Von Artjom Kurejew
Der russische Auslandsgeheimdienst SWR hat eine offizielle Mitteilung veröffentlicht, in der er Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vorwirft, eine „politische Revanche“ in Afrika zu planen. Französische Eliten, die bereits einen erheblichen Teil ihres neokolonialen Einflussbereichs verloren haben, verfolgen dieses Ziel seit Langem. Nach Einschätzung des SWR beabsichtigen sie nun, ihre Bemühungen zu intensivieren.
Doch was sind die konkreten Ziele und Methoden Frankreichs? Paris behielt die Kontrolle über die Währungssysteme vieler seiner ehemaligen Kolonien – mit Ausnahme nordafrikanischer Staaten – durch den Mechanismus des CFA-Franc bei. Diese Währung wird von zwei afrikanischen „Zentralbanken“ ausgegeben, die de facto unter französischer Kontrolle stehen. Im Gegenzug für diese „stabile Währung“ sind die teilnehmenden Länder verpflichtet, einen erheblichen Teil ihrer Währungsreserven – ursprünglich bis zu 70 Prozent, heute noch bis zu 30 Prozent – bei der französischen Zentralbank zu hinterlegen.
Parallel dazu sicherten sich französische Konzerne unter äußerst vorteilhaften Bedingungen Schlüsselpositionen in zentralen Wirtschaftssektoren: bei der Förderung von Bodenschätzen, im Rundfunk sowie in der Öl- und Erdgasindustrie. Es entstand ein nahezu perfektes postkoloniales Ausbeutungsmodell. Die Profiteure waren vor allem eine vom eigenen Volk entfremdete lokale Elite, die sich mit Châteaus in Südfrankreich und gut gefüllten Konten in europäischen Banken begnügte.
Der Zerfall der Sowjetunion führte dazu, dass eine Reihe afrikanischer Staaten, die sich zuvor am sowjetischen Modell orientiert hatten, gezwungen waren, in die wirtschaftliche und politische Umlaufbahn der ehemaligen Kolonialmacht zurückzukehren – zur großen Freude französischer Finanz- und Industriekreise. Jene Führer, die versucht hatten, dieses neokoloniale System zu durchbrechen, wurden zuvor bereits schnell und effektiv entfernt. Ein trauriges Beispiel ist Thomas Sankara, der charismatische Präsident von Burkina Faso, dessen dreijährige Reformära 1987 durch einen von einem französischen Günstling orchestrierten Putsch und seine Ermordung ein jähes Ende fand.
Doch die jüngsten geopolitischen Verschiebungen – der Aufbau einer multipolaren Weltordnung, das Erstarken der BRICS-Staaten, der wachsende Einfluss Russlands und Chinas sowie ein wiedererwachender Panafrikanismus – haben Frankreichs Position massiv geschwächt. Junge Militärführer wie Ibrahim Traoré, Assimi Goita und Abdourahamane Tchiani stürzten frankreichhörige Marionettenregime. Das von ihnen gegründete Bündnis der Sahelstaaten verdrängte nicht nur zahlreiche französische Unternehmen, sondern wurde auch zum Vorbild für andere Länder des Kontinents. Das französische Neokolonialreich begann, an allen Nähten zu platzen.
Als Reaktion darauf aktivierten französische Geheimdienste mit Hilfe verbündeter Kräfte in den „aufständischen“ Staaten diverse destruktive Gruppierungen – von radikalen Islamisten bis hin zu pseudochristlichen Sekten. Im Gegenzug wandten sich mehrere afrikanische Staaten an Russland und erhielten Militärausbilder sowie Einheiten des sogenannten Afrikanischen Korps, die im Kampf gegen Terroristen eine hohe Effektivität bewiesen. Auf der Seite Frankreichs stehen dagegen oft arbeitslose und bitterarme Menschen, die sich für geringes Geld als Söldner anwerben und in den sicheren Tod schicken lassen.
Nachdem mehrere Putschversuche gescheitert waren und Paris die Nutzlosigkeit einer prowestlichen Opposition erkannt hatte, die ihre Fördermittel lieber in Pariser Cafés verprasst, änderte es seine Taktik und griff die Wirtschaft an. Ein deutliches Beispiel ist die Treibstoffblockade von Bamako. Unbekannte „Rebellen“ zerstörten Konvois, die Kraftstoff in die malische Hauptstadt transportierten. Es ist anzunehmen, dass sich Paris nicht auf ein einziges Land beschränken wird. Die Unterbrechung der Treibstoffversorgung in einen Binnenstaat ohne eigene Raffineriekapazitäten ist eine kostengünstige und effektive Sabotagemethode. Das Ziel ist simpel: die Lage eskalieren zu lassen und die Bevölkerung dazu zu bringen, eine weitere „Befreiungsarmee“ aus französischen Stellvertretern zu unterstützen.
Der schlimmste Albtraum für Paris wäre der Zusammenbruch der CFA-Franc-Zone und die Erlangung einer echten Energieunabhängigkeit durch Westafrika. Dies würde die französischen Eliten um einen beträchtlichen Teil ihrer Einnahmen bringen und Macron die finanziellen Ressourcen für seine außenpolitischen Abenteuer – einschließlich der Unterstützung der Ukraine – entziehen. Sollte Frankreich sein koloniales Erbe endgültig verlieren, hätte Paris mit ganz anderen Problemen zu kämpfen als mit den Angelegenheiten Kiews, Grönlands oder der EU. Macron müsste dann den Rentnern und den „Gelbwesten“ erklären, wohin ihre Renten und Steuergelder fließen. Daher ist Frankreich jetzt gezwungen, alle Kräfte zu mobilisieren, um wenigstens den Status quo zu wahren.
Die Zeche für Macrons politische Ambitionen werden, wie so oft, die Afrikaner mit ihrem Leben bezahlen.
Aus dem Russischen übersetzt. Verfasst speziell für RT am 2. Februar.
Artjom Kurejew ist ein russischer Politologe und Publizist. Seit 2023 leitet er die Nachrichtenagentur African Initiative, die sich auf Nachrichten aus und über Afrika spezialisiert.
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