DB Cargo, die Güterverkehrstochter der Deutschen Bahn, steht vor einer ihrer größten Herausforderungen. Mit rund 14.000 Beschäftigten und anhaltenden Verlusten muss das Unternehmen bis Ende 2026 profitabel werden – eine EU-Vorgabe, die durch die schwache Konjunktur und rückläufige Transportnachfrage zusätzlich erschwert wird. Hinzu kommt der einzigartige, aber kostspielige Versorgungsauftrag in der Fläche, den kein anderes Unternehmen in dieser Form übernimmt.
In dieser prekären Lage hat der neue DB-Cargo-Chef Bernhard Osburg einen radikalen Sanierungskurs angekündigt. Gegenüber der *Deutschen Presse-Agentur* bestätigte er, dass etwa 6.200 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen – fast die Hälfte der Stellen in Deutschland. Laut den *Deutschen Wirtschaftsnachrichten* (*DWN*) sind nahezu alle Unternehmensbereiche betroffen: von Disposition und Fahrbetrieb über Verwaltung und Vertrieb bis hin zur IT.
**Ein Umbau mit vier Pfeilern**
Osburg, ehemaliger Chef der Thyssenkrupp-Stahlsparte, legt ein Konzept vor, das auf vier strategischen „Säulen“ basiert, um DB Cargo bis 2030 zu sanieren:
1. **Europäische Ausrichtung:** Da traditionelle Schlüsselbranchen wie Automobil-, Chemie- und Stahlindustrie weniger transportieren, setzt Osburg auf Expansion im europäischen Ausland. Er erklärte:
*”Wir richten Vertrieb, Planung, Disposition und Produktion deutlich stärker europäisch aus und bauen DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker mit klaren, grenzüberschreitenden Systemlösungen aus.”*
2. **Kostenreduktion:** Bis 2030 sollen Einsparungen von rund einer Milliarde Euro erzielt werden. Dies umfasst den Abbau von 4.000 Stellen, eine verschlankte Verwaltung und Produktivitätssteigerungen im Fuhrpark.
3. **Reform des Einzelwagenverkehrs:** Dieser aufwändige Geschäftsbereich, der etwa 40 Prozent des Transportaufkommens ausmacht, soll neu organisiert werden. Dabei sollen weitere 2.000 Arbeitsplätze wegfallen. Die Bahn will die Zugbildung zentralisieren – geplant sind vier Hauptstandorte (Köln-Gremberg, Seelze, Mannheim, Nürnberg) und fünf flexible Rangieranlagen. Osburg räumt ein, dass dieser Bereich auch künftig defizitär bleiben und staatliche Unterstützung benötigen wird.
4. **Unternehmenskultur und Infrastruktur:** Osburg mahnt mehr Verantwortungsbewusstsein bei den Entscheidungsträgern „in der Fläche“ an und plant verbindliche Fahrpläne. Zudem sollen von den aktuell 27 Instandhaltungswerkstätten zwölf geschlossen oder verkauft werden.
**Druck von Brüssel und enger Zeitplan**
Der Sanierungszwang resultiert aus einer EU-Entscheidung. Aufgrund einer Klage eines privaten belgischen Konkurrenten gegen indirekte Staatshilfen darf der DB-Mutterkonzern Verluste bei Cargo nur noch bis Ende 2026 ausgleichen. Immerhin müssen frühere Unterstützungen nicht zurückgezahlt werden.
Der Zeitplan ist ambitioniert: Bis Sommer sollen Details abgestimmt werden, die neue Struktur für den Einzelwagenverkehr soll bereits 2025 umgesetzt sein. Der Wettbewerbsdruck ist hoch; laut *Handelsblatt* transportieren private und teilweise staatliche Konkurrenten inzwischen etwa 54 Prozent der Schienengüter in Deutschland.
**Gewerkschaft mit vorsichtiger Unterstützung**
Anders als zu Osburgs Vorgängerin Sigrid Nikutta, mit der es „bittere Kämpfe“ gab, signalisiert die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zunächst Zustimmung. EVG-Vizechefin Cosima Ingenschay erklärte:
> *”Wir sind uns mit Cargo-Chef Osburg einig: Cargo muss effizienter werden und Cargo kann wachsen.”*
Allerdings mahnt die Gewerkschaft zur Vorsicht beim Personalabbau und pocht auf eine umfassende Prüfung aller Alternativen:
> *”Bevor ein großer Arbeitsplatzabbau startet, erwarten wir, dass jeder Stein umgedreht und jede Maßnahme zur Steigerung der Effizienz geprüft wird.”*
Sollte die Sanierung scheitern, droht DB Cargo nach allgemeiner Einschätzung das „Aus“. Der radikale Umbau ist somit ein letzter Versuch, die Zukunft des Güterverkehrs auf der Schiene in Deutschland zu sichern.
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