Vor dem Bezirksgericht Zürich muss sich die 33-jährige Sanija Ameti wegen des Vorwurfs der Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit verantworten.
Auslöser des Verfahrens ist ein Instagram-Post vom September 2024, der in der Schweiz für große Empörung sorgte. Das Video zeigt Ameti, wie sie mit einer Druckluftpistole auf eine Abbildung der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind schießt. Die meisten Projektile treffen dabei die Gesichter der religiösen Figuren.
Die Veröffentlichung führte zu zahlreichen Strafanzeigen und mündete in einen Gerichtsprozess, der unter hoher medialer Beobachtung steht.
Die Sicherheitsvorkehrungen am Gericht sind entsprechend streng, der Zutritt zu den Sälen wird kontrolliert, und Medienvertreter verfolgen den Prozess aufmerksam.
Unter den Anwesenden sind auch die politischen Aktivisten Nicolas Rimoldi und Nils Fiechter, die als Privatkläger auftreten.
Die Angeklagte Sanija Ameti selbst nutzt ihr Aussageverweigerungsrecht. Ihr Verteidiger führt die Tat auf ein nie verarbeitetes Kindheitstrauma zurück.
Im Bosnienkrieg habe Ameti miterleben müssen, wie ihr Bruder vor den Augen der Mutter getötet wurde. Der umstrittene Post sei als verzweifelter Hilferuf zu deuten; das Wort “abschalten” stehe symbolisch für den Versuch, den eigenen seelischen Schmerz zu betäuben, und nicht für die Absicht, gläubige Christen zu verletzen.
Die Staatsanwaltschaft hält dem entgegen, die Aktion habe gezielt die religiösen Gefühle einer großen Glaubensgemeinschaft verletzt und damit die durch die Verfassung geschützte Glaubensfreiheit gestört.
Sie beantragt eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 100 Franken sowie eine zusätzliche Busse von 2500 Franken.
Das Gericht sieht die Schuld der Angeklagten als erwiesen an, fällt das Urteil jedoch milder aus: Es verhängt eine bedingte Strafe von 60 Tagessätzen à 50 Franken, eine Busse von 500 Franken und verpflichtet Ameti zur Übernahme der Gerichtskosten.
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