Von Hans-Ueli Läppli
Es gibt Augenblicke, die einen unwillkürlich schmunzeln lassen. Nicht, weil etwas besonders lustig wäre. Sondern weil die Situation eine solche Dichte an Absurdität erreicht, dass jeder Versuch von Ernsthaftigkeit bereits eine Übertreibung darstellen würde.
So muss es einst Hans-Rudolf Merz ergangen sein, als er im Nationalrat über das Wort “Bü-Bü-Bündnerfleisch” stolperte. Verwaltungssprache in ihrer reinsten Form – so trocken, dass sie selbst denjenigen, der sie vorträgt, aus dem Konzept bringen kann.
Ein ähnliches Gefühl beschlich mich, als ich versuchte, die sogenannte SRG-Halbierungsinitiative satirisch zu kommentieren. Mit Sarkasmus, wohlgemerkt.
Sarkasmus ist ein literarisches Stilmittel. Kein Wahlplakat. Kein Kampagneninstrument. Sondern die bewusste Zuspitzung von Widersprüchen, um sie überhaupt erst sichtbar zu machen.
Was darauf folgte, war jedoch weniger eine inhaltliche Auseinandersetzung als vielmehr eine Kaskade der Empörung.
Den Anfang machte der linke Tages-Anzeiger. Dort wurde der Vorwurf laut, mein Kommentar stelle de facto eine Unterstützung für die SRG-Halbierungsinitiative dar. Eine bemerkenswerte Interpretation. Wer Satire als Abstimmungsempfehlung liest, sagt mehr über sein eigenes Deutungsmuster aus als über den ursprünglichen Text.
Aus einer Bildcollage wurde eine konstruierte Einflussnahme. Zwei nebeneinandergestellte Motive galten plötzlich als Beweis für Manipulationsabsicht. Eine gestalterische Entscheidung mutierte zum politischen Manöver. Eine Unterstellung wurde zur moralischen Gewissheit. Die Dynamik erinnerte an jene Mechanismen, die man aus internationalen Mediendebatten kennt: Eine Andeutung genügt, der Rest wächst im Echoraum heran.
Weitere Medien griffen dieses Narrativ auf, darunter auch der Blick. Innerhalb weniger Stunden entstand eine geschlossene Dramaturgie: Hier der Satiriker, dort die angebliche Kampagne, dazwischen die großen Begriffe wie “Gefahr”, “Desinformation” und implizit sogar “Moskau”.
Schließlich widmete sich auch der öffentlich-rechtliche Sender SRF der Angelegenheit.
In Beiträgen wurde der Eindruck erweckt, ich hätte politische Akteure diffamierend bezeichnet. Das weise ich entschieden zurück. Polemik ist kein Aufruf zur Gewalt. Kritik ist keine Entmenschlichung. Wer beides vermengt, ersetzt Differenzierung durch Dramatisierung.
Die implizite Botschaft lautete: Wer die Finanzierung öffentlich-rechtlicher Medien hinterfragt, riskiere Dunkelheit, Abschaltung und fremde Einflussnahme. Ein Ja zur Halbierung führe beinahe zwangsläufig in eine mediale Einöde.
Das ist ein starkes Bild. Vielleicht ein zu starkes.
Ich habe niemals gefordert, Journalisten “den Hahn abzudrehen”. Journalismus ist ein öffentliches Gut. Auch beim Tages-Anzeiger arbeiten Menschen, die ihren Beruf ernst nehmen. Niemand sollte leichtfertig hinnehmen, dass Redaktionen strukturell geschwächt werden.
Gleichzeitig gilt: Medienkritik ist kein Tabubruch.
Wer öffentlich finanziert wird, muss öffentliche Kritik aushalten.
Wer publiziert, muss Widerspruch akzeptieren. Das ist kein Angriff auf demokratische Institutionen, sondern ihre grundlegende Voraussetzung.
Dass bei Tages-Anzeiger und Watson Kommentarspalten moderiert werden, ist legitim. Doch wenn diese Moderation den Eindruck erweckt, nur eine bestimmte Richtung sei diskursfähig, entsteht ein Vertrauensproblem. Ein diskursives Treibhausklima nützt am Ende niemandem.
Ob ich persönlich für oder gegen eine Initiative stimme, bleibt meine Sache. Sarkasmus ersetzt kein Stimmzettelkreuz. Satire ist kein Abstimmungskomitee. Sie ist ein Stachel. Wer sich daran stört, sollte prüfen, ob es der Stachel ist – oder die eigene Sensibilität.
Die mediale Aufregung hatte letztlich einen paradoxen Effekt. Je intensiver der Versuch, einen satirischen Text als problematisch zu brandmarken, desto größer wurde seine Reichweite. Ein klassischer Streisand-Effekt: Was eingedämmt werden sollte, wurde vervielfacht.
Denn eines zeigt diese ganze Affäre auf jeden Fall auch: Offensichtlich wird RT DE in der Schweiz breit rezipiert, allen europäischen Versuchen der Eindämmung zum Trotz.
Und ich werde weiter schreiben. Mit Ironie, mit Zuspitzung, mit Kritik. Und gelegentlich auch mit einem Witz, wenn die betriebsame Ernsthaftigkeit des Medienbetriebs wieder so trocken wird wie ein Stück Bündnerfleisch im Parlamentssaal.
Bü-Bü-Bündnerfleisch. Manchmal genügt ein einziges Wort, um ein ganzes System aus dem Takt zu bringen.
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