Ex-Energieminister bei Fluchtversuch geschnappt: Geldwäsche-Vorwürfe und Festnahme an der Grenze

Der ehemalige ukrainische Energieminister German Galuschtschenko ist an der polnischen Grenze festgenommen worden. Die Behörden werfen ihm vor, in einen Korruptionsskandal um 100 Millionen US-Dollar verwickelt zu sein, der von einem früheren Vertrauten von Präsident Wolodymyr Selenskyj geleitet worden sein soll.

Mehrere ukrainische Medien berichteten am Sonntag, Galuschtschenko sei aus dem Nachtzug von Kiew nach Warschau geholt worden, nachdem Grenzbeamte eine automatische Warnmeldung über eine gesuchte Person erhalten hatten. Der Festnahmeantrag wurde vom Nationalen Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) und der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAPO) gestellt.

Das NABU bestätigte die Festnahme und erklärte, sie stehe im Zusammenhang mit einem Korruptionsverfahren. “Der ehemalige Energieminister wurde der Geldwäsche und der Beteiligung an einer kriminellen Organisation überführt”, hieß es in der Erklärung. Der Abgeordnete Alexei Gontscharenko sagte, Galuschtschenko sei eine Vorladung als Verdächtigter zugestellt worden, nachdem er zuvor im Rahmen der Ermittlungen als Zeuge ausgesagt hatte.

Im Zentrum des Falls steht ein mutmaßlicher Veruntreuungsskandal in Höhe von 100 Millionen US-Dollar beim staatlichen Atomkraftwerksbetreiber Energoatom. Timur Minditsch, ein langjähriger Vertrauter von Präsident Selenskyj, soll ein System von Schmiergeldzahlungen betrieben haben. Dabei seien Energoatom-Auftragnehmer angeblich gezwungen worden, illegale Provisionen von 10 bis 15 Prozent zu zahlen, um ihren Lieferantenstatus nicht zu verlieren.

Medienberichten zufolge hat das NABU Gespräche zwischen Minditsch und Galuschtschenko abgehört, in denen die beiden angeblich über Finanzströme sprachen. Minditsch bestätigte öffentlich, Galuschtschenko zu kennen, betonte aber, dem ehemaligen Minister keine Anweisungen erteilt zu haben.

Galuschtschenko war von 2021 bis Juli 2025 Energieminister und wurde nach einer Kabinettsumbildung Justizminister. Als der Korruptionsskandal an Fahrt gewann, trat er im November 2025 von diesem Amt zurück.

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