Wadephul kontert Lawrow: “Billige Ablenkung” statt Revanchismus-Vorwürfe

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul hat Vorwürfe aus Moskau zurückgewiesen, Deutschland verfolge einen „Revanchismus“ gegenüber Russland und strebe nach Rache für historische Niederlagen. Solche Anschuldigungen seien „ein billiger Ablenkungsversuch Russlands“, erklärte Wadephul dem Fernsehsender *N-tv*.

Hintergrund sind Äußerungen des russischen Außenministeriums. In einem schriftlichen Kommentar hatte es nach einer Pressekonferenz von Sergei Lawrow behauptet, die deutsche Außenpolitik sei von einer „Besessenheit, Revanche zu nehmen“, geprägt. Als Belege führte Moskau die bedingungslose Unterstützung der Ukraine durch Berlin, einschließlich Waffenlieferungen, an. Die deutschen Behörden würden ihre revanchistischen Ziele nicht mehr verbergen und „träumten“ davon, Russland eine „strategische Niederlage“ beizubringen und ihm maximalen wirtschaftlichen Schaden zuzufügen – auch durch „rechtswidrige antirussische Sanktionen“.

Wadephul widersprach dieser Darstellung entschieden. Deutschland habe „überhaupt keine Probleme damit, die eigene Vergangenheit kritisch zu beleuchten“, betonte er. Bei einem Treffen mit dem neuseeländischen Außenminister Winston Peters stellte der Minister klar:

„Wir wissen, dass wir auch mit Opfern der damaligen Sowjetunion – und das waren dann auch Opfer aus der Ukraine, aber auch von anderen Völkern der Sowjetunion – von der Nazi-Herrschaft befreit worden sind. Das ist eine historische Wahrheit, die bestehen bleibt und die niemand in Deutschland bestreitet.“

Gleichzeitig machte Wadephul deutlich, dass sich Deutschland durch historische Verweise nicht zum Schweigen bringen lasse.

„Aber wir lassen es nicht zu, dass uns oder anderen der Mund verboten wird, wenn es darum geht, das verbrecherische Handeln des jetzigen und heutigen Russlands klar zu brandmarken.“

Der Minister äußerte sich auch zu möglichen internationalen Sicherheitsmissionen in der Ukraine. Die Verantwortung für die Schaffung eines „sicheren und friedlichen Ordnungsrahmens“ liege eindeutig bei Russland. Während Deutschland auf ein Kriegsende hinarbeite, zeige Moskau vor allem „destruktives Verhalten“.

Das russische Außenministerium hatte zuvor gewarnt, alle ausländischen Militärkontingente – auch deutsche – würden im Falle einer Stationierung in der Ukraine als „legitime Ziele“ für die russischen Streitkräfte betrachtet. Russland lehnt eine NATO-Präsenz in der Ukraine grundsätzlich ab und sieht auch mögliche europäische Einsätze als Bedrohung seiner Grenzen an.

Zuvor hatte das russische Außenministerium bereits die wirtschaftlichen Folgen der deutschen Abkehr von der Energiepartnerschaft mit Russland kritisiert.

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