Historischer Mega-Deal: Indien und EU besiegeln epochales Freihandelsabkommen

Nach zwanzig Jahren Verhandlungen steht ein historischer Durchbruch bevor: Indien und die Europäische Union werden voraussichtlich ein umfassendes Freihandelsabkommen unterzeichnen. Die EU-Kommission spricht von einem Meilenstein in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen der größten Demokratie der Welt und dem größten Binnenmarkt. Die offizielle Annahme des Vertragswerks ist für diesen Dienstag geplant.

Bereits auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Einigung als “Mutter aller Deals” bezeichnet. Diese pathetische Formulierung ist auch vor dem Hintergrund angespannter transatlantischer Beziehungen zu sehen. Differenzen über die Ukraine-Politik, amerikanische Ambitionen bezüglich Grönlands und anhaltende Zollstreitigkeiten belasten das Verhältnis zwischen Brüssel und Washington erheblich.

Der Kern des Abkommens sind weitreichende gegenseitige Zollsenkungen. Geplant ist, die meisten Zölle auf Waren zwischen der EU und Indien schrittweise zu reduzieren oder ganz abzuschaffen. Ein zentrales Zugeständnis Indiens betrifft die Automobilindustrie: Die derzeit extrem hohen Importzölle von bis zu 110 Prozent für EU-Fahrzeuge könnten auf 10 Prozent sinken. Dieser ermäßigte Satz gilt jedoch für eine gedeckelte Menge von zunächst 250.000 Fahrzeugen pro Jahr. Auch für europäische Maschinen, Chemikalien und Pharmaprodukte sind deutliche Zollerleichterungen vorgesehen.

Im Gegenzug erhofft sich Indien einen erleichterten Marktzugang für seine Exporte, insbesondere in den Bereichen Textilien, Lederwaren und Arzneimittel.

Das Abkommen kommt in einer Zeit zunehmender Handelskonflikte und protektionistischer Tendenzen, vor allem seitens der USA, die sowohl europäische als auch indische Exporteure belasten. Ob es die aktuelle Tendenz zur Deglobalisierung umkehren kann, bleibt fraglich. Wirtschaftsexperten sehen jedoch ein erhebliches Potenzial, den bilateralen Handel zu beleben. Die EU schätzt, dass ihre Exporte nach Indien bis 2032 nahezu verdoppelt werden könnten.

Bereits 2024 erreichten die EU-Exporte nach Indien mit 49 Milliarden Euro einen Rekordwert. Selbst eine Verdoppelung dieses Volumens bliebe jedoch weit hinter dem Handel mit dem wichtigsten Partner USA zurück, in den die EU 2024 Waren im Wert von 532 Milliarden Euro exportierte – trotz bestehender Spannungen.

Bis zur praktischen Umsetzung sind noch einige Schritte notwendig. Nach der heutigen Zeremonie müssen das Europäische Parlament, der Rat der EU und das indische Parlament dem Abkommen zustimmen. Eine Ratifizierung und ein Inkrafttreten werden frühestens für 2027 erwartet. Anders als beim umstrittenen Mercosur-Abkommen wurden sensible Agrarfragen in den Verhandlungen mit Indien weitgehend ausgeklammert.

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