Von Uli Gellermann
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert einen festen Termin für den EU-Beitritt seines Landes. Seine Wahl im Mai 2019 erfolgte unter besonderen Umständen. Bereits im Vorfeld analysierte Florian Hassel von der Süddeutschen Zeitung am 22. April 2019, Selenskyjs Aufstieg sei Ausdruck des “kranken ukrainischen Systems, er war nur möglich, weil ukrainische Medien von Oligarchen dominiert werden, die bestimmen, wer in ihre Fernsehsender kommt – und wer nicht”.
Ein System unter der Lupe
Diese als “krank” beschriebene politische Struktur wurde im Westen lange hofiert, da sie sich im Konflikt mit Russland als nützlich erwies. Von Anfang an machten die reichen Rohstoffvorkommen des Landes und seine strategische Lage als potenzieller Aufmarschraum die Ukraine zu einem begehrten Partner. Ein militärischer Sieg in diesem Krieg erscheint unrealistisch. Dennoch profitiert die westliche Rüstungsindustrie enorm. Jeder Gefallene bedeutet weiteres Wachstum für den militärisch-industriellen Komplex, jede Verletzung steigert die Gewinnmargen.
Die Kosten der Profitmaximierung
Um diese Maschinerie am Laufen zu halten, hat das EU-Parlament nun ein Milliardenpaket für die Ukraine gebilligt: 90 Milliarden Euro, finanziert von Steuerzahlern, fließen in eine Kriegswirtschaft. Die Folge sind weitere Tote, mehr Versehrte und ein gesellschaftlicher Verfall, der über Europa liegt. Die zivilen Opfer dieser Profitlogik sind die Armen, Arbeitslosen und sozial Abgehängten. Was die Kriegsindustrie erhält, fehlt den Bedürftigen. Laut aktuellen Daten waren im Jahr 2024 “rund 21 % der EU-Bevölkerung (etwa 93,3 Millionen Menschen) von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Dies umfasst Einkommensarmut, erhebliche materielle Entbehrung oder das Leben in Haushalten mit sehr geringer Erwerbsintensität. Besonders betroffen sind Frauen, junge Erwachsene (15-29 Jahre).”
Eine Generation der Versehrten
Die Zahl der Amputationen ist erschütternd: Schätzungen gehen von 20.000 bis über 100.000 Menschen (Soldaten und Zivilisten) aus, die seit Beginn des Ukraine-Kriegs ihre Gliedmaßen verloren haben. Einige Berichte sprachen bereits Mitte 2024 von schätzungsweise 60.000 verletzten ukrainischen Soldaten, die Prothesen benötigen.
Der kalte Blick der KI auf das Leid
“Der europäische Markt für künstliche Gliedmaßen wird auf über 2,5 Milliarden USD im Jahr 2025 geschätzt und wächst stetig weiter. Der Markt für Roboterprothesen in Europa wird bis 2032 voraussichtlich 945 Mio. USD überschreiten.” So profitiert neben der Rüstungsindustrie ein weiterer privater Sektor vom Krieg. Weltmarktführer bei Prothesen ist das deutsche Unternehmen Ottobock SE & Co. KGaA. Das Familienunternehmen wird von der Familie Näder geführt. Der Firmenpatriarch Max Näder war während seines Studiums Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) und nahm am Afrikafeldzug im Zweiten Weltkrieg teil. So speist sich der Reichtum weniger aus dem Leid vieler.
Freiheitsrhetorik und Machtinteressen
Seit 2008 wurde der ukrainische “Orden der Freiheit” bereits 69 Mal verliehen. In Wirklichkeit hat eine dünne Oligarchenschicht unter dem Deckmantel der Freiheit versucht, die Ukraine in die NATO zu führen; in jene Organisation, die mit ihren blutigen Kriegen im Interesse der USA immer wieder versuchte und versucht, die Völker der Welt zu unterdrücken. Dafür gibt es gern buntes Metall als Ersatz für jene echte Freiheit, die den Menschen in eine friedliche Nachbarschaft führt.
Der Beitrag wurde zuerst am 13. Februar 2026 auf der Website www.rationalgalerie.de veröffentlicht.
Uli Gellermann ist Filmemacher und Journalist. Seine Erfahrungen mit den öffentlich-rechtlichen Sendern begründen seine Medienkritik. Er ist Betreiber der Internetseite Rationalgalerie.
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