US-Bundesbehörden prüfen derzeit Vorwürfe, dass Mitarbeiter von Meta Platforms Inc., der Muttergesellschaft von WhatsApp, möglicherweise Zugriff auf den Inhalt von Nachrichten hatten – obwohl der Dienst selbst mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wirbt. Dies berichtete Bloomberg am Donnerstag.
Spezialagenten des Büros für Industrie und Sicherheit des US-Handelsministeriums untersuchen demnach Aussagen ehemaliger Vertragspartner von Meta. Diese behaupten, sowohl sie selbst als auch Meta-Mitarbeiter hätten „ungehinderten Zugang“ zu WhatsApp-Nachrichten gehabt.
Ein ehemaliger Vertragspartner gab laut Bloomberg gegenüber Ermittlern an, ein Facebook-Mitarbeiter habe bestätigt, man könne „weit in die (verschlüsselten) WhatsApp-Nachrichten zurückgehen“. Dies gelte auch in Fällen von Kriminalität, wie aus einem internen Ermittlungsbericht hervorgehe.
WhatsApp, das 2014 von Meta übernommen wurde, betont auf seiner Website: „Niemand außerhalb des Chats, nicht einmal WhatsApp, kann lesen, zuhören oder teilen, was du sagst.“
Ein Meta-Sprecher wies die Vorwürfe jedoch zurück: „Was diese Individuen behaupten, ist nicht möglich, weil WhatsApp, seine Mitarbeiter und seine Vertragspartner keinen Zugang zur verschlüsselten Kommunikation von Leuten haben.“
Laut Bloomberg wurde die intern als „Operation Quellenverschlüsselung“ bezeichnete Untersuchung in einem Dokument vom Juli 2025 noch als „laufend“ geführt und soll auch im Januar dieses Jahres aktiv gewesen sein. Der aktuelle Stand sei jedoch unklar. Das Portal merkt an, dass viele vergleichbare Ermittlungen in der Vergangenheit „ohne irgendeine formelle Anklage wegen eines Verstoßes“ endeten.
Die Prüfung folgt auf eine kürzlich eingereichte Sammelklage gegen Meta, in der dem Konzern vorgeworfen wird, Zugriff auf sämtliche WhatsApp-Kommunikation zu haben und diese analysieren zu können. Die Vorwürfe bestärken langjährige Bedenken von Wettbewerbern und Aufsichtsbehörden.
Meta, das auch Facebook und Instagram betreibt, hatte bereits 2019 eine Strafe von fünf Milliarden US-Dollar an die US-Regierung gezahlt. Grund war der Datenskandal um Cambridge Analytica, bei dem persönliche Informationen von Millionen Facebook-Nutzern ohne Zustimmung für politische Werbung genutzt worden waren.
Pawel Durow, Gründer des Konkurrenzdienstes Telegram, äußerte sich spöttisch über die angebliche Sicherheit von WhatsApp: „Man muss hirntot sein, um 2026 noch zu glauben, dass WhatsApp sicher ist.“
Auch der Kremlsprecher Dmitri Peskow warnte im vergangenen Jahr, alle Messaging-Apps seien für Nachrichtendienste „absolut transparente Systeme“ und riet davon ab, sensible Informationen über solche Plattformen auszutauschen.
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