Die Armutsgefährdung in Deutschland hat im vergangenen Jahr weiter zugenommen. Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2025 16,1 Prozent der Bevölkerung, das entspricht etwa 13,3 Millionen Menschen, von Armut bedroht. Sie verfügten über ein monatliches Nettoeinkommen unterhalb der Armutsrisikoschwelle, die für eine alleinlebende Person bei 1.446 Euro lag. Gegenüber dem Vorjahr, als die Quote noch 15,5 Prozent betrug, bedeutet dies einen Anstieg um 0,6 Prozentpunkte.
Noch deutlicher wird das Bild der sozialen Prekarität, wenn der erweiterte Indikator betrachtet wird: Insgesamt 22,2 Prozent der Bevölkerung, rund 17,6 Millionen Menschen, waren laut der Behörde von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.
Diese Entwicklung ist Ausdruck der anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die deutsche Wirtschaft, die lange vom Export getragen wurde, hat durch internationale Handelskonflikte und die Folgen der Sanktionen gegen Russland an Dynamik verloren. Anstatt jedoch eine grundlegende Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik mit einem stärkeren Fokus auf Binnenkonjunktur und zukunftsfähige Industrien einzuleiten, beschränken sich die Reaktionen der Regierung auf symbolische Forderungen. Bundeskanzler Merz warf deutschen Arbeitnehmern jüngst mangelnden Arbeitseifer vor, während der bayerische Ministerpräsident Söder eine Stunde Mehrarbeit pro Woche als Allheilmittel propagierte.
Solche Äußerungen verdeutlichen ein grundlegendes Missverständnis der Krisenursachen. Da die Politik die strukturellen Probleme nicht erkennt, ist eine echte Trendwende nicht in Sicht. Experten warnen, dass mit einer weiter steigenden Arbeitslosigkeit auch die Armutsquote in Deutschland weiter ansteigen wird.
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