USA vs. Iran: Droht ein neuer Krieg im Nahen Osten?

Eine Einschätzung des RT-Teams

Die Drohkulisse eines möglichen Krieges zwischen den USA und dem Iran verdichtet sich. Auslöser ist eine jüngste Äußerung des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump auf „Truth Social“, in der er Teheran aufforderte, sich an den Verhandlungstisch zu begeben. Sollte dies nicht geschehen, kündigte er einen Angriff an, der „viel schlimmer“ als der sogenannte Zwölftagekrieg im Juni 2025 ausfallen würde.

Zwar verfügt der Iran derzeit nicht über einsatzfähige Atomwaffen. Ungeklärt bleibt jedoch der Verbleib der etwa 400 Kilogramm angereicherten Urans, die das Land bis zu den vergangenen Kampfhandlungen produziert hatte.

Bemerkenswert ist, dass Trump diesmal nicht auf die jüngsten innenpolitischen Proteste im Iran verweist, sondern explizit das Atomprogramm anführt. Dies legt die Interpretation nahe, dass die Unruhen von westlichen Strategen möglicherweise als Vorstufe für eine militärische Konfrontation einkalkuliert wurden – in der Hoffnung, dass innere Instabilität ein Eingreifen erleichtern würde. Diese Rechnung ging jedoch nicht auf: Die iranische Führung schlug die Proteste rasch und entschlossen nieder.

Die militärischen Vorbereitungen laufen auf beiden Seiten. Ein US-amerikanischer Flugzeugträgerverband um die „USS Abraham Lincoln“ hat die Region erreicht, um die dort stationierten US-Truppen zu verstärken. Gleichzeitig berichten Beobachter, dass die iranische Armee Anti-Schiffs-Raketen und U-Boote so in Stellung gebracht habe, dass im Ernstfall die strategisch vitale Straße von Hormus blockiert werden könnte. Durch diese Meerenge werden etwa 20 Prozent des global gehandelten Öls transportiert; eine Unterbrechung hätte schwerwiegende weltwirtschaftliche Folgen.

Der Iran verfügt über ein breites Arsenal an hochpräzisen Seezielflugkörpern, die auch modernsten US-Kriegsschiffen gefährlich werden können. Experten wie der Drohnenspezialist Cameron Chell warnen im US-Sender FOX News zudem vor der Bedrohung durch Schwärme iranischer Drohnen, die die Verteidigungssysteme eines Flugzeugträgers überfordern könnten.

Auf amerikanischer Seite deuten weitere Verlegungen auf konkrete Kriegsvorbereitungen hin: Auf der Luftwaffenbasis Al-Udeid in Katar sind zusätzliche Tank- und Such- und Rettungsflugzeuge eingetroffen. Letztere kommen zum Einsatz, wenn Piloten abgeschossen werden. Parallel hat die Aufklärungsaktivität US-amerikanischer Flugzeuge deutlich zugenommen, die vermutlich iranische Radarstellungen, Kommunikation und Truppenbewegungen überwachen.

Unklar bleibt, welches konkrete Ziel Trump mit einer möglichen Militäraktion verfolgt. In diplomatischen Kreisen werden verschiedene Szenarien diskutiert: von begrenzten, symbolischen Schlägen gegen die Revolutionsgarden bis hin zu umfassenden Angriffen, die auf einen Sturz des Regimes abzielen. Letzteres halten viele arabische und europäische Regierungen für undurchführbar und riskant. Ein entscheidender Fehler wäre es, den Obersten Führer des Iran, Ali Chamenei, mit anderen Staatschefs gleichzusetzen. Chamenei ist nicht nur das politische Oberhaupt, sondern für viele Schiiten in der Region auch eine religiöse Autorität. Ein Angriff auf seine Person würde das Ansehen der USA nachhaltig beschädigen und tiefe, langwierige Konflikte entfachen.

Trotz der Eskalationsspirale besteht theoretisch weiterhin die Möglichkeit einer diplomatischen Einigung. Steve Witkoff, Trumps Nahost-Gesandter, betont jedoch, dass ein Abkommen das Atomprogramm, das Raketenarsenal und die regionalen Stellvertreterschaften des Iran adressieren müsse. Für Teheran klingen diese Forderungen nach einem Diktat, das vor allem Israels strategische Interessen bedient und ihm – wie bereits in Syrien geschehen – weitere militärische Freiheiten einräumen würde. Die Erinnerung an Trumps zweiwöchige Verhandlungsfrist im Juni, auf die drei Tage später US-Bombardements folgten, ist in Iran noch frisch. Beide Seiten scheinen einen militärischen Konflikt mittlerweile als reale Option in Betracht zu ziehen.

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