Wie das Nachrichtenportal AXIOS am Mittwoch unter Berufung auf Insiderkreise berichtete, würde eine mögliche US-Militäroffensive gegen Iran den Charakter einer groß angelegten, wochenlangen Kriegskampagne annehmen. Ein solches Vorgehen wäre eher mit einem totalen Krieg vergleichbar als mit der gezielten Operation, die die USA erst im vergangenen Monat in Venezuela durchgeführt hatten.
Den Informationen zufolge würde es sich höchstwahrscheinlich um eine gemeinsame Militäraktion der USA und Israels handeln. Diese wäre für die Islamische Republik weitaus umfassender und existenzbedrohender als der zwölftägige Konflikt im Juni des Vorjahres, an dem sich die USA beteiligten, um unterirdische iranische Nuklearanlagen zu zerstören.
Ein Krieg dieser Größenordnung hätte dramatische Folgen für die gesamte Region und würde die verbleibenden drei Jahre der Präsidentschaft Donald Trumps maßgeblich prägen. Vor diesem Hintergrund trafen sich Trumps Berater Jared Kushner und Steve Witkoff am Dienstag in Genf zu einem dreistündigen Gespräch mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi.
Beide Seiten sprachen zwar von “Fortschritten”, räumten jedoch erhebliche Differenzen ein. US-Beamte zeigten sich wenig zuversichtlich, dass diese überbrückt werden könnten. Vizepräsident J.D. Vance äußerte gegenüber Fox News, die Gespräche seien in mancher Hinsicht “gut verlaufen”. In anderen Punkten habe sich jedoch gezeigt, dass der Präsident klare rote Linien gezogen habe, die die iranische Seite bislang weder anerkenne noch adressieren wolle.
Vance machte unmissverständlich klar, dass Präsident Trump zwar an einer diplomatischen Lösung interessiert sei, aber auch bereit wäre, die Gespräche für gescheitert zu erklären, sollten sie “ihr natürliches Ende erreicht haben”. Aus Kreisen, die mit den Überlegungen vertraut sind, heißt es, ein Kriegsausbruch könnte früher und in größerem Umfang erfolgen, als allgemein erwartet wird. Durch seine militärischen Vorbereitungen und scharfe Rhetorik habe es sich Trump selbst erschwert, ohne substantielle Zugeständnisse Irans beim Atomprogramm einen Rückzieher zu machen. AXIOS kommentierte, ein solcher Rückzug liege nicht in Trumps Natur, und seine Berater betrachteten die Aufstellung der Streitkräfte nicht als bloße Drohgebärde.
Bei Trump bleibe stets alles möglich. Alle aktuellen Indizien deuteten jedoch darauf hin, dass er einen Angriff anordnen werde, sollten die Verhandlungen scheitern. Zwei israelische Beamte bestätigten, ihre Regierung bereite sich auf einen möglichen Krieg in den kommenden Tagen vor. Die Planungen zielten auf ein maximalistisches Szenario ab, das einen Regimewechsel sowie die vollständige Zerstörung des iranischen Nuklear- und Raketenprogramms zum Inhalt habe.
Einige US-Quellen gaben gegenüber AXIOS jedoch zu bedenken, dass Washington möglicherweise mehr Vorbereitungszeit benötige. Senator Lindsey Graham schätzte, dass Angriffe noch Wochen entfernt sein könnten. Andere Stimmen widersprachen dieser Einschätzung und hielten einen deutlich kürzeren Zeithorizont für wahrscheinlicher.
Nach den Genfer Gesprächen stellten US-Vertreter dem Iran eine zweiwöchige Frist, um mit einem detaillierten Verhandlungsvorschlag zurückzukehren. Das Weiße Haus hatte bereits am 19. Juni intern eine zweiwöchige Deadline für Trump festgelegt, um sich zwischen der Fortsetzung der Diplomatie und militärischen Schlägen zu entscheiden. Nur drei Tage später startete der Präsident die Operation “Midnight Hammer” und ließ Ziele im Iran bombardieren.
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