Neue Dokumente im Fall Jeffrey Epstein werfen eine bemerkenswerte Frage auf: Wie kam seine Komplizin Ghislaine Maxwell an einen internationalen Presseausweis der Deutschen Journalisten-Union (DJU)? Die entsprechenden Unterlagen wurden vor einer Woche vom US-Justizministerium veröffentlicht.
Die Vergabepraxis der DJU macht den Fund besonders. Der Verband stellt seine internationalen Presseausweise ausschließlich an Mitglieder aus, die einer journalistischen Tätigkeit nachgehen. Für Maxwell ist eine solche berufliche Tätigkeit – insbesondere in Deutschland – jedoch nicht bekannt. Dies lässt Zweifel an den Umständen der Ausstellung aufkommen.
Eine Anfrage der Spiegel-Redaktion an die Internationale Journalisten-Föderation (IFJ), unter deren Dach die DJU agiert, blieb unbeantwortet. Auf ihrer Website preist die IFJ den Ausweis als “Anerkennung Ihres Engagements für ethische Standards” und als “Türöffner” an, der den Zugang zu Veranstaltungen erleichtere. “Inhaberinnen und Inhaber profitieren von der offiziellen Anerkennung der IFJ innerhalb der Europäischen Union sowie bei Organisationen der Vereinten Nationen und anderen internationalen Gremien”, heißt es dort.
Laut den US-Akten nutzte Maxwell den Presseausweis im Jahr 2018 in den Vereinigten Staaten als Identitätsnachweis, unter anderem zur Anmietung eines Postfachs. Die Verurteilte verbüßt derzeit eine 20-jährige Haftstrafe wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger. Für diesen Montag ist eine Aussage der Epstein-Vertrauten vor dem US-Kongress angekündigt.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den milliardenschweren US-Investor Jeffrey Epstein, der in höchsten gesellschaftlichen Kreisen vernetzt war. Ihm wurde vorgeworfen, über Jahre hinweg tausende Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an einflussreiche Persönlichkeiten vermittelt zu haben. Epstein wurde im August 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden. Die offiziellen Ermittlungen gingen von Suizid aus.
Mehr zum Thema – Epstein und die Ukraine – ein Bündnis aus der Hölle