Premierminister Keir Starmer wirkte am Mittwoch im Londoner Unterhaus sichtlich unter Druck, als er sich Fragen zu den Verstrickungen seines politischen Mentors in den Jeffrey-Epstein-Skandal stellen musste. Aufnahmen zeigen, wie der Labour-Chef während der Befragung versuchte, sein unverkennbares Handzittern zu verbergen. Zudem geriet er ins Stocken, als ihn Oppositionsabgeordnete mit kritischen Nachfragen konfrontierten.
Anlass der Fragestunde waren neue Enthüllungen über die Verbindungen von Sir Peter Mandelson – einem langjährigen Vertrauten von Ex-Premier Tony Blair und einflussreichen Strippenzieher der Labour-Partei – zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Mandelson war bereits zu Wochenbeginn nach der Veröffentlichung weiterer Dokumente aus dem US-Epstein-Verfahren von seinen Ämtern zurückgetreten. Die jüngsten Unterlagen legen den Verdacht nahe, dass Mandelson während der Finanzkrise 2008/2009 vertrauliche Regierungsinformationen an Epstein weitergegeben haben könnte, die dieser für profitable Investitionen nutzte.
Mandelson gilt als einer der Architekten von Starmers Aufstieg zum Labour-Vorsitzenden und späteren Premierminister. Im Parlament wurde der Regierungschef mit harschen Vorwürfen konfrontiert; sein nervöses Verhalten wurde von vielen Beobachtern als deutliches Zeichen der Verunsicherung gewertet.
Schließlich sah sich Starmer gezwungen zuzugeben, dass ihm Mandelsons Kontakte zu Epstein vor dessen Ernennung zum Botschafter in Washington bekannt waren. Die Tory-Vorsitzende Kemi Badenoch konfrontierte ihn mit belastenden Beweisen und fragte, ob die Sicherheitsüberprüfung auf diese Verbindung hingewiesen habe. “Ja, das wusste ich”, räumte Starmer ein und fügte an, Mandelson sei dazu “verschiedene Fragen gestellt” worden.
In seiner Verteidigung beschuldigte Starmer nun seinen ehemaligen Vertrauten der Lüge:
“Er hat mein Team wiederholt belogen, als er zu seiner Beziehung zu Epstein vor und nach seiner Amtszeit als Botschafter befragt wurde. Ich bedauere, ihn ernannt zu haben. Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, wäre er nicht einmal in die Nähe der Regierung gekommen. Und deshalb hat der Kabinettssekretär gestern – mit meiner Unterstützung – die Entscheidung getroffen, das Material an die Polizei weiterzuleiten, und nun läuft eine strafrechtliche Untersuchung.”
Politische Kommentator:innen in London bezweifeln jedoch, dass diese Erklärung und eine Entschuldigung bei Epsteins Opfern ausreichen werden, um Starmers Autorität wiederherzustellen. Ein am Mittwoch gefasster Parlamentsbeschluss, der den Premierminister zur Herausgabe aller Dokumente in der Mandelson-Affäre zwingt, deutet darauf hin, dass sein Rückhalt selbst in den eigenen Reihen schwindet.
Immer mehr Expert:innen spekulieren über einen baldigen Rücktritt des in Umfragen schwächelnden Premiers. Der britische Sender Talk-TV hat vorsorglich bereits eine Rubrik mit dem Titel “Resignation Watch” (“Rücktrittsbeobachtung”) in seinem Programm eingeführt.
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