Für Millionen Pendler und Schüler in Deutschland beginnt die Woche mit erheblichen Behinderungen. In 15 der 16 Bundesländer ruft die Gewerkschaft ver.di für Montag, den 2. Februar 2026, zu einem ganztägigen Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr auf. In einigen Regionen begannen die Streikmaßnahmen bereits in der Nacht zu Sonntag.
Auslöser sind die laufenden Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der kommunalen Verkehrsbetriebe. Einzig in Niedersachsen bleibt der Verkehr in Betrieb, da dort bis zum 1. April 2026 eine Friedenspflicht gilt. Ver.di setzt sich in den Verhandlungen vor allem für bessere Arbeitsbedingungen ein, darunter kürzere Arbeitszeiten und höhere Zuschläge für Wochenend- und Nachtarbeit. Wie der SWR berichtete, geht es in dieser Verhandlungsrunde nicht um die Löhne, sondern um den Manteltarifvertrag:
“Beim Verhandlungsauftakt gab es nach früheren Angaben keine Annäherung. Dieses Mal streiten die Tarifparteien nicht über das Gehalt. Neu ausgehandelt wird stattdessen der Manteltarifvertrag, in dem die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten festgelegt sind. ver.di fordert unter anderem höhere Zuschläge für Überstunden, Nachtarbeit sowie Arbeit am Wochenende. Außerdem wolle man Zulagen entsprechend der individuellen Entgeltstufe durchsetzen.”
Die Auswirkungen sind bundesweit spürbar. In Rheinland-Pfalz kam es laut Medien bereits am späten Sonntagabend zu ersten Einschränkungen. Die Bild-Zeitung fasste die Lage am Montagmorgen drastisch zusammen:
“Seit 3:30 Uhr heute Morgen stehen Busse und Bahnen bundesweit still und Millionen Pendler sitzen in der Falle!”
Besonders kritisch ist die Situation in Berlin, wo der Streik auf eine angespannte Wetterlage trifft. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kritisierten den Streikaufruf scharf:
“Die BVG wird am Montag, 02.02.2026, von der Gewerkschaft ver.di bestreikt. Diesen Warnstreik der ver.di verurteilt die BVG. Besonders angesichts der aktuellen Extremwetterlage und der weiterhin bestehenden Herausforderungen – vor allem im Straßenbahnbetrieb – ist die geplante Arbeitsniederlegung problematisch.”
Laut BVG hatten Mitarbeiter in den vergangenen Tagen “rund um die Uhr daran gearbeitet, vereiste Oberleitungen zu enteisen”. Wenn die Straßenbahnen nun aufgrund des Streiks stillstehen, drohe eine erneute Vereisung und damit weitere, langanhaltende Betriebsstörungen.
In Hamburg warnt der Verkehrsverbund HVV vor “massiven Auswirkungen” für die gesamte Metropolregion. Der NDR berichtet, dass Schüler trotz der Streiksituation ihren Unterricht wahrnehmen müssen, was die Suche nach Alternativen erschwert.
Der ADAC in Nordrhein-Westfalen riet Autofahrern, frühzeitig loszufahren, um Kinder zur Schule oder sich selbst zur Arbeit zu bringen. Ein Sprecher sagte der dpa, auf den Hauptverkehrsachsen werde es “zur Rushhour noch voller werden”.
Nach Angaben der Gewerkschaft könnten sich fast 100.000 Beschäftigte in etwa 150 Verkehrsunternehmen an den Warnstreiks beteiligen. Die Folgen für den Berufs- und Schülerverkehr sind damit in weiten Teilen des Landes erheblich.
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