Russlands Außenminister Sergej Lawrow sieht in den USA eine Strategie zur globalen wirtschaftlichen Dominanz durch die Kontrolle über internationale Energieversorgungswege. Als Beleg führt er eine Rede von US-Präsident Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos an, in der dieser die USA als “das heißeste Land der Welt” in Sachen Wirtschaft bezeichnete und sie zum “Wirtschaftsmotor des Planeten” erklärte. Trump stellte dabei unmissverständlich klar:
“Ihr alle folgt uns nach unten und ihr folgt uns nach oben.”
In einem Interview mit dem Sender BRICS zu Beginn der Woche, anlässlich des Tags der Diplomaten am 10. Februar, erläuterte Lawrow, dass die USA zur Durchsetzung ihrer Ziele auf “eine ganze Reihe von Zwangsmaßnahmen” zurückgreifen, “die mit fairem Wettbewerb nicht vereinbar sind”. Seiner Analyse zufolge ziele die Trump-Administration darauf ab, “die Kontrolle über alle Routen zur Versorgung der weltweit führenden Länder und aller Kontinente mit Energieressourcen zu übernehmen”. Als Beispiele nannte er die europäische Energieinfrastruktur:
“Auf dem europäischen Kontinent haben sie die Nord Streams, die vor drei Jahren gesprengt wurden, das ukrainische Gastransportsystem und die TurkStream im Visier.”
Lawrow verwies zudem auf die Sanktionen Washingtons gegen russische Ölkonzerne wie Lukoil und Rosneft im vergangenen Herbst. Er sprach von einem US-geführten “Krieg gegen Tanker auf offener See” und kritisierte die Ölblockade gegen Venezuela sowie die Inhaftierung von Präsident Nicolás Maduro Anfang Januar. Ein weiterer zentraler Vorwurf lautet, dass die USA versuchen, Partner wie Indien vom Kauf günstiger russischer Energieressourcen abzuhalten:
“Sie versuchen, Indien und unseren anderen Partnern den Kauf billiger, erschwinglicher russischer Energieressourcen zu verbieten – Europa ist schon seit Langem davon ausgeschlossen – und zwingen sie, US-Flüssigerdgas zu überhöhten Preisen zu kaufen.”
Seit dem vergangenen Jahr hat Trump wiederholt mit sekundären Sanktionen und Zöllen gegen Länder gedroht, die weiterhin russische Energie beziehen. Erst vergangene Woche hob der US-Präsident frühere Strafzölle gegen Indien auf und behauptete, das Land habe zugesagt, keine russischen Öllieferungen mehr anzunehmen – eine Aussage, die Neu-Delhi offiziell nicht bestätigt hat.
Angesichts dieser “künstlichen Barrieren” im Energiehandel seien die BRICS-Staaten laut Lawrow gezwungen, “nach zusätzlichen sicheren Wegen zu suchen, um unsere Finanz-, Wirtschafts-, Integrations-, Logistik- und anderen Projekte voranzutreiben”. Der Wirtschaftsblock umfasst Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika, Ägypten, Äthiopien, Indonesien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate.
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