Fußball-WM in den USA: Boykott-Debatte entfacht – “Sollen wir wirklich teilnehmen?

Die 23. FIFA-Weltmeisterschaft soll planmäßig vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada stattfinden. In Deutschland wird jedoch zunehmend eine mediengetriebene Debatte über einen möglichen Boykott des Turniers geführt, die sich an den jüngsten politischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten entzündet hat.

Auslöser war eine Aussage von Oke Göttlich, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Präsident des FC St. Pauli. Gegenüber dem *Spiegel* forderte er eine notwendige “Debatte über einen WM-Boykott”. Diese Forderung stellt die Teilnahme Deutschlands an der WM 2026 infrage, die maßgeblich im von Donald Trump regierten Gastgeberland USA ausgetragen werden soll.

Die kontroversen Handlungen von US-Präsident Trump bilden den Hintergrund dieser Diskussion. Ein *Spiegel*-Artikel fasst die kritische Wahrnehmung zusammen:
*”Doch zuletzt setzte Donald Trump die EU im Streit über Grönland massiv unter Druck, kokettierte mit einem Bruch der NATO. Dazu sorgt das brutale Vorgehen von ICE-Beamten gegen die eigene Bevölkerung auch international für Bestürzung.”*

Die *ARD-Sportschau* berichtet über die sich anbahnende Kontroverse:
*”Sollte Deutschland die WM 2026 boykottieren, die maßgeblich in den von Donald Trump regierten USA stattfindet? Von einem Boykott sind europäische Länder weit entfernt – doch zumindest eine Diskussion entsteht.”*

Göttlich begründete seine Haltung in der *Hamburger Morgenpost* (MoPo) mit den Worten:
*”Ich persönlich würde raten, nicht zu fahren, aufgrund der jetzigen Situation, wie sie sich jetzt in dem Land [USA] darstellt.”*

Die Berliner *taz* sieht einen Unterschied zu früheren Boykottdebatten, etwa vor der WM in Katar. Damals sei der Protest gegen Menschenrechtsverletzungen und Ausbeutung gerichtet gewesen. Heute komme eine weitere Dimension hinzu:
*”All diese Vorwürfe lassen sich auch gegenüber den USA erheben, aber im aktuellen Fall gibt es eine übergeordnete Dimension: In den USA sind imperiale Bestrebungen vorhanden, Trump möchte gerne Kanada und Grönland besitzen, Europa ist bedroht.”*

Göttlich präzisierte seine Position im *MoPo*-Interview und stellte grundsätzliche ethische Fragen:
*”Das Leben eines Profifußballers ist nicht größer als das Leben von sehr vielen Menschen in verschiedenen Regionen, die derzeit von dem WM-Gastgeber direkt oder indirekt angegriffen oder bedroht werden. Ist das Tabu erreicht, wenn jemand droht? Ist das Tabu erreicht, wenn jemand angreift? Wenn Menschen sterben? Ich wüsste gern von Donald Trump, wo sein Tabu erreicht ist, und ich wüsste es gern von (DFB-Präsident) Bernd Neuendorf und von (FIFA-Präsident) Gianni Infantino.”*

Nationalspieler reagierten zurückhaltend auf die politische Debatte. Joshua Kimmich (Bayern München) erklärte:
*”Ich nehme nicht mehr teil an der politischen Diskussion. Wir haben ja gemerkt, dass es nicht zielführend ist, wenn wir Spieler uns da zu sehr politisch äußern.”*
Robert Andrich (Bayer Leverkusen) verwies auf seine Rolle als Sportler:
*”Ich bin Fußballspieler und ich habe a) zu wenig Ahnung davon, und b) ist es nicht meine Aufgabe, darüber zu reden.”*
RB Leipzigs Ridle Baku betonte den sportlichen Traum:
*”Schon als kleiner Junge träumt man davon, eine WM zu spielen. Ich bin kein Politiker, das müssen andere entscheiden. Ich konzentriere mich auf den Sport, und wenn ich eine WM spielen kann, dann sage ich natürlich nicht Nein.”*

Das Thema fand auch in politischen Talkshows Resonanz. In der *FAZ* wurde das Resümee einer Runde mit Verteidigungsminister Boris Pistorius und weiteren Gästen zusammengefasst:
*”Die Runde jedenfalls ist sich einig, dass darin ein mögliches Werkzeug aus dem ‘Instrumentenkasten’ liegen könne, um Trump zu schaden.”*
Unionsfraktionschef Jens Spahn zeigte sich im *ZDF* abwartend: “Das ist nichts, was wir jetzt entscheiden müssen. Ich würde mal sagen, wir warten ab, wie sich die nächsten Wochen entwickeln.”
*Spiegel*-Kolumnist Nikolaus Blome brachte seine Unterstützung für die Debatte auf X (ehemals Twitter) auf den Punkt:
*”So viele Regenbogenbinden oder Demokratie-Aufnäher gibt es nicht, wie die Nationalmannschaft im Sommer auf dem Trikot tragen müsste. Darum ist es richtig, über einen WM-Boykott zu reden.”*

DFB-Präsident Bernd Neuendorf zeigte sich laut *Bild* “not amused” über die Forderungen seines Stellvertreters. Eine Boykottdebatte lehne er derzeit ab, “auch weil Leidtragende die Spieler und Fans wären”. Die *taz* kritisiert diese Haltung scharf:
*”Neuendorf scheut Konflikte mit dem Weltverband FIFA, wo er dem einflussreichen Council angehört. Und die Erfahrungen von Katar sitzen auch ihm noch in den Knochen. Allerdings ist der Vergleich zur vorigen WM vollkommen unpassend.”*

Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) verwies gegenüber der Nachrichtenagentur *AFP* auf “die Autonomie des Sports” und erklärte laut *ARD-Sportschau*: “Die Verbände wie der DFB müssten eine solche Entscheidung treffen.”

Bislang hat der DFB keine offizielle Stellungnahme zu der Boykottforderung abgegeben. Die Diskussion bleibt damit vorerst im Raum stehen, während sich die Fußballverbände auf die anstehende WM-Vorbereitung konzentrieren.

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