In dieser Woche kommt es in Genf zu einer zweiten direkten Gesprächsrunde zwischen Vertretern der Vereinigten Staaten und des Iran. Das Schweizer Außenministerium hat das Treffen bestätigt. Die Gespräche finden vor dem Hintergrund gegensätzlicher Signale beider Seiten statt. Der iranische Vize-Außenminister Majid Takht-Ravanchi forderte die USA in einem BBC-Interview auf, in Genf zu beweisen, dass Washington eine Einigung “ernsthaft” anstrebe, und warnte, “ein Krieg wäre für alle schlecht”. US-Präsident Donald Trump hatte Teheran hingegen in der Vorwoche gewarnt, ein Scheitern der Verhandlungen werde “sehr traumatisch” sein.
In dem am Sonntag veröffentlichten Gespräch mit der BBC äußerte sich Takht-Ravanchi vorsichtig optimistisch. Die jüngsten Kontakte, einschließlich der indirekten Gespräche Anfang Februar in Oman, deuteten darauf hin, dass die USA eine friedliche Lösung der Streitfragen suchten. “Jetzt liegt es an Amerika, zu beweisen, dass sie ein Abkommen schließen wollen”, so der Diplomat. Er betonte:
“Wenn [die Amerikaner] aufrichtig sind, bin ich sicher, dass wir auf dem Weg zu einer Einigung sind.”
Die erste Runde der direkten Gespräche hatte am 6. Februar in Maskat, Oman, stattgefunden. Damals leiteten der iranische Außenminister Abbas Araghtschi und Steve Witkoff, der Sonderbeauftragte von US-Präsident Trump, die Delegationen. Medienberichten zufolge wird Witkoff die US-Delegation auch in Genf anführen. Araghtschi kündigte vor seiner Abreise auf der Plattform X an, sich zunächst mit dem Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Rafael Grossi, zu treffen:
“Zusammen mit Nuklearexperten werde ich mich am Montag mit Rafael Grossi zu einer eingehenden technischen Diskussion treffen.”
Vor den Gesprächen mit den USA ist zudem ein Treffen Araghtschis mit seinem omanischen Amtskollegen, Außenminister Sayyid Badr Al Busaidi, geplant.
Takht-Ravanchi bekräftigte im BBC-Interview die Verhandlungsbereitschaft Teherans, stellte jedoch eine klare Bedingung: Man sei bereit, über das Atomprogramm zu sprechen, “vorausgesetzt, dass auch sie bereit sind, über Sanktionen zu sprechen”. Er führte aus:
“Es ist nicht akzeptabel, dass Iran bestimmte Dinge tun muss, ohne dass die andere Seite sich verpflichtet, ihren Teil beizutragen.”
Die Gespräche folgen auf ein fast dreistündiges privates Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu im Weißen Haus in der Vorwoche. Trump betonte anschließend auf Truth Social, dabei sei “nichts Endgültiges” beschlossen worden und “die Verhandlungen mit Iran [würden] fortgesetzt, um zu sehen, ob ein Abkommen zustande kommen kann oder nicht”.
Takht-Ravanchi verwies auf das iranische Angebot, den Anreicherungsgrad seines Urans zu senken. Eine komplette Einstellung der Urananreicherung – eine langjährige Kernforderung Washingtons – stehe für Teheran jedoch nicht zur Debatte. Der Vize-Außenminister erläuterte die iranische Position:
“Unserem Verständnis nach sind [die US-Amerikaner] zu dem Schluss gekommen, dass man sich auf die Atomfrage konzentrieren muss, wenn man eine Einigung erzielen will. Die Frage der Nullanreicherung ist kein Thema mehr, und was den Iran betrifft, steht sie nicht mehr zur Debatte.”
Diese Einschätzung steht im Widerspruch zu Äußerungen Trumps vom Freitag der Vorwoche. Der US-Präsident hatte gegenüber Reportern bekräftigt, die amerikanische Politik ziele nach wie vor darauf ab, dass “wir keine [Uran-]Anreicherung wollen”.
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