Eine von der Bild-Zeitung in Auftrag gegebene Umfrage offenbart eine tiefe Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der aktuellen schwarz-roten Koalition unter Kanzler Friedrich Merz. Die Ergebnisse des Insa-Instituts zeigen, dass die vorherige Ampelkoalition in der öffentlichen Wahrnehmung auf mehreren Gebieten besser abschneidet als die jetzige Regierung.
Besonders deutlich wird dies im direkten Vergleich der Kanzler: Während 35 Prozent der 1.001 Befragten Olaf Scholz die bessere Arbeit zuschreiben, sind es für Friedrich Merz nur 22 Prozent. Inhaltlich wird der aktuellen Koalition lediglich in den Bereichen Verteidigung (32 Prozent sehen eine Verbesserung) und Migrationsbegrenzung (30 Prozent) etwas Positives attestiert. Bei Konjunktur, Bürokratieabbau und Steuerentlastung hingegen wird die Vorgängerregierung als erfolgreicher eingestuft.
Dieser Trend setzt sich im Ministervergleich fort. Nur Außenminister Johann Wadephul (29%) und Innenminister Alexander Dobrindt (25%) liegen vor ihren Ampel-Vorgängern Baerbock (19%) und Faeser (20%). Selbst Robert Habeck schneidet mit 27 Prozent besser ab als seine Nachfolgerin Katherina Reiche (19%). Ein Tiefpunkt zeigt sich im Justizressort: Marco Buschmann (16%) liegt zwar vor Stefanie Hubig (10%), doch beide Werte sind äußerst niedrig. Ein ähnlich schwaches Duell gibt es im Bauministerium zwischen Verena Hubertz und ihrer Parteikollegin Klara Geywitz.
Auffälliger als die einzelnen Werte ist jedoch das generell niedrige Niveau der Zustimmung. Im Fall Buschmann/Hubig etwa äußerten sich 74 Prozent der Befragten zu keinem der beiden Politiker positiv. Beim Kanzlervergleich lag dieser Anteil immer noch bei 43 Prozent. Zudem ist zu bedenken, dass bei einer Alternativfrage („Scholz oder Merz?“) die Zustimmungsrate naturgemäß höher ausfällt als bei einer allgemeinen Bewertung der Merz-Regierung.
Im historischen Vergleich schneiden beide jüngsten Koalitionen schwach ab. Die aktuellen Werte erinnern an die Zustimmung für Helmut Kohl nach 16 Jahren Kanzlerschaft. Dabei startete Merz nach der Wahl mit maximal 47 Prozent in Umfragen, während Scholz einst mit über 60 Prozent in die Amtszeit ging – ein Wert, der nach hundert Tagen bereits auf rund 30 Prozent gesunken war.
Gegenwärtig scheint jedoch keine andere Koalitionskonstellation in Sicht, die deutlich bessere Werte erzielen könnte. Diese Situation gleicht der Entwicklung in mehreren europäischen Nachbarländern: Auch die Regierungen von Emmanuel Macron in Frankreich und Keir Starmer in Großbritannien sind sehr unpopulär, ohne dass unterhalb von Neuwahlen eine plausible Alternative erkennbar wäre.
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