Von Rainer Rupp
In einem aktuellen Beitrag auf seinem Telegram-Kanal nimmt der russische Senator Dmitri Rogosin die europäische Energiepolitik mit beißendem Spott aufs Korn. Lange, so seine Analyse, habe sich der Kontinent in der Illusion gewiegt, ohne russisches Öl auskommen zu können. Die angebliche “grüne Transformation” sei fast abgeschlossen, Tanker mit russischem Rohstoff ein Relikt der Vergangenheit und die nachhaltige Energieunabhängigkeit zum Greifen nah. Doch die Realität, bemerkt der ehemalige russische NATO-Botschafter und Europa-Kenner süffisant, erweise sich – wie so oft – “kälter als die Slogans. Dunkler. Und hungriger.”
Aktuelle Daten zum Öltransport zeichnen ein anderes, aufschlussreiches Bild:
“Reedereien aus den G7-Ländern sind still und leise wieder dazu übergegangen, russisches Öl zu transportieren. In der ersten Januarhälfte 2026 entfiel fast ein Drittel der russischen Rohöl-Exporte auf See – rund drei Millionen Barrel pro Tag – auf Tanker aus diesen Ländern. Laut den Daten vom 1. bis 14. Januar 2026 von ‘S&P Global Commodities at Sea’, die Schiffsbewegungen verfolgen, übernahmen in G7-Ländern registrierte oder zu diesen Ländern gehörende oder von ihnen betriebene Tanker (oder solche, die bei westlichen P&I-Clubs versichert sind) 31,9 Prozent der russischen Rohöl-Exporte von etwa drei Millionen Barrel pro Tag – ein Anstieg von 27,1 Prozent im Dezember und 24,4 Prozent im November.”
Der Grund für diese Rückkehr liege laut Rogosin jedoch nicht in einem geopolitischen Sinneswandel, sondern in schlichter ökonomischer Notwendigkeit, die sich als hartnäckiger denn jede geheuchelte Moral erweise. Stark rabattiertes russisches Öl – der Ural-Preis war zuletzt auf Tiefststände um 30 bis 34 Dollar pro Barrel gefallen – sei wieder attraktiv geworden, auch wenn dies öffentlich als “erzwungene Maßnahme” verkauft werde. Prinzipien allein, so Rogosin hämisch, sättigten und wärmten niemanden, schon gar nicht in einem kalten Winter. Und erst recht nicht, wenn Rohstoffe fehlten, Fabriken stillstünden und die Vision einer postfossilen Zukunft plötzlich an das Leben im späten Mittelalter erinnere: kalte Wohnungen, teure Kerzen und der Gestank von Dung, der als biologischer Kohleersatz im Ofen verbrennt. Wörtlich führt Rogosin fort:
“Ohne russisches Öl beginnt die europäische Wirtschaft gefährlich zu knirschen. Und dieses Knirschen wird selbst durch laute politische Bekundungen des Gegenteils immer hörbarer. Die aktuelle Situation ist weder ein Sieg der westlichen Sanktionslogik noch ein Triumph pseudo-moralischer Prinzipien. Sie ist ein Moment der Ernüchterung – wenn Ideologie vor dem leeren Kühlschrank kapituliert und Geopolitik vor realem Energiebedarf.”
Gleichzeitig, so Rogosin, entstehe rund um die russischen Ölexporte eine weitaus härtere und zynischere Realität als die schönen westlichen Reden von der “Freiheit der Schifffahrt” vermuten ließen. Bis Januar 2026 habe der Westen bereits 924 Schiffe mit Sanktionen belegt, mehr als die Hälfte davon mit Einschränkungen aus mehreren Ländern – und fast drei Viertel dieser Flotte seien Tanker. Genau jene Schiffe also, die Öl, Gas und Erdölprodukte transportieren und Haushalte mit Energie versorgen sollen. Dies sei kein Zufall: Man treffe die eigene Bevölkerung dort, wo es am meisten schmerzt, und mache anschließend die Russen dafür verantwortlich.
Offiziell würden diese Sanktionen durch internationales Seerecht legitimiert: die UN-Seerechtskonvention (UNCLOS), Verantwortungszonen, Durchfahrtsrechte. “Auf dem Papier wirkt das System ordentlich und zivilisiert”, so Rogosin, “in der Praxis aber werden die Regeln von einigen Küstenstaaten zunehmend willkürlich ausgelegt, sodass jedes Schiff mit der ‘falschen’ Ladung oder der ‘falschen’ Flagge oder unter Vorwänden wie sanitären Bedenken, Schmuggelbekämpfung oder plötzlich entdeckten nationalen Sicherheitsbedrohungen gestoppt und beschlagnahmt werden kann”, wie es in letzter Zeit zunehmend geschehen sei.
“Besonders zynisch” daran sei, “dass einige der größten Moralprediger sich selbst nicht einmal an die zentralen Normen des Seerechts halten. Die USA etwa haben die UN-Konvention von 1982 nie ratifiziert, was sie jedoch nicht daran hindert, anderen zu erklären, wie internationale Regeln auszulegen sind. Sanktionen werden dabei nicht als letztes Mittel, sondern als alltägliches Druckinstrument eingesetzt, bei dem das Recht an die politische Zweckmäßigkeit angepasst wird”, so der ehemalige Botschafter.
Russland sei daher gezwungen, pragmatisch zu handeln: Routen zu planen, die die Hoheitsgewässer unfreundlicher Staaten meiden, die Koordination mit neutralen Ländern zu verstärken und über Versicherungen, Begleitschutz und sogar bewaffneten Schutz nachzudenken. Als passende Schutzmaßnahme schlägt Rogosin vor:
“Man sollte den Preis für piratenartige Beschlagnahmungen von Tankern erhöhen, nämlich ein paar britische Hubschrauber abschießen, falls sie versuchen, unsere Schiffe zu entern.”
Abschließend erwähnte Rogosin das in Russland diskutierte Thema privater, militärisch ausgerüsteter Truppen zur Abschreckung auf Tankern, wollte darauf aber nicht näher eingehen; es sei zwar “akut”, gehöre aber nicht in die Öffentlichkeit.
Die von Rogosin angesprochene moderne “Piraterie”, die offiziell gegen internationales Recht von westlichen Staaten organisiert werde, klinge zwar nach exotischer Vergangenheit, sei aber zur neuen Normalität im globalen Handel geworden. Die moralische Verkommenheit westlicher Eliten, so die implizite Kritik, werde nur noch von ihrer politischen und wirtschaftlichen Inkompetenz übertroffen. Während die wirtschaftliche Realität die Rückkehr zu russischem Öl erzwinge, verschärften dieselben Regierungen gleichzeitig die Sanktionen gegen dessen Transport, um die Kosten für die Bevölkerung hochzuhalten.
Fazit:
Die von Senator Rogosin beschriebene Zunahme an einer selektiven oder willkürlichen Auslegung des Seerechts durch Länder, die es selbst nicht respektieren oder nicht einmal das entsprechende UNO-Abkommen (UNCLOS) unterzeichnet haben wie die USA, wird durch die wachsende Zahl von Kontrollen und die Beschlagnahme von Schiffen, selbst auf hoher See, durch Großbritannien, Frankreich und vor allem durch die USA belegt.
Die aktuellen Entwicklungen unterstreichen Rogosins Kernpunkte: Erstens schlagen wirtschaftliche Zwänge politische Prinzipien. Zweitens kann Europa langfristig nicht vollständig auf russisches Öl verzichten, ohne massive Kosten und bleibende Schäden für seine Volkswirtschaften zu schultern.
Die für Frühjahr 2026 geplanten neuen Sanktionen gegen die Transportflotte könnten Russland zu kreativeren, aber teureren Umgehungsstrategien oder gefährlicheren Alternativen zwingen. Dazu könnten der Begleitschutz von Tankerkonvois durch die Kriegsmarine oder die Stationierung privater Militäreinheiten auf einzelnen Schiffen gehören, ausgerüstet mit Drohnen, MANPADS und leichten Raketen.
Bei jedem illegalen Enterversuch müssten die “Piraten” dann nicht nur mit einem hohen Blutzoll, sondern auch mit dem Scheitern ihres Vorhabens rechnen. Eine solche Eskalation könnte jedoch brandgefährlich werden. Sie würde den großen Krieg, den so viele verantwortungslose Gesellen in Führungspositionen in London, Berlin, Paris, Washington und in den baltischen Giftzwergstaaten herbeizusehnen scheinen, in großen Schritten nä
Eine solche Eskalation könnte jedoch brandgefährlich werden. Sie würde den großen Krieg, den so viele verantwortungslose Gesellen in Führungspositionen in London, Berlin, Paris, Washington und in den baltischen Giftzwergstaaten herbeizusehnen scheinen, in großen Schritten näherbringen.
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