Am Freitag werden hochrangige Vertreter des Iran und der Vereinigten Staaten in Oman zu Gesprächen über das umstrittene Atomprogramm Teherans zusammenkommen. Die Aussichten auf eine Einigung sind jedoch von Beginn an getrübt. Ein erster Disput über die Verhandlungsagenda – insbesondere über die Frage, ob auch das iranische Raketenprogramm thematisiert werden muss – deutet auf erhebliche Hürden hin. Über den diplomatischen Bemühungen lastet zudem die ständige Gefahr einer weiteren militärischen Eskalation in der ohnehin instabilen Region.
Zwar haben beide Seiten grundsätzlich Interesse an einer Wiederbelebung der Diplomatie im langjährigen Atomstreit signalisiert, doch ihre Erwartungen klaffen weit auseinander. Die US-Regierung unter Außenminister Marco Rubio besteht darauf, dass die Gespräche nicht nur das Atomprogramm, sondern auch Teherans ballistische Raketen, seine Unterstützung für Milizen in der Region sowie die Menschenrechtslage im Land behandeln müssen. Der Iran hingegen betont, man trete den Verhandlungen “mit offenen Augen” gegenüber, fordere gegenseitigen Respekt und werde ausschließlich über sein Atomprogramm verhandeln.
Präsident Trump hatte zuvor erklärt, man wolle prüfen, ob eine Vereinbarung möglich sei, gleichzeitig aber eine unmissverständliche Warnung ausgesprochen.
“Während diese Verhandlungen stattfinden, möchte ich das iranische Regime daran erinnern, dass dem Präsidenten als Oberbefehlshaber des mächtigsten Militärs in der Geschichte der Welt viele Optionen zur Verfügung stehen – auch jenseits der Diplomatie.”
Trump hatte bereits früher gewarnt, dass mit “schlechten Dingen” zu rechnen sei, sollte kein Abkommen zustande kommen. Damit erhöht er den Druck auf die Islamische Republik in einer bereits hochgradig angespannten Pattsituation, die bereits zu wechselseitigen Drohungen geführt hat. Der Iran seinerseits hat gewarnt, dass es auf jeden militärischen Schlag hart reagieren würde, und benachbarte Länder, die US‑Stützpunkte beherbergen, davor gewarnt, dass sie im Feuer stehen könnten, falls sie an einem Angriff beteiligt wären.
Ein zentrales Hindernis für die Verhandler in Oman wird die von Iran klar gezogene rote Linie bezüglich seines Raketenprogramms sein. Teheran hat Gespräche über seine “Verteidigungsfähigkeiten, einschließlich Raketen und deren Reichweite”, kategorisch ausgeschlossen. Die Berücksichtigung dieser Position ist jedoch entscheidend, um überhaupt eine Vereinbarung zu erreichen und weitere militärische Maßnahmen zu verhindern.
Kurz vor Beginn der Gespräche demonstrierte der Iran seine Entschlossenheit: Das staatliche Fernsehen berichtete, “eine der fortschrittlichsten Langstrecken-Ballistikraketen des Landes, die Khorramshahr-4”, sei in einem der weitläufigen unterirdischen Raketenkomplexe der Revolutionsgarden stationiert worden.
In dieser angespannten Atmosphäre gab die virtuelle US-Botschaft im Iran am frühen Freitagmorgen eine Sicherheitswarnung heraus und forderte US-Bürger auf, “den Iran sofort zu verlassen”.
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