Bundeswehr-Übung in Litauen: So retten deutsche Soldaten Verwundete aus dem “Gefechtsfeld

Der streng geheime NATO-„Operationsplan Deutschland“ (OPLAN) beschreibt laut der Informationsstelle Militarisierung (IMI) auf über tausend Seiten die umfangreichen Aufgaben der Bundeswehr und die erforderliche zivil-militärische Zusammenarbeit. Demnach gilt Deutschland aufgrund seiner zentralen Lage als „Drehscheibe der NATO in der Mitte Europas“. Im Verteidigungsfall müssten bis zu 800.000 alliierte Soldaten und 200.000 Militärfahrzeuge durch das Land verlegt werden können.

Diese gewaltige logistische Herausforderung wäre nur mit umfassender Unterstützung durch zivile Einrichtungen und Dienstleister zu bewältigen. Die IMI zitiert aus zugänglichen Quellen des Plans:

> *„Dies umfasst Unterstützungsleistungen bei Schutz und Sicherung, Verkehrsleitung, Transport und Umschlag auf Straße, Schiene sowie in See- und Flughäfen, Unterbringung und Verpflegung, Betankung und Instandhaltung, medizinischer Versorgung bis hin zur Rechtsberatung. Diese Aufgabe ist – ohne langen Vorlauf und über lange Zeit – nur mit den Leistungen zivil-gewerblicher Partner sicherzustellen.“*

Vor diesem Hintergrund führt die Bundeswehr im Februar und März das gemeinsame Manöver **„Medic Quadriga 2026“** mit zivilen medizinischen Einrichtungen durch. Wie die Bundeswehr mitteilte, trainieren dabei etwa **1.400 Übungsteilnehmende** aus dem Militär- und Zivilbereich die Versorgung von Verwundeten aus Kriegsgebieten. Von dieser Kooperation profitiere das gesamte staatliche Gesundheitssystem. Die Bundeswehr erklärt das Ziel:

> *„Ziel ist es, die notwendige zivil-militärische Zusammenarbeit und damit die Resilienz des gesamten staatlichen Gesundheitssystems zu stärken.“*

Es handelt sich um die **komplexeste Übung des Sanitätsdienstes seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine**. Geübt werden Patiententransporte und die anschließende Versorgung in Deutschland, um die Schnittstelle zwischen ziviler und militärischer Krankenversorgung zu optimieren. Die Übung gliedert sich in drei zentrale Bestandteile:

* Die **schnelle Verlegung von Sanitätskräften über die Ostsee** zur Verstärkung der NATO-Ostflanke, inklusive des Aufbaus einer Behandlungseinrichtung in Litauen.
* Die **erstmalige Übung der strategischen medizinischen Evakuierung (StratMedEvac)** von Litauen nach Deutschland in Kooperation mit der Luftwaffe.
* Die **erstmalige Einrichtung eines zivil-militärisch betriebenen Hubs** in Deutschland zur Steuerung von Patiententransporten und -behandlungen.

Zusätzlich trainiert der Sanitätsdienst die schnelle Verlegung nach Litauen und den Rücktransport Verwundeter nach Deutschland, unter anderem mit dem Transportflugzeug A330 MRTT (Multi Role Tanker Transport).

Im Ernstfall wäre der Bundeswehr-Sanitätsdienst primär „vorne bei der kämpfenden Truppe eingesetzt“. Für die weitere Versorgung ist die Bundeswehr daher auf zivile Kapazitäten angewiesen. Während „Medic Quadriga 2026“ wird dazu nahe dem Berliner Flughafen ein **„medizinischer Hub“** für die kurzfristige Versorgung eingerichtet. Eine sogenannte Medical Task Force übernimmt dort in Kooperation mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe „die regionale Steuerung“ eintreffender Patienten.

Die Bundeswehr begründet die Notwendigkeit solcher Übungen auch mit Erkenntnissen aus dem Ukrainekrieg:

> *„Nicht zuletzt die Erkenntnisse aus dem weiter anhaltenden Krieg in der Ukraine zeigen, dass die Durchhaltefähigkeit von Streitkräften maßgeblich auf der medizinischen Versorgung und Gesundung der im Verteidigungskampf eingesetzten Soldatinnen und Soldaten fußt – von der unmittelbaren Verwundetenversorgung im Kampfgebiet über den Transport zur weiteren Behandlung im Heimatland bis zur Rehabilitation.“*

Für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands ist die Zusammenarbeit zwischen dem Sanitätsdienst der Bundeswehr und dem zivilen Gesundheitssystem unerlässlich. Mit „Medic Quadriga 2026“ soll nicht nur eine bestmögliche Behandlung im Ernstfall gewährleistet, sondern auch **„der Abschreckung eines möglichen Aggressors“** gedient werden.

Seit Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges habe sich die sicherheitspolitische Lage in Europa grundlegend verändert. Wie viele Truppen für die Übung nach Litauen verlegt werden, bleibt aus **„Gründen der militärischen Sicherheit“** geheim.

**Mehr zum Thema -** Deutschland als NATO-Aufmarschgebiet: Notstand ohne Notstandsgesetze?

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