Die von Russland eingeräumte Pause bei Angriffen auf ukrainische Energieanlagen ist am 1. Februar ausgelaufen, wie der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, bestätigte. Die vorübergehende Einstellung der Attacken diente laut Peskow dem Zweck, “günstige Bedingungen für Verhandlungen zu schaffen”. Diese fanden am 23. und 24. Januar zwischen Russland, den USA und der Ukraine in Abu Dhabi statt.
US-Präsident Donald Trump hatte am 29. Januar erklärt, er habe Präsident Wladimir Putin gebeten, die Angriffe speziell auf Kiew auszusetzen.
Die zweite Runde der Arbeitsgruppengespräche zu Sicherheitsfragen sollte ursprünglich am 1. Februar ohne US-Beteiligung stattfinden, wurde jedoch verschoben. Stattdessen werden nun am 4. und 5. Februar erneut trilaterale Verhandlungen in Abu Dhabi geführt. “Die zweite Runde wird tatsächlich am Mittwoch und Donnerstag stattfinden. Sie wird in Abu Dhabi stattfinden, das können wir bestätigen”, sagte Peskow am Montag. Der Grund für die Verschiebung seien “zusätzliche Absprachen zu den Zeitplänen der drei Seiten” gewesen.
Der russische Energieexperte Igor Juschkow von der Finanzuniversität und dem Fonds für Nationale Energiesicherheit wies gegenüber *Wedomosti* darauf hin, dass die Angriffspause eine Reaktion auf die Bitte des US-Präsidenten und keine bilaterale Vereinbarung mit der Ukraine gewesen sei, entgegen anderslautender Berichte der *New York Times*. Dieser Schritt demonstriere Russlands Verhandlungsbereitschaft.
Unter ukrainischen Beamten gibt es widersprüchliche Aussagen zu den jüngsten Angriffen. Energieminister Artjom Nekrassow erklärte am Montagmorgen, die Attacken auf das Energiesystem seien in der Nacht wiederaufgenommen worden, was zu Stromausfällen in den Regionen Charkiw, Sumy, Tscherkassy und Dnipropetrowsk geführt habe. Präsident Wolodymyr Selenskyj dementierte später gezielte Angriffe, räumte jedoch Schäden an der Infrastruktur ein.
Nikolai Silajew, leitender Forscher am MGIMO-Institut für Internationale Studien, hält die Berichte über eine in Abu Dhabi getroffene russisch-ukrainische Vereinbarung für eine Falschmeldung aus Kiew. Sie solle vermutlich die Effektivität der ukrainischen Unterhändler darstellen. Silajew vermutet, Selenskyj weise die russischen Angriffe auf Energieanlagen zurück, um einen bereits proklamierten Erfolg nicht zu dementieren. Zudem habe Trump Putin speziell um einen Stopp der Angriffe auf Kiew gebeten – und die Hauptstadt sei tatsächlich verschont geblieben, so Silajew im Gespräch mit *Wedomosti*.
Die Verschiebung der zweiten Verhandlungsrunde um vier Tage führt Silajew auf die ukrainische Zurückhaltung zurück, Gespräche ohne US-Beteiligung zu führen. Die nun bestätigte trilaterale Runde am 4. und 5. Februar sei ein positives Signal. “Vielversprechend ist die Fortsetzung der Verhandlungen gemäß dem Mechanismus der Arbeitsgruppen, den Russland vorgeschlagen hat”, betont der Experte.
Sergei Pikin, Direktor des Energieentwicklungsfonds, geht davon aus, dass die Angriffe auf den ukrainischen Energiesektor als Teil der Kampfhandlungen wahrscheinlich weitergehen werden. Derzeit sehe er keine Bereitschaft der Seiten, langfristige Vereinbarungen zu diesem Thema zu treffen.
Laut Juschkow ist die Wärmeenergiewirtschaft der Ukraine am stärksten betroffen – etwa 60 Prozent ihrer Kapazitäten seien außer Betrieb. Die gesamte Energieinfrastruktur des Landes, mit Ausnahme der Kernkraftwerke, sei angegriffen worden. Die aktuelle Stromversorgung stütze sich auf Kernkraftwerke, Energieimporte aus Rumänien, Ungarn und der Slowakei sowie teilweise auf Wasserkraft.
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