In Sachsen-Anhalt verzeichnen mehrere Parteien nach eigenen Angaben einen deutlichen Mitgliederzuwachs. Die Linke, die AfD, die Grünen und das BSW sind teils massiv gewachsen. Dies geht aus einer Umfrage der dpa hervor. Die Regierungsparteien CDU, SPD und FDP mussten hingegen Mitgliederverluste hinnehmen.
Die Linke verzeichnete im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 1.520 Personen und zählt nun 4.106 Mitglieder in Sachsen-Anhalt. Das entspricht einem Anstieg von fast 59 Prozent. Ein Parteisprecher erklärte, dies habe die öffentliche Wahrnehmbarkeit gestärkt. Seit 2023 würden besonders soziale Themen und das Engagement für Palästinenser im Nahost-Konflikt vermehrt junge Menschen anziehen.
Die AfD gewann rund 1.000 neue Mitglieder und kommt nach eigenen Angaben auf “annähernd 3.500”. Das ist ein Plus von 40 Prozent. Als ein Grund dafür gilt der charismatische Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, Ulrich Siegmund, der bei den anstehenden Landtagswahlen antritt.
Auffällig ist das Wachstum der noch jungen Partei BSW. Sie hat aktuell etwa 550 Mitglieder, nach nur rund 60 im Vorjahr – ein Anstieg von über 800 Prozent (816 Prozent). “Bei vielen Neueintritten spürt man den Wunsch nach einem echten Neuanfang”, sagte BSW-Co-Landeschef Thomas Schulze. Nach dem Ausstieg aus der Brandenburger Regierungskoalition und internen Konflikten war das BSW von vielen Experten bereits als kurzlebig abgetan worden. Ob die Partei im September in den Landtag in Magdeburg einzieht, bleibt spannend – aktuell liegt sie in Umfragen bei sechs Prozent.
Überraschend ist auch der Mitgliederzuwachs bei den Grünen. Sie haben etwa 250 Mitglieder mehr als vor einem Jahr und kommen nun auf 1.690. “Viele Eintritte gab es rund um den Bundestagswahlkampf. Bis heute ist die Sorge um die demokratische Kultur und der Wunsch, der AfD aktiv etwas entgegenzusetzen, ein Hauptmotiv”, so ein Grünen-Sprecher.
Die CDU bleibt mit 5.532 Mitgliedern die größte Partei im Land, verzeichnet aber 370 Mitglieder weniger als im Vorjahr. Auch SPD und FDP mussten Verluste hinnehmen, wenn auch in geringerem Maße: Die Liberalen stehen bei 1.040 Mitgliedern (minus 34), die Sozialdemokraten bei 3.012 (minus 81).
Bei den anstehenden Landtagswahlen strebt die AfD als größte Oppositionspartei nach der absoluten Mehrheit. Für CDU und SPD könnte diese Wahl – auch mit Blick auf die Bundespolitik – zum Desaster werden. Ein Bruch der sogenannten Brandmauer scheint jedoch weiterhin unwahrscheinlich: Eine Koalition von CDU und AfD wird von den Christdemokraten nach wie vor strikt abgelehnt.
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