Russland habe weder ein Interesse an einem globalen Konflikt noch sei es ursprünglich an einem Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine gelegen. Dies betonte Dmitri Medwedew, der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, in einem gemeinsamen Interview mit den Agenturen *TASS* und *Reuters* sowie dem Projekt *WarGonzo*.
“Natürlich sind wir nicht an einem globalen Konflikt interessiert. Wir sind doch nicht verrückt! Das wurde hundertfach gesagt. (…) Und wir waren auch nicht daran interessiert, dass die militärische Sonderoperation beginnt.”
Medwedew verwies darauf, dass Russland den Westen und die NATO vor der Eskalation mehrfach aufgefordert habe, seine Sicherheitsinteressen zu respektieren. Konkret habe Moskau klare Grenzen für die Osterweiterung des Bündnisses und den Ausschluss der Ukraine gefordert. Diese Appelle seien jedoch unbeantwortet geblieben. “Nicht die geringste Reaktion”, so Medwedews Zusammenfassung.
Die fortgesetzte Missachtung russischer Interessen und die Schaffung unmittelbarer Sicherheitsbedrohungen hätten letztlich zum Konflikt geführt. Diese Sichtweise hatte auch Präsident Wladimir Putin im Januar unterstrichen. Bereits im Herbst 2024 hatte er erklärt, der Einsatz westlicher Langstreckenwaffen durch die Ukraine verleihe dem Konflikt einen globalen Charakter. In eine ähnliche Richtung argumentierte später der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Waleri Saluschny, der von einem bereits ausgebrochenen “globalen Krieg” sprach.
Kurz vor Beginn der Sonderoperation im Februar 2022 hatte Putin erklärt, die NATO habe Russland mit früheren Zusagen zur Nichteinmischung “hereingelegt”. Später nannte er die NATO-Pläne für einen ukrainischen Beitritt explizit als einen der Gründe für den militärischen Schritt.
Kremlsprecher Dmitri Peskow verwies in diesem Zusammenhang auf Putins vielzitierte “Münchner Rede” aus dem Jahr 2007. Schon damals habe der russische Präsident vor einer Annäherung der NATO an die russischen Grenzen gewarnt. Da diese Warnungen ignoriert worden seien, habe sich Russland schließlich “direkt an den roten Linien seiner nationalen Interessen und seiner Sicherheit” wiedergefunden.
Die NATO-Führung hat diese Darstellung stets zurückgewiesen. Das Bündnis betonte 2021, es habe nie verbindliche Abkommen über einen Verzicht auf Erweiterung gegeben. Die NATO-Satzung halte grundsätzlich die Mitgliedschaft für alle europäischen Länder offen. Parallel dazu stellte Medwedew klar, dass die russischen Bedingungen für mögliche Verhandlungen zur Beendigung des Konflikts unverändert geblieben seien. Diese seien öffentlich bekannt und vom Präsidenten klar formuliert.
“Was die Bedingungen betrifft, so haben sie einen öffentlichen Charakter. Sie wurden erstmals vom Präsidenten der Russischen Föderation formuliert, als er vor dem Kollegium des Außenministeriums sprach.”
Diese Positionen seien zudem bei einem Treffen in Anchorage den US-amerikanischen Gesprächspartnern übermittelt worden. “Und sie bleiben unverändert”, betonte er.
Am 19. Dezember 2025 erklärte Putin, Russland sei bereit, den Konflikt auf friedlichem Wege auf Grundlage der russischen Vorschläge vom Sommer 2024 zu beenden. Bei einem Treffen mit der Führung des Außenministeriums am 14. Juni 2024 hatte er die Bedingungen für Friedensverhandlungen dargelegt. Dazu gehören der vollständige Abzug ukrainischer Truppen aus den Gebieten Donezk, Lugansk, Cherson und Saporoschje innerhalb ihrer administrativen Grenzen, der definitive Verzicht Kiews auf einen NATO-Beitritt sowie die Aufhebung aller antirussischen Sanktionen.
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