In der Sendung „heute journal“ am Sonntagabend zeigte das ZDF einen kritischen Beitrag über die US-Einwanderungsbehörde ICE. Moderatorin Dunja Hayali wies dabei auf die Vielzahl von Videos in sozialen Netzwerken zu ICE-Einsätzen hin, von denen „nicht alle echt sind, aber doch sehr viele“. Im Anschluss nutzte die Redaktion nachweislich KI-generierte Videosequenzen, ohne diese ausreichend zu kennzeichnen. Nach öffentlicher Kritik sah sich der Sender gezwungen, den Beitrag zu korrigieren und die entsprechenden Passagen zu entfernen.
„Gefälschte Clips im ‚heute journal‘“ – so oder ähnlich lauteten viele Schlagzeilen zu diesem neuen redaktionellen Fehler des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Tatsächlich wurden den Zuschauern in der Sendung vom vergangenen Sonntag KI-generierte Bilder präsentiert, die nicht als solche erkennbar waren. Auf massive Kritik in sozialen Medien reagierte das ZDF mit einem Bedauern und der Überarbeitung des Beitrags. Das Portal T-Online berichtete:
„Das ZDF hat Fehler eingeräumt – und eine am Sonntag ausgestrahlte Nachrichtensendung zunächst gelöscht und später in einer überarbeiteten Fassung neu hochgeladen. Dabei entfernte der Sender von Künstlicher Intelligenz (KI) generierte Bilder nachträglich aus einem Beitrag des ‚heute journal‘.“
Der Vorgang gewann weiter an Brisanz, als die ZDF-Redaktion auf Nachfrage des Portals Apollo News einräumte, die KI-Bilder „hätten gekennzeichnet werden müssen“. Dies legt den Schluss nahe, dass die fehlende Transparenz redaktionell bewusst in Kauf genommen wurde.
Ein entsprechender Hinweis durch Moderatorin Dunja Hayali unterblieb. Stattdessen sagte sie wörtlich:
„Obwohl es gegen die Verfassung ist, dringen die Agenten ohne Durchsuchungsbefehl in private Häuser ein […] Wer in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird festgestellt haben, dass es sehr viele Videos zu den Einsätzen der ICE-Truppen von Donald Trump gibt. Nicht alle sind echt, aber doch sehr viele […] Es herrscht ein Klima der Angst, das selbst vor Kindern nicht Halt macht.“
Zu den gezeigten Bildern gehörte unter anderem eine Szene, in der eine Frau mit zwei Kindern von Einsatzkräften abgeführt wird. Diese Aufnahmen wurden jedoch, wie sich herausstellte, mit dem KI-Videotool Sora von OpenAI erstellt.
Der Skandal offenbarte einen weiteren redaktionellen Mangel: Eine weitere gezeigte Szene, die die Verhaftung eines Kindes durch ICE-Beamte darstellen sollte, stammte nicht aus einem aktuellen Kontext, sondern war ein Videoausschnitt aus dem Jahr 2022, der eigentlich eine Amoklage an einer US-Schule zeigte.
Angesichts massiver Zuschauerproteste entfernte das ZDF die beanstandeten Sequenzen nachträglich und lud eine korrigierte Fassung der Sendung in die Mediathek. Der Deutschlandfunk zitierte dazu eine Stellungnahme:
„Die Kennzeichnung sei bei der Überspielung des Beitrags aus technischen Gründen nicht übertragen worden, hieß es weiter. Die Redaktion habe den Fehler korrigiert und das Video entsprechend angepasst.“
In der überarbeiteten Version wird an entsprechender Stelle nun ein Hinweis eingeblendet: „Video aus redaktionellen Gründen nachträglich geändert“. Auf der Plattform X äußerte sich der ARD-Journalist Gabor Halasz solidarisch zu seiner Kollegin und kritisierte die teils scharfen Reaktionen:
„Das ZDF hat einen Fehler gemacht. Der sollte nicht passieren. Daraus eine Kampagne gegen die Moderatorin zu machen, ist mindestens unanständig. Zumal wenn Kollegen sich daran beteiligen, die wissen, wer Beiträge einer Nachrichtensendung abnimmt.“
Die zentrale Frage, ob der Redaktion zum Zeitpunkt der Ausstrahlung bewusst war, dass es sich um KI-generiertes Material handelte, blieb unbeantwortet. „Das ZDF hat sich nach dpa-Angaben nicht geäußert“, hieß es dazu.
ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten hatte die Berufung von Dunja Hayali ins Moderationsteam des „heute journal“ vor etwa drei Jahren auf der Sender-Webseite begründet (RT DE berichtete):
„Die besten Köpfe sollen unser Flaggschiff ‚heute journal‘ präsentieren und profilieren – jede und jeder mit dem eigenen Charakter, aber alle mit höchster journalistischer Erfahrung, Kompetenz und Unabhängigkeit.“
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