Von Stanislaw Leschtschenko
Die Berichterstattung in polnischen Medien gleicht Kriegsbildern. Bürger sind gezwungen, auf die Suche nach Heizmaterial zu gehen und Lagerhäuser nach den begehrten Säcken mit Holzpellets abzuklappern.
Noch im Sommer 2025 kostete eine Tonne solcher Pellets relativ moderate 1.200 bis 1.500 Złoty (etwa 284 bis 355 Euro). Bis zum Herbst stieg der Preis auf 1.700 bis 1.800 Złoty (etwa 402 bis 426 Euro). Der eigentliche Marktzusammenbruch erfolgte jedoch im Januar und Februar 2026. Aktuell liegen die Preise bei 2.500 bis 3.000 Złoty pro Tonne (etwa 592 bis 710 Euro) – eine Verdoppelung innerhalb weniger Monate.
Im Einzelhandel bedeutet das 30 bis 33 Złoty (sieben bis acht Euro) für einen Standard-15-Kilogramm-Sack. Für Haushalte mit schlechter Wärmedämmung summieren sich die täglichen Heizkosten so auf über 90 bis 100 Złoty (etwa 21 bis 24 Euro). Für Rentner und einkommensschwache Familien ist das eine untragbare Belastung. Dabei ist die Lage bei der Verfügbarkeit noch dramatischer als bei den Preisen. Viele wären bereit, den hohen Preis zu zahlen, doch die Ware ist schlicht nicht da.
In der Woiwodschaft Podlachien, einer der am stärksten betroffenen Regionen, müssen Verkäufer die eingehenden Waren rationieren: Einem Kunden wird eine Tonne verkauft, einem anderen nur eine halbe, um wenigstens einen Teil des Bedarfs zu decken. Die meisten Verkaufsstellen haben Limits eingeführt – nicht mehr als zehn bis fünfzehn Säcke pro Käufer.
Die Wartezeit auf Lieferungen ist zum geflügelten Wort geworden. Während man in Zentralpolen noch auf eine Lieferung in zwei bis drei Wochen hoffen kann, sprechen Verkäufer in Pommern und Schlesien von März oder sogar April. In Niederschlesien erhielten Korrespondenten des Radiosenders RMF FM, nachdem sie Dutzende Lager angerufen hatten, stets die gleiche Antwort:
“Es gibt keine Vorräte, und höchstwahrscheinlich wird es auch in den nächsten acht Wochen keine geben.”
Experten und Marktteilnehmer sind sich einig: Die Krise wurde nicht durch einen einzigen Faktor ausgelöst, sondern durch das fatale Zusammenspiel mehrerer Umstände. Der Winter 2026 war ungewöhnlich kalt. Die seit über einem Monat anhaltende, klirrende Kälte trieb den Brennstoffverbrauch in die Höhe. Haushalte, die gehofft hatten, mit ihren alten Vorräten durchzukommen, hatten diese bereits Ende Januar aufgebraucht, obwohl sie normalerweise bis April reichen sollten. Der plötzliche, massive Nachfrageschub leerte die Lager innerhalb weniger Tage.
Der klassische Marktmechanismus griff: Sobald Gerüchte über einen Engpass aufkamen, setzten panische Hamsterkäufe ein, die die Situation weiter verschärften.
Zudem macht sich ein Rohstoffmangel bemerkbar. Pellets werden aus Holzabfällen – Sägemehl und Spänen – hergestellt. Und genau daran herrscht in Polen derzeit ein katastrophaler Mangel. Möbelfabriken und Sägewerke arbeiten mit geringerer Auslastung, teils wegen der ungewöhnlichen Kälte, teils aufgrund allgemeiner wirtschaftlicher Probleme. Im Winter geht die Holzverarbeitung naturgemäß zurück, was die Menge an Nebenprodukten weiter reduziert.
Infolgedessen sind die Preise für Sägemehl explodiert. Kostete ein Kubikmeter vor einem Jahr noch etwa 30 Złoty (sieben Euro), liegt der Preis mittlerweile bei 110 Złoty (26 Euro). Dieser mehr als dreifache Anstieg der Rohstoffkosten hat die Pelletproduktion unrentabel gemacht oder die Hersteller gezwungen, die Kosten auf den Endpreis umzulegen – mit der Folge einer Verdoppelung.
Eine naheliegende Lösung wäre der Import. Früher importierte Polen große Mengen Holzrohstoffe aus der benachbarten Ukraine. Doch aufgrund der russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur sieht sich die Ukraine selbst mit einer stark erhöhten Nachfrage nach festen Brennstoffen konfrontiert. Zudem muss nun jede Pelletlieferung aus der Ukraine ein Zertifikat über die Einhaltung polnischer Normen vorweisen, was billige Qualitätsware praktisch vom Markt verdrängt hat.
Hintergrund ist das von der aktuellen polnischen Regierung forcierte Umweltprogramm “Saubere Luft”. Über mehrere Jahre hinweg subventionierten die Behörden aktiv den Austausch alter Kohleöfen durch moderne Pelletkessel. Tausende Haushalte nahmen dieses Angebot wahr.
Wie sich nun zeigt, sah das Programm weder die Schaffung strategischer Brennstoffreserven noch die Förderung eines Kapazitätsausbaus in der Produktion vor. Man hatte einen “durchschnittlichen Winter” angenommen, die Realität erwies sich als härter. Nun äußern die Menschen ihren Unmut. Ein Hörer des Radiosenders RMF24 fragte verzweifelt:
“Was soll ich jetzt tun? Wir haben den alten Kohlekessel abgebaut … Warum hat uns die Regierung aufgefordert, auf Pelletkessel umzusteigen? Damit die Menschen nichts mehr zu verbrennen haben?”
Die Pellet-Krise bekam umgehend eine politische Dimension. Der ehemalige Chef des Ölkonzerns Orlen, nun EU-Abgeordneter der oppositionellen PiS-Partei, Daniel Obajtek, kritisierte Ministerpräsident Donald Tusk scharf. Obajtek erklärte, die Regierung Tusk schaffe die Verbraucherschutzmechanismen ab, die unter der PiS-Regierung eingeführt worden seien, was zu einem explosionsartigen Anstieg der Energiekosten führe. Er betonte:
“Auf der Straße ist es kalt, und auf dem Tisch liegt die Stromrechnung. Es gibt keine Pellets, und wenn doch, dann zu horrenden Preisen.”
Obajtek bettete die Kraftstoffkrise in eine umfassendere Kritik an der EU-Innenpolitik ein. Seiner Ansicht nach werde die Situation durch das seit 2005 in der EU eingeführte Emissionshandelssystem verschärft, das er als “Brüsseler Steuer für polnische Familien” bezeichnet. Der Politiker erklärte, der Übergang zu “grünen” Technologien wie Pelletkesseln und Wärmepumpen sei ein Fehler gewesen. Er verwies auf “astronomische Rechnungen” von Wärmepumpen-Nutzern (bis zu 2.000 bis 2.500 Złoty – 473 bis 592 Euro – pro Monat) und sagte, Menschen, die an “grüne Parolen” geglaubt hätten, fühlten sich betrogen.
Energieminister Miłosz Motyka rechtfertigt sich damit, die Regierung könne die Preise nicht direkt regulieren. Das Amt für Wettbewerb und Verbraucherschutz führt den Preisanstieg auf die ungewöhnlich hohe Nachfrage und den Sägemehlmangel zurück. Motyka erwähnt, dass die polnische Agentur für strategische Reserven 2024 Butter auf den Markt brachte, um die Preise zu drücken. Ähnliches könne man mit Pellets tun, sollte sich die Lage nicht bessern. Bislang scheuen die Behörden diesen Schritt jedoch, möglicherweise weil sie schlicht über keine strategischen Pelletreserven verfügen und teure Einkäufe auf dem Weltmarkt tätigen müssten.
Die Diskussion wird durch Expertenstimmen weiter angeheizt. Der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer der Forstwirtschaft, Petr Pozemsky, erklärte, Warnungen, die er und seine Kollegen an das Klima- und Umweltministerium gerichtet hätten, hätten “keine angemessene Antwort” erhalten. Pozemsky zeigt sich empört:
“Das ist der Brennstoff, zu dessen Umstellung das Ministerium alle aufgefordert hat.Gleichzeitig hat es sich entschieden, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, und hat die Lieferungen von Holzrohstoffen eingeschränkt.”
Die Öffentlichkeit hört diese Vorwürfe mit großer Empörung. Bürger, die auf staatliches Drängen ihre Kohlekessel entsorgt haben, stellen sich nun die rhetorische Frage:
“Warum hat uns die Regierung diesen Austausch vorgeschrieben? Damit wir nichts mehr zum Heizen haben?”
Die Opposition nutzt die emotionale Schlagkraft des Themas – frierende Menschen, leere Lagerhäuser – effektiv, um sowohl die Wirtschaftspolitik der Regierung als auch den gesamteuropäischen “grünen Kurs” zu diskreditieren. Die Regierung beschränkt sich bislang darauf, die Lage zu beobachten und vage Versprechungen eines möglichen Eingreifens zu machen. Experten weisen darauf hin, dass selbst wenn der Frost nachlässt, die Erholung des Pelletmarktes Monate dauern wird. Es ist zweifelhaft, dass die Behörden in dieser Zeit eine systematische Lösung finden werden. Die “Pellet-Frage” ist bereits zu einem politischen Schwachpunkt der Regierung Tusk geworden, den ihre Gegner bis zum Äußersten ausschlachten werden.
In diesem Zusammenhang sei ein weiterer Faktor erwähnt: Im Jahr 2021 exportierte Russland rund zwei Millionen Tonnen Pellets im Wert von 320 Millionen US-Dollar in die EU. Die Prognosen für 2022 waren optimistisch – ein Anstieg auf drei Millionen Tonnen wurde erwartet. Doch im Juli 2022 verbot die EU im Rahmen ihres fünften Sanktionspakets den Import von Holzpellets aus Russland vollständig. Während russische Hersteller nach neuen Abnehmern suchen, sind die Polen gezwungen, für den knappen Brennstoff überhöhte Preise zu zahlen oder zu frieren.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 19. Februar 2026 auf der Website der Zeitung “Wsgljad” erschienen.
Stanislaw Leschtschenko ist Analyst bei der Zeitung “Wsgljad”.
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