In den Medien gewinnen Spekulationen über den Tod des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein neue Nahrung. Wie die *Berliner Zeitung* berichtet, wurde in den vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten ein Dokument mit einem abweichenden Todesdatum entdeckt. Dabei handelt es sich um einen Entwurf für eine Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Manhattan, in dem der 9. August 2019 als Epsteins Todestag genannt wird. Bisherigen offiziellen Angaben zufolge wurde sein Tod jedoch erst am 10. August 2019 festgestellt.
Noch weitaus spektakulärer sind andere Gerüchte, über die die *Berliner Zeitung* bereits am Samstag unter der Überschrift “Könnte Epstein noch am Leben sein?” berichtete. Demnach soll ein damaliger Gefängniswärter am Morgen des 10. August 2019 behauptet haben, der Häftling sei ausgetauscht worden. Über soziale Medien habe der Wärter mitgeteilt, Epstein sei in der Nacht zuvor in einem Rollstuhl aus seiner Zelle gebracht und in einen Transporter verladen worden.
Zur Entstehung des Dokuments mit dem früheren Datum schreibt die *Berliner Zeitung*:
*”Das Dokument trägt den Briefkopf der Staatsanwaltschaft für den südlichen Bezirk von New York und ist datiert auf Freitag, den 9. August 2019. In dem Text heißt es, Epstein sei ‘früh am Morgen bewusstlos in seiner Zelle aufgefunden und kurz darauf für tot erklärt worden’. Nach offiziellen Angaben wurde Epstein jedoch erst am Morgen des 10. August 2019 im Metropolitan Correctional Center in Manhattan leblos entdeckt und später im Krankenhaus für tot erklärt.”*
Der Journalist Robert Barnes habe auf diesen Widerspruch aufmerksam gemacht und vermutet, der Entwurf sei bereits vor Epsteins tatsächlichem Tod erstellt worden. US-Behörden haben sich zu dem widersprüchlichen Datum bisher nicht geäußert. Das Dokument der Staatsanwaltschaft enthalte keine Belege für eine frühere Todesfeststellung.
Weiterhin wird über eine nächtliche Videoaufnahme aus Epsteins Zellentrakt spekuliert. Ein interner Vermerk besagt, auf einer Überwachungsaufnahme vom 9. August 2019 um 22:39 Uhr sei “ein orangefarbener Schatten auf einer Treppe zu sehen gewesen”. Das Office of Inspector General erklärte später im Abschlussbericht, der Schatten stamme von einem Justizvollzugsbeamten in orangefarbener Kleidung oder Bettwäsche.
Dies steht jedoch im Widerspruch zu Befragungen des Gefängnispersonals, wonach das Austeilen von Wäsche nicht zu den Aufgaben der Beamten gehörte und zu anderen Zeiten stattfand. Diese Aussagen fanden im Abschlussbericht keine Erwähnung. Anderen US-Behörden zufolge seien in der mutmaßlichen Todesnacht überhaupt keine Bewegungen aufgezeichnet worden.
Die Hypothese, Jeffrey Epstein habe das New Yorker Gefängnis lebend verlassen, gewinnt durch die jüngsten Veröffentlichungen weiter an Glaubwürdigkeit, so die *Berliner Zeitung*. In den freigegebenen Unterlagen taucht zudem der Name Roberto Grijalva auf – jener Justizvollzugsbeamte, der am 10. August 2019 unter dem Pseudonym 4Chan in sozialen Medien berichtete, Epstein habe das Gefängnis in jener Nacht lebend und in Handschellen verlassen. Ihm zufolge sei Epstein in einem Rollstuhl zu einem Transportfahrzeug gebracht worden.
Sein Bericht wiege schwer, urteilt die Zeitung. Als Beamter des Metropolitan Correctional Center (MCC) gehöre er zum inneren Zirkel des Gefängnispersonals. In sozialen Netzwerken seien jüngst “investigative Threads” veröffentlicht worden, die die “Austauschtheorie” stützen. Darin werden insbesondere gravierende Widersprüche thematisiert, die das vom FBI im Juli 2025 veröffentlichte Videomaterial offenbare.
So habe der ehemalige Justizminister William Barr behauptet, das Video zeige “klar wie der Tag”, dass niemand den Bereich betreten habe. Eine digitale Rekonstruktion der Special Housing Unit (SHU) durch Experten vermittle jedoch ein anderes Bild. Demnach befinde sich die Treppe zu Epsteins Zellentrakt “fast vollständig in einem toten Winkel der Kameras”, so die *Berliner Zeitung*.
In der Videosequenz vom Abend des 9. Augusts um 22:40 Uhr identifizierte die US-Regierung eine orangefarben gekleidete Gestalt als die Wärterin Tova Noel – sie trage Bettwäsche. Forensische Experten wie der pensionierte NYPD-Sergeant Conor McCourt widersprechen dieser Darstellung. Ihrer Ansicht nach handelt es sich bei der Gestalt vielmehr um eine Person in einem orangefarbenen Gefängnisoverall, was die Theorie eines nächtlichen Austauschs stütze.
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