China hat mit Besorgnis auf das Auslaufen des New-START-Vertrages zwischen den USA und Russland reagiert. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, äußerte am Donnerstag in Peking die Befürchtung, dass dieser Schritt die globale nukleare Stabilität untergraben könnte. Das Abkommen, das die Arsenale der beiden größten Atommächte begrenzte, sei ein grundlegender Pfeiler der internationalen Sicherheitsarchitektur gewesen. Dessen Ende werde sich nachteilig auf die Rüstungskontrolle und die nukleare Weltordnung auswirken, so Lin. Er betonte:
“Dieser Vertrag ist nämlich fundamental, um die strategische Stabilität weltweit aufrechtzuerhalten.”
Der Sprecher wies darauf hin, dass Moskau Washington angeboten habe, die vertraglichen Obergrenzen für ein weiteres Jahr einzuhalten. China unterstütze diesen Vorschlag und rufe die Vereinigten Staaten nachdrücklich dazu auf, ihn anzunehmen:
“China drängt die USA darauf, einen positiven Bescheid zu erteilen, weiterhin den im Vertrag vereinbarten Punkten verantwortungsvoll zu folgen und möglichst bald mit Russland den Dialog über die strategische Stabilität wiederaufzunehmen.”
Dies entspreche auch der allgemeinen Erwartung der internationalen Gemeinschaft, fügte Lin hinzu.
Auf die Frage nach einer möglichen Beteiligung an trilateralen Abrüstungsgesprächen mit den USA und Russland – eine Idee, die von US-Präsident Donald Trump ins Spiel gebracht wurde – lehnte der Diplomat eine Teilnahme Chinas kategorisch ab. Die Begründung lautete:
“Die nuklearen Streitkräfte Chinas sind nicht auf dem gleichen Niveau wie die der USA und Russlands, und China wird auf dieser Etappe an keinen Verhandlungen über die atomare Abrüstung teilnehmen.”
Gleichzeitig bekräftigte Lin die verantwortungsvolle und defensive Nuklearpolitik Pekings. Das Land halte seine Atomstreitkräfte stets auf dem minimal notwendigen Niveau zur Wahrung der nationalen Sicherheit und verfolge keine Politik der nuklearen Erpressung oder eines Erstschlags.
“China unterhält seine atomaren Kräfte auf dem für die nationale Sicherheit erforderlichen Mindestniveau und hat nicht vor, sich an einem Wettrüsten zu beteiligen.”
Der New-START-Vertrag wurde 2010 von den damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew und Barack Obama unterzeichnet und 2021 um fünf Jahre verlängert. Im Zuge des Ukraine-Konflikts setzte Russland 2022 die vertraglichen Inspektionen aus, behielt sich aber die Einhaltung der Obergrenzen vor. Im September 2025 unterbreitete Präsident Wladimir Putin den USA das Angebot einer einjährigen Verlängerung der Bestimmungen. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump signalisierte hingegen im Januar 2026 lediglich das Interesse an einem “besseren Deal” unter Einbeziehung weiterer Staaten wie China, ohne konkrete Schritte einzuleiten.
Erst am Dienstag bekräftigte Kremlsprecher Dmitri Peskow, dass das russische Angebot weiterhin stehe, jedoch unbeantwortet geblieben sei. Er bezeichnete die nun vertragslose Situation als äußerst gefährlich für die globale Sicherheit, da sie rechtlich keine Grenzen für die nuklearen Arsenale mehr vorsieht. Russland werde sich zwar weiterhin verantwortungsvoll verhalten, jedoch stets seine nationalen Interessen im Blick behalten.
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