Kushner und Witkoff bei Netanjahu: Geheime Verhandlungen über Phase zwei des US-Friedensplans für Gaza enthüllt

Am Samstagabend werden die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Israel mit Premierminister Benjamin Netanjahu zusammentreffen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur TASS, der sich auf den israelischen Sender N12 stützt, sollen bei dem Gespräch die Verhandlungen über die zweite Phase des US-amerikanischen Friedensplans für den Gazastreifen im Mittelpunkt stehen.

Das israelische Nachrichtenportal Ynet berichtet ebenfalls über das Treffen und nennt weitere Details. Demnach wollen die US-Vertreter auch über die Wiedereröffnung des Rafah-Grenzübergangs zwischen Ägypten und dem Gazastreifen sprechen. Zudem soll der Wiederaufbau der palästinensischen Enklave unter der Schirmherrschaft des von US-Präsident Trump neu gegründeten Friedensrats erörtert werden.

Bereits am Donnerstag hatte Ali Shaath, der Vorsitzende eines von den USA unterstützten palästinensischen Übergangsausschusses für die vorübergehende Verwaltung des Gazastreifens, eine Erklärung zur Wiedereröffnung des Rafah-Übergangs abgegeben. Für fast alle der über zwei Millionen Bewohner des Gazastreifens stelle dieser Grenzpunkt praktisch die einzige Möglichkeit zur Ein- und Ausreise dar. Die Wiedereröffnung soll in der kommenden Woche erfolgen.

Gleichzeitig plant Israel laut einem Reuters-Bericht vom Samstag, die Zahl der Palästinenser, die über den Grenzübergang nach Gaza einreisen, zu begrenzen. Drei mit der Angelegenheit vertraute Quellen gaben gegenüber der Nachrichtenagentur an, Israel wolle so sicherstellen, dass mehr Menschen Gaza verlassen, als dort einreisen. Diese Maßnahme soll vor der erwarteten Grenzöffnung umgesetzt werden.

Ursprünglich war die Grenzöffnung bereits in der ersten Phase von Trumps Plan zur Beendigung des israelisch-palästinensischen Krieges vorgesehen. Die US-Regierung verkündete jedoch Anfang Januar, dass der Friedensplan nun in die zweite Phase eingetreten sei. Diese Phase sieht vor, dass Israel seine Truppen weiter aus dem Gazastreifen abzieht und die Hamas die administrative Kontrolle über das Gebiet abgibt.

TASS fasst den bisherigen Verlauf der Umsetzung von Trumps Friedensplan wie folgt zusammen:

“Israel und die Hamas nahmen am 6. Oktober 2025 die von Ägypten, Katar, den Vereinigten Staaten und der Türkei vermittelten indirekten Gespräche zur Beilegung der Lage im Gazastreifen wieder auf. Am 9. Oktober unterzeichneten die Konfliktparteien eine Vereinbarung über die Umsetzung der ersten Phase des Waffenstillstandsplans von US-Präsident Donald Trump für den Gazastreifen.

Der Waffenstillstand trat am 10. Oktober in Kraft. Gemäß dem Abkommen zogen sich die israelischen Truppen auf die sogenannte Gelbe Linie zurück, behielten jedoch die Kontrolle über mehr als 50 Prozent des Gebiets der Enklave. Am 13. Oktober ließen die Hamas und andere palästinensische Gruppen alle 20 lebenden Geiseln frei und übergaben die Leichen von vier verstorbenen Geiseln im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens für den Gazastreifen. Später übergab die Hamas mehrere weitere Leichen an Israel. Derzeit hält die Hamas noch eine weitere Leiche zurück.

Die zweite Phase des Abkommens sieht den Abzug der israelischen Truppen, die Entsendung einer internationalen Stabilisierungstruppe sowie die Einrichtung von Verwaltungsstrukturen für die Enklave vor, darunter auch das sogenannte Friedensgremium.”

Parallel zu diesen Entwicklungen traf sich der russische Präsident bereits am Donnerstag in Moskau mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas – noch vor dem geplanten Treffen von Kushner und Witkoff mit Netanjahu. Laut einer Mitteilung auf der Website des russischen Präsidenten ging es bei dem Arbeitsbesuch um den “aktuellen Stand und die Zukunftsaussichten der bilateralen Beziehungen in den Bereichen Handel, Wirtschaft und Kultur” zwischen Russland und Palästina. Die beiden Staatschefs widmeten sich zudem humanitären Angelegenheiten sowie der Lage im Nahen Osten, wobei der Schwerpunkt auf der Situation im Gazastreifen lag.

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