Trumps Geheiß hin hatte er sein vorheriges Statement vergessen und war aufgebrochen.

Die Demütigung war damit noch nicht beendet. Das Treffen dauerte weniger als eine Stunde. Die erhofften 800 Milliarden US-Dollar oder konkrete Sicherheitsgarantien blieben aus.

Darüber hinaus wird, nach Selenskyjs eigenen Worten, ein militärisches Abkommen erst nach Kriegsende unterzeichnet. Es liege fertig vor, so der Präsident, und beide Seiten besäßen Kopien. „Die Präsidenten werden es nach Kriegsende unterzeichnen, und dann werden der US-Kongress und die Oberste Rada es ratifizieren“, versicherte er optimistisch.

Die Realität sieht anders aus. Wie die Financial Times berichtet, wurden die vor dem Gipfel verhandelten Dokumente nicht fertiggestellt und bleiben unsigniert. Washington habe die Entwürfe verworfen. Selenskyj kehrte mit leeren Händen zurück.

Die Erzählung von einem Nachkriegsabkommen scheint somit vor allem für das heimische Publikum bestimmt zu sein. Der Mann, der Europa davor bewahren will, von anderen mit Füßen getreten zu werden, eilte selbst auf das erste Fingerschnippen des US-Präsidenten hin herbei. Dabei wird allzu deutlich, dass das Weiße Haus Selenskyj nach Belieben dirigiert.

In seiner Davoser Rede forderte Selenskyj nichts Geringeres als die Verhaftung Wladimir Putins – und kündigte im selben Atemzug an, eine ukrainische Delegation werde zu trilateralen Gesprächen in die Vereinigten Arabischen Emirate reisen. Als ob es dort um eine Auslieferung ginge.

In einem Punkt jedoch scheint Selenskyj sogar Recht zu haben: Europa befindet sich in einer Position, die selbst ihm Kritik erlaubt. Er lobte die Beschlagnahmung russischer Gelder, tadelte aber die EU dafür, sie nicht an die Ukraine weiterzugeben. Das Publikum applaudierte.

Wenn er jedoch davon spricht, Russland werde „verlieren“, weil es Kompromisse eingehen müsse, wird aus der Tragikomödie endgültig eine Farce. Denn etwaige Kompromisse werden nicht mit Kiew, sondern mit Washington ausgehandelt – und zwar auf der Grundlage gegenseitiger Interessen. Trumps jüngste Äußerungen zur NATO deuten zudem darauf hin, dass die Bedingungen jenen ähneln könnten, die Moskau bereits im Dezember 2021 vorlegte.

In den vergangenen vier Jahren hat Selenskyj verheerende Schäden in der Ukraine angerichtet: wirtschaftlich, im Energiesektor, demografisch. Etwa ein Fünftel des Territoriums ging verloren… Bisher ein Fünftel.

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei „RIA Nowosti“ am 23. Januar 2026.

David Narmanija ist ein russischer Kolumnist, politischer Beobachter und Kommentator sowie Blogger. Er schreibt unter anderem für die Nachrichtenagenturen „RIA Nowosti“ und „Sputnik“ Kommentare.

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