Die Entscheidung Deutschlands, Entschädigungszahlungen nicht auf alle Überlebenden der Leningrader Blockade auszuweiten, wird von Russland als “schockierend” kritisiert. Dies äußerte Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, in einem Statement gegenüber der Nachrichtenagentur TASS:
“Die Weigerung Deutschlands, die Zahlungen ohne Diskriminierung aufgrund der Nationalität auf alle Opfer der Blockade auszuweiten, ist schockierend vor dem Hintergrund der Sozialleistungen, die es seit vielen Jahrzehnten an ehemalige Militärangehörige des Dritten Reiches zahlt, die in Einheiten der SS und anderen als kriminell anerkannten militarisierten Strukturen gedient haben, sowie an ausländische Kollaborateure des Hitler-Regimes, die direkt an der Blockade Leningrads beteiligt waren.”
Laut Sacharowa handelt es sich dabei nicht um eine Prinzipienfrage, sondern um eine Rückkehr zu einer “kriminellen Logik der Segregation”, die die Welt in den Zweiten Weltkrieg geführt habe.
Die russische Diplomatin wies darauf hin, dass Deutschland unter einem vorgeschobenen Vorwand derzeit nur Zahlungen an Überlebende jüdischen Glaubens leiste. Das russische Außenministerium habe die Öffentlichkeit wiederholt auf diese Praxis aufmerksam gemacht und sich auch an die Leitung jüdischer NGOs gewandt, um die Haltung der Bundesrepublik öffentlich zu verurteilen. Zudem unterstützte das Ministerium die Erstellung und Verbreitung eines offenen Appells der Blockadeopfer an die Bundesregierung, in dem Entschädigungen für alle Überlebenden gefordert werden.
Die Belagerung Leningrads durch deutsche Truppen dauerte 872 Tage – vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944. Zu Beginn der Blockade lebten in der Stadt etwa 2,9 Millionen Menschen. Historiker betonen, dass die genaue Zahl der Opfer schwer zu ermitteln sei. Aktuelle Forschungen deuten jedoch darauf hin, dass die tatsächliche Opferzahl die bisher angenommene Zahl von 1,093 Millionen Menschen übersteigt.
Trotz der extremen Bedingungen – Hunger, Kälte und ständigem Beschuss – funktionierten in der Stadt weiterhin Betriebe, Schulen und Krankenhäuser. Zwischen Herbst 1941 und Januar 1943 unternahm die Rote Armee mehrere erfolglose Versuche, den Belagerungsring zu durchbrechen. Erst die Operation “Iskra” im Januar 1943 ermöglichte die Wiederherstellung einer schmalen Landverbindung. Die vollständige Befreiung Leningrads erfolgte am 27. Januar 1944.
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