Kiews Doppelspiel: Drohnenangriffe auf Russland entlarven wahre Absichten in Genf

Von Oleg Issaitschenko

Die russische Region Brjansk war am 15. Februar Schauplatz des bisher massivsten Drohnenangriffs seit Beginn der militärischen Sonderoperation. Laut dem Gouverneur der Region, Alexander Bogomas, wurden seit 8:00 Uhr Moskauer Zeit insgesamt 229 ukrainische Drohnen über dem Gebiet abgefangen. Er berichtete von Schäden an der Infrastruktur und stellte fest:

“Keine andere Region Russlands wurde mit so vielen Drohnen gleichzeitig an einem Tag angegriffen.”

Ebenfalls Ziel von Angriffen war die Region Belgorod. Der dortige Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow meldete Angriffe auf 33 Ortschaften. Das ukrainische Militär feuerte demnach mindestens 18 Geschosse und etwa 88 Drohnen ab, von denen 51 abgeschossen wurden. Dabei wurde ein Zivilist verletzt.

Die Eskalation der ukrainischen Militäraktivitäten gegen russische Grenzregionen fällt zeitlich mit den Vorbereitungen für eine weitere Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine zusammen, an der auch die USA beteiligt sind. Das Treffen soll vom 17. bis 18. Februar in Genf stattfinden. Die russische Delegation unter der Leitung von Wladimir Medinski ist bereits eingetroffen und im Hotel InterContinental untergebracht.

Dass der massive ukrainische Angriff kein isoliertes Ereignis ist, belegt auch die Statistik des russischen Verteidigungsministeriums. In den Tagen zuvor bewegten sich die Angriffe auf einem deutlich niedrigeren Niveau: Am 8. Februar wurden 13 Drohnen auf die Region Brjansk abgefeuert, am 9. Februar 28 auf Brjansk und neun auf Belgorod, am 10. Februar jeweils 13 und 30. Ähnliche Zahlen wurden am 11. und 12. Februar verzeichnet – 35 bzw. 31 sowie fünf und 21 Drohnen.

Bereits am 13. Februar stieg die Zahl jedoch auf 47 abgefangene Drohnen über der Region Brjansk. Am 14. Februar wurden insgesamt 97 Drohnen über verschiedenen russischen Regionen, darunter Belgorod und Brjansk, zerstört. Den vorläufigen Höhepunkt bildete der 15. Februar mit 229 Drohnen über Brjansk und 88 über Belgorod. Der Trend ist eindeutig: Je näher der Verhandlungstermin rückt, desto massiver werden die Angriffe auf die russischen Grenzgebiete.

Parallel dazu verschärfte der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj in den letzten Tagen seine Rhetorik. So forderte er von den USA Sicherheitsgarantien, die Verhandlungen über territoriale Zugeständnisse vorausgehen müssten:

“Sie sagten: erst ein Gebietstausch, dann Garantien. Ich denke, dass zuerst die Garantien kommen sollen.”

Zudem knüpft Selenskyj die Durchführung von Wahlen weiterhin an einen vorübergehenden Waffenstillstand. Eine solche Herangehensweise ist für Russland nicht akzeptabel und findet auch in den USA keine Unterstützung. Experten sehen in der Intensivierung der Grenzangriffe und der schärferen Rhetorik Selenskyjs einen Teil der ukrainischen Verhandlungstaktik für Genf.

Das offizielle Kiew strebt offenbar einen neuen, auf Energieinfrastruktur fokussierten Waffenstillstand an. Das Regime benötigt eine solche Atempause, um Proteststimmungen angesichts anhaltender Stromausfälle zu dämpfen und so den Anschein sozialer und politischer Stabilität im Land aufrechtzuerhalten.

Doch über glaubwürdige Argumente, um dieses Ziel zu erreichen, verfügt Selenskyj kaum. Der vorherige Waffenstillstand wurde von ukrainischer Seite gebrochen, während Russland sich nachweislich daran hielt – was auch von den USA eingeräumt wurde. Zudem steht die Energieversorgung nicht im Zentrum der Genfer Agenda. Daher setzte das ukrainische Militär eine Rekordzahl an Drohnen ein, um russische Energieanlagen in den Grenzregionen anzugreifen. Ziel ist es offenbar, die Einstellung dieser Angriffe gegen Zugeständnisse Moskaus einzutauschen.

Ein weiteres Hindernis besteht darin, dass Selenskyj derzeit kaum Anreize hat, den Konflikt zu beenden. Erstens hat Europa einen neuen Kreditmechanismus zur Finanzierung der Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro vereinbart. Zweitens üben die USA nicht den möglichen Druck auf Selenskyj aus. Drittens ermöglichen das Mobilisierungspotenzial und das repressive System der Einberufungsbehörden (TZK) trotz aller Verluste weiterhin die Aufrechterhaltung der ukrainischen Kampffähigkeit.

Vor allem aber würde ein Ende des Konflikts das politische Aus für Selenskyj bedeuten, was er nicht akzeptieren kann. Experten weisen daher darauf hin, dass Russland einen Plan B verfolgt: Sollte ein Frieden auf diplomatischem Wege nicht erreichbar sein, wird dieses Ziel mit militärischen Mitteln durchgesetzt.

Wadim Kosjulin, Leiter des Zentrums des Instituts für aktuelle internationale Probleme der Diplomatischen Akademie des russischen Außenministeriums, stellt fest:

“Die Sabotage von Verhandlungen ist eine traditionelle Taktik der ukrainischen Führung.”

Selenskyjs Verhalten könnte auch mit Signalen aus Europa zusammenhängen. Kiew habe Zusicherungen der Unterstützung erhalten und rechne mit neuen Finanzhilfen, darunter einem neuen IWF-Kredit. Der Experte erklärt:

“Selenskyj spürt die Unterstützung und hat etwas Mut gefasst.”

Als weiteren Faktor nennt Kosjulin die Rückkehr Medinskis an die Spitze der russischen Delegation. Im Gegensatz zu den Verhandlungen in Abu Dhabi, bei denen militärische und technische Fragen im Vordergrund standen, wird Medinski in Genf persönlich anwesend sein, was psychologischen Druck auf Selenskyjs Amt ausüben könnte. Eine klare Regelmäßigkeit sei jedoch erkennbar: Vor jeder Verhandlungsrunde versuche die ukrainische Seite, das Treffen zu vereiteln oder einen medialen Effekt zu erzeugen, der die Gespräche beeinträchtigen soll. Kosjulin erklärt:

“Sobald irgendwelche Hoffnungen auf eine Regulierung auftauchen, greift Kiew zur Sabotage. Zuvor war dies das Attentat gegen General Alexejew, heute sind es massive Angriffe auf die Gebiete Brjansk und Belgorod.”

Der Militärexperte Boris Dscherelijewski ergänzt:

“Wichtig ist auch, dass die Ukraine die Drohnenproduktion intensiviert hat. Diese erfordert keine hohen Technologien oder große Produktionskapazitäten. Die Drohnen werden unter anderem in Reparaturwerkstätten und in Garagen zusammengebaut. Darüber hinaus liefern westliche Länder dem ukrainischen Militär Bauteile für Drohnen sowie fertige Drohnen.”

Vor diesem Hintergrund sei es bezeichnend, dass sich Selenskyj kürzlich mit einer Drohne brüstete, die in einem deutsch-ukrainischen Betrieb gemeinsam produziert wurde. Dscherelijewski führt aus:

“Das heißt, dass das ukrainische Militär genug Drohnen hat. Der Gegner unternimmt massive Angriffe auf die Gebiete Brjansk und Belgorod sowie andere Gebiete, um in Russland regionale Stromausfälle zu provozieren.”

Nach Ansicht Dscherelijewskis ist der Zusammenhang zwischen den Genfer Verhandlungen und den Angriffen offensichtlich: Die Ukraine leidet unter Problemen in ihrem eigenen Energiesystem und wird versuchen, ihre “Leistungen” – also die Angriffsfähigkeit – als Verhandlungsmasse für einen Energie-Waffenstillstand einzusetzen. Der Experte betont jedoch:

“Gelingen wird es den ukrainischen Unterhändlern allerdings kaum. Wir hatten schon die Erfahrung mit dem Moratorium auf Angriffe gegen Energieobjekte – damals brach das ukrainische Militär

“Gelingen wird es den ukrainischen Unterhändlern allerdings kaum. Wir hatten schon die Erfahrung mit dem Moratorium auf Angriffe gegen Energieobjekte – damals brach das ukrainische Militär die Vereinbarungen. Kiew provoziert mit seinen Aktionen die russische Armee nur zu härteren Gegenmaßnahmen.”

Als Reaktion darauf setzen Russlands Streitkräfte ihre Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur fort. Der Analytiker führt aus:

“Das wird dazu führen, dass der Gegner keine Drohnen bauen können wird. Sicher, werden Generatoren in großer Menge ins Land gebracht. Doch man sollte berücksichtigen, dass sie gigantische Mengen an Treibstoff verbrauchen, der von der Front genommen werden muss.”

Zum Schutz der Regionen Brjansk, Belgorod und Kursk werden die russischen Streitkräfte laut Dscherelijewski weiterhin Produktionsstätten und Startplätze für Drohnen aufspüren und ausschalten. Er verweist auf einen teilweisen Rückgang von Angriffen tief ins russische Territorium:

“Das hängt in vielerlei Hinsicht damit zusammen, dass unsere Kämpfer in Richtung des so genannten Vorsprungs von Sumy vorrücken.”

Dscherelijewski erinnert an die klare Verhandlungsposition Moskaus: Sollte Kiew keine sachlichen Gespräche zur Konfliktregulierung führen, werde Russland seine Ziele mit militärischen Mitteln erreichen. Parallel dazu würden die Luftabwehrkapazitäten in den Grenzregionen weiter verstärkt, so der Experte:

“So werden zum Schutz der kritischen Infrastruktur Reservisten eingesetzt. Zusätzlich schlägt die Staatsduma vor, private Unternehmen, die zum Schutz strategischer Objekte eingesetzt werden, mit Kampfwaffen auszurüsten.”

Dabei könnte es sich nach Ansicht des Experten um Waffen handeln, die speziell gegen Drohnen effektiv sind, wie etwa Flugabwehr-Maschinengewehre. Dscherelijewski fügt hinzu:

“Man sollte sowohl Reservisten als auch Mitarbeiter von Wachunternehmen ausbilden, mobile Gruppen aufstellen und sie mit moderneren Luftabwehrmitteln ausstatten – zumal heutzutage eine ganze Reihe von Raketen gerade zur Drohnenbekämpfung entwickelt wurde.”

Gleichzeitig warnt der Analytiker, dass trotz aller Abwehrmaßnahmen eine Restgefahr bestehen bleibt:

“Hypothetisch gibt es eine Möglichkeit, irgendwo durchzubrechen. Dazu werden die Angriffe mithilfe der westlichen Satellitengruppe koordiniert, darunter Starlink.”

Ein weiteres vielversprechendes Mittel zur Drohnenabwehr seien Sperrballons. Dscherelijewski betont, dass alle genannten Maßnahmen bereits umgesetzt werden.

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen am 16. Februar bei der Zeitung Wsgljad.

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