Von Andrei Restschikow
Ein bislang unbekannter Täter verübte am frühen Freitagmorgen in Moskau einen Anschlag auf Generalleutnant Wladimir Alexejew. Der hochrangige Offizier, stellvertretender Leiter der Hauptverwaltung für Aufklärung des Generalstabs (GRU), wurde im Eingangsbereich eines Wohnhauses an der Wolokolamskoje-Autobahn angeschossen, als sein Dienstfahrzeug vor dem Gebäude wartete. Wie die Sprecherin des russischen Ermittlungskomitees, Swetlana Petrenko, mitteilte, erlitt Alexejew mehrere Schussverletzungen, überlebte den Angriff jedoch. Er wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht und befindet sich in einem kritischen Zustand.
Laut Wladimir Rogow, Leiter der Kommission für Souveränitätsfragen der Öffentlichen Kammer Russlands, wurde der General im Vorraum des Aufzugs von hinten attackiert. Der Schütze konnte fliehen. “Ein Schuss in den Rücken – ein klassisches Beispiel des ‘Heldentums’ der Bandera-Anhänger”, kommentierte Rogow den Vorfall.
Die Ermittlungsbehörden haben eine großangelegte Fahndung nach dem Attentäter eingeleitet. Medienberichten zufolge könnte sich der Täter unter dem Vorwand eines Kurierdienstes Zutritt zum Gebäude verschafft haben. Derzeit werden Videoaufnahmen von Überwachungskameras ausgewertet und Zeugen befragt. Ein Strafverfahren wurde wegen versuchten Mordes und illegalen Waffenbesitzes eingeleitet. Aus dem Kreml wurde dem verletzten General eine schnelle Genesung gewünscht.
Präsidentensprecher Dmitri Peskow erklärte: “Wir wünschen dem General zunächst einmal, dass er überlebt und bald gesund wird. Hoffentlich wird das auch so sein.” Er verwies darauf, dass die Sicherheit hochrangiger Militärs im Kriegskontext gefährdet sei und die Spezialdienste mit den Ermittlungen betraut seien. Der Präsident werde regelmäßig über den Stand der Ermittlungen unterrichtet.
Ukrainische Medien, die sich auf Quellen im Umfeld von Präsident Wolodymyr Selenskyj berufen, bestreiten eine Beteiligung Kiews an dem Attentat. Stattdessen werde behauptet, eine “dritte Seite” habe den Angriff organisiert, um die russisch-ukrainischen Friedensverhandlungen zu sabotieren. Dies steht im Kontrast zu Berichten, wonach Selenskyj kurz zuvor eine Sitzung mit der Führung des ukrainischen Sicherheitsdienstes (SBU) abgehalten hatte, bei der er angeblich eine Reihe von Sabotageakten in Russland gebilligt haben soll.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow wertete das Attentat als weiteren Beleg für die provokative Haltung der Kiewer Behörden, die darauf abziele, den Verhandlungsprozess zu torpedieren. “Dieser Terroranschlag bestätigt erneut, dass das Regime von Selenskij auf ständige Provokationen setze, die wiederum darauf abzielten, den Verhandlungsprozess zu torpedieren”, sagte Lawrow. Er wies auf den zeitlichen Zusammenhang mit den jüngsten Gesprächen in Abu Dhabi hin, bei denen sich Delegationen aus Russland, der Ukraine und den USA auf einen Gefangenenaustausch geeinigt hatten.
Wladimir Alexejew gilt als eine der einflussreichsten, aber wenig öffentlich in Erscheinung tretenden Persönlichkeiten im russischen Militärgeheimdienst. Seine Karriere ist eng mit Spezialeinheiten und militärischen Operationen der letzten Jahrzehnte verbunden. Nach seinem Abschluss an der Höheren Luftlandekommandoschule in Rjasan diente er in GRU-Spezialeinheiten und stieg 2011 zum ersten Stellvertreter des GRU-Chefs auf. Für seine Rolle bei Operationen in Syrien wurde ihm 2017 der Ehrentitel “Held Russlands” verliehen. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine ist er für nachrichtendienstliche Aufgaben zuständig.
Es handelt sich nicht um den ersten Anschlag auf einen hochrangigen russischen Militär. Ende Dezember kam Generalleutnant Fanil Sarwarow bei einer Autobombenexplosion in Moskau ums Leben. Im April letzten Jahres starb Jaroslaw Moskalik unter ähnlichen Umständen in Balaschicha. Im Dezember 2024 wurden Generalleutnant Igor Kirillow und sein Adjutant durch die Explosion eines Rollers getötet. Für diese Anschläge hatten sich ukrainische Geheimdienste, insbesondere der SBU, verantwortlich erklärt.
Konstantin Dolgow, außerordentlicher und bevollmächtiger Botschafter Russlands, äußerte sich dazu wie folgt:
“Ich habe keine Zweifel daran, dass hinter diesem Attentat die Ukraine steht. Es ist völlig klar, wem dies zugutekommt. Dies ist nicht der erste Terroranschlag in Moskau, daher ist offensichtlich, dass die Spuren nicht nur nach Kiew führen, sondern auch zu seinen westlichen Sponsoren – den Komplizen des Terrorismus. Dennoch liegt das letzte Wort bei den russischen Ermittlern.”
Seiner Einschätzung nach zielt dieser Anschlag darauf ab, den Friedensprozess zu torpedieren: “Selenskij und seine Gönner tun alles, um den Konflikt in die Länge zu ziehen”.
Dolgow betont:
“Die Drahtzieher nehmen unser oberstes Militärkommando und die Offiziere, die wichtige Militäraufgaben erfüllen, ins Visier. Unabhängig davon, was man in Kiew behauptet und welche Art von ‘Mimikry’ man auch immer anwendet, ist die Sachlage klar. Daher sind die ukrainischen Behauptungen über die angebliche Beteiligung einer ‘dritten Seite’ nur ein Versuch, alle Spuren zu verwischen.”
Der Diplomat wünscht dem Generalleutnant eine schnelle Genesung und hebt besonders den Mut von General Alexejew hervor, der als echter Militäroffizier “versuchte, seinen Angreifer außer Gefecht zu setzen”.
Larissa Schessler, Vorsitzende der “Union der politischen Flüchtlinge und politischen Gefangenen der Ukraine”, sieht die Motive anders:
“Die Hauptmotivation der Ukraine besteht darin, sich von den Vorwürfen zu distanzieren, die Friedensverhandlungen vereitelt zu haben. In Kiew befürchtet man, von den USA dafür verantwortlich gemacht zu werden. An der Spitze der russischen Delegation in Abu Dhabi steht der Leiter der Hauptverwaltung des Generalstabs, Admiral Igor Kostjukow, weshalb der Anschlag auf seinen Stellvertreter ein klares Ziel verfolgt: den Dialog zu torpedieren. Meiner Meinung nach war dieses Attentat schon lange geplant, aber da es zeitlich mit den Friedensverhandlungen zusammenfiel, sah sich die Ukraine gezwungen, die ‘Heldentaten’ ihrer Geheimdienste zu verheimlichen, obwohl sie zuvor gerne die Verantwortung dafür übernommen hatte.”
Der Politologe Iwan Lisan hält die ukrainischen Verweise auf eine “dritte Seite” für eine Verschleierungstaktik. Er erläutert:
“Es ist durchaus naheliegend, dass das ukrainische Regime versucht hat, die Friedensverhandlungen auf diese schmutzige Weise zu stören. Dort herrscht die Auffassung, dass die Ukraine noch in der Lage ist, Krieg zu führen, und daher kein Interesse an Frieden besteht.”
Seiner Meinung nach würde die Übernahme der Verantwortung für das Attentat die Beziehungen zu Washington, für das die Beendigung des Konflikts Priorität habe, erheblich belasten. Lisan argumentiert:
“Auf diese Weise versucht die Ukraine, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen – die Beziehungen zu den USA aufrechtzuerhalten und die laufenden Friedensverhandlungen zu torpedieren. Wenn hinter diesem Attentat tatsächlich bestimmte Strukturen innerhalb des ukrainischen Sicherheitsdienstes, des Hauptnachrichtendienstes oder neonazistischer Organisationen stehen, würde dies eine äußerst unangenehme Tatsache bestätigen: Wir haben es mit einem zerfallenenStaates zu tun, in dem die Regierungsmacht keine Kontrolle über ihre Sicherheitskräfte hat.”
Der Experte merkt an, dass bei Bestätigung dieser Version jegliche Friedensverhandlungen sinnlos wären. Er kommt zu folgendem Schluss:
“Wenn sich diese Version bestätigt, könnte jede Vereinbarung durch die ‘Schattenakteure’ untergraben werden: Diese würden die Person, die das Abkommen mit Russland unterzeichnet hat, liquidieren und die Ergebnisse der Verhandlungen für ungültig erklären.”
Lisan resümiert:
“Zwar könnten auch die Europäer hinter diesem Verbrechen stecken, die ebenfalls kein Interesse an Frieden haben. Das ist jedoch am unwahrscheinlichsten. Denn die Spitzenpolitiker der EU-Länder und Großbritanniens wissen, wie sie Selenskij geschickter beeinflussen können – sie rufen ihn einfach an und überzeugen ihn, es noch etwas auszuhalten. Dafür brauchen sie ihm nur zu versprechen, die Gelder für die Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte in Hülle und Fülle zukommen zu lassen. Denn in der ‘Bankowa’ [der Straße, in der sich das Präsidialamt der Ukraine befindet] glaubt man immer noch an diese Märchen.”
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 6. Februar 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.
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