In einem Interview mit der Financial Times äußerte sich der türkische Außenminister Hakan Fidan zu den laufenden Atomgesprächen zwischen den USA und dem Iran. Er wies auf eine bemerkenswerte Flexibilität beider Seiten hin, wobei Washington offenbar zu Zugeständnissen bei der Urananreicherung bereit sei.
Fidan erklärte: “Es ist positiv, dass die Amerikaner offenbar bereit sind, iranische Anreicherung innerhalb klarer Grenzen zu tolerieren.” Er fügte hinzu, Teheran erkenne inzwischen die Notwendigkeit einer Einigung mit den USA, während Washington die roten Linien des Irans respektiere; es sei “sinnlos, sie zu zwingen”.
Bislang hatte die US-Regierung gefordert, dass der Iran seine Bestände an auf 60 Prozent angereichertem Uran abgibt – ein Wert, der nur knapp unter der Schwelle für waffenfähiges Material liegt. Der neue iranische Präsident Masoud Pezeshkian bekräftigte am Mittwoch jedoch erneut die Forderung nach Sanktionsaufhebung und das Recht seines Landes auf Anreicherung.
Laut Fidans Einschätzung gegenüber der FT ist Teheran ernsthaft an einem umfassenden Abkommen interessiert und würde Beschränkungen des Anreicherungsniveaus sowie strenge Inspektionen akzeptieren, vergleichbar mit dem Atomabkommen von 2015.
Hintergrund dieser Aussagen sind indirekte Gespräche zwischen US-Vermittlern und dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi, die vergangene Woche in Maskat stattfanden. Diese wurden durch verstärkte diplomatische Bemühungen der Türkei, Katars, Omans und Ägyptens ermöglicht, die beide Konfliktparteien wieder an den Verhandlungstisch bringen wollen.
Sowohl Washington als auch Teheran bewerteten diese Gespräche – die ersten seit dem US-Eintritt in den israelischen Militärschlag gegen iranische Nuklearanlagen im Juni – als konstruktiven ersten Schritt. Beide Seiten kündigten weitere Treffen an, wobei Diplomaten gleichzeitig vor den erheblichen Hürden auf dem Weg zu einem Abkommen warnen.
Ursprünglich für Istanbul geplant, fanden die Verhandlungen schließlich in Oman statt, nachdem Teheran darauf bestanden hatte, sie ausschließlich auf das Atomthema zu fokussieren und andere regionale Mächte von einer direkten Teilnahme auszuschließen.
Die Position von US-Präsident Donald Trump zu einem möglichen Abkommensumfang scheint sich zu entwickeln. Während Washington zuvor auch Einschränkungen des iranischen Raketenprogramms und ein Ende der Unterstützung für Gruppen wie die Hisbollah forderte, zeigte sich Trump nach den jüngsten Gesprächen offener. Er bezeichnete sie als “sehr gut” und signalisierte, dass ein Abkommen, das primär das Atomprogramm regelt, akzeptabel sein könnte.
Nach einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu im Weißen Haus am Mittwoch betonte Trump, er habe darauf gedrängt, “die Verhandlungen mit Iran fortzusetzen, um zu prüfen, ob ein Abkommen zustande kommen kann”.
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