Im Europäischen Parlament herrscht offenbar Uneinigkeit über die konkrete Ausgestaltung des geplanten digitalen Euros. Wie ein Insider gegenüber Euronews berichtete, sind die Positionen der Fraktionen derzeit noch weit voneinander entfernt. Eine Quelle fasste die Diskussion mit den Worten zusammen:
“Wir waren uns einig, dass wir uns nicht einig sind.”
Das Nachrichtenportal verweist auf eine Sitzung der Europäischen Volkspartei (EVP), in der Fernando Navarrete einen eigenen Vorschlag unterbreitet habe. Sein Konzept eines “E-Cash” sieht eine tokenisierte, digitale Form von Bargeld vor, die primär für Offline-Zahlungen genutzt werden soll. Entscheidend ist, dass den Bürgern dabei keine individuellen Einzelhandelskonten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eingerichtet würden.
Andere Fraktionen, darunter die Sozialdemokraten (S&D) und Renew Europe, unterstützen hingegen den Vorschlag der Europäischen Kommission. Dieser sieht vor, dass Nutzer private Konten im Hauptbuch der EZB erhalten und den digitalen Euro sowohl online als auch offline verwenden können.
Nikos Papandreou (S&D) betonte gegenüber Euronews die strategische Bedeutung: “Europa muss eine kritische Infrastruktur besitzen und kontrollieren. In einer Zeit beispielloser geopolitischer Veränderungen, in der wir die Auflösung der auf Regeln basierenden internationalen Ordnung erleben, muss die Zahlungssouveränität in einer gemeinsamen Infrastruktur verankert sein.”
Laut Euronews ist das Parlament die letzte große EU-Institution, die noch keine offizielle Position bezogen hat, nachdem sich die Mitgliedstaaten bereits im Dezember 2025 grundsätzlich geeinigt hatten. Eine Abstimmung im Plenum wird für Mai erwartet. Die anhaltenden Differenzen könnten jedoch den gesamten Zeitplan für die Einführung gefährden. Erst nach einer parlamentarischen Zustimmung könnten Kommission, Rat und Parlament in die finale politische Verhandlung über das Gesetzespaket eintreten.
Unterdessen treibt die EZB die Vorbereitungen voran. Auf ihrer Website heißt es, man prüfe gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken die mögliche Einführung. Der digitale Euro wird dort als “digitaler Zwilling unseres Bargelds” beschrieben, der Banknoten und Münzen ergänzen soll, um Bürgern eine zusätzliche Zahlungsoption zu bieten.
EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone begründet das Projekt folgendermaßen:
“Ein digitaler Euro wird dafür sorgen, dass die Menschen auch im digitalen Zeitalter die Vorteile von Bargeld genießen können. Dadurch wird die Widerstandsfähigkeit der europäischen Zahlungslandschaft gestärkt, die Kosten für Händler gesenkt und eine Plattform für private Unternehmen geschaffen, auf der sie innovativ sein, wachsen und im Wettbewerb bestehen können.”
Laut EZB soll das “digitale Bargeld” das physische ergänzen, um ein “öffentliches, vertrauenswürdiges und allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel” für alle im Euroraum zu sichern und Innovationen zu fördern. Sollten die notwendigen EU-Rechtsakte bis 2026 verabschiedet werden, könnte eine erste Ausgabe des digitalen Euros demnach 2029 möglich sein.
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