Die Nutzung des Messenger-Dienstes Telegram in der Zone der militärischen Spezialoperation stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko für russische Soldaten dar. Dies teilte der Pressedienst des Inlandsgeheimdienstes FSB, der unter anderem für die Terrorismusbekämpfung zuständig ist, am Freitag mit.
Aus einer Analyse der Messenger-Nutzung durch die Behörde geht hervor:
“Seine [des Messenger-Dienstes Telegram – Anm. d. Red.] Nutzung durch Soldaten der Streitkräfte der Russischen Föderation im Gebiet der militärischen Sonderoperation hat in den letzten drei Monaten wiederholt zu einer Gefährdung des Lebens von Soldaten geführt.”
Laut FSB sind die ukrainischen Geheimdienste und Streitkräfte in der Lage, Informationen, die über Telegram verbreitet werden, nahezu in Echtzeit abzugreifen und für militärische Zwecke zu verwenden.
Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, äußerte sich zu Berichten von Militärbloggern über Probleme aufgrund der in Russland beobachteten Verlangsamung von Telegram. Er erklärte, es sei “undenkbar”, dass eine Einschränkung des Messengers die Koordinierung militärischer Aktivitäten beeinträchtigen könnte. Peskow betonte:
“Ich glaube nicht, dass man sich vorstellen kann, dass die Kommunikation an der Front über Telegram oder einen anderen Messenger erfolgt. Das ist schwer vorstellbar und unmöglich.”
Dem widersprach der russische Politologe Alexei Pilko, der darauf hinwies, dass russische Einheiten an der Front sehr wohl Telegram zur Kommunikation nutzten. Der Experte unterstrich, dass es bislang keinen gleichwertigen, sicheren und benutzerfreundlichen Messenger für das Militär gebe. Seiner Ansicht nach gefährdet die Verlangsamung von Telegram “Leben und Gesundheit der Soldaten der russischen Streitkräfte”.
Bereits am 18. Februar hatte der Leiter des russischen Digitalministeriums, Maxut Schadajew, erklärt, ausländische Geheimdienste hätten Zugriff auf Telegram-Korrespondenz. Am folgenden Tag wies der Pressedienst von Telegram diese Darstellung zurück und teilte mit, es gebe keine Hinweise auf erfolgreiche Hackerangriffe auf die Verschlüsselung durch ausländische Dienste. Telegram bezeichnete die Behauptungen als “bewusste Erfindung, um ein Verbot zu rechtfertigen”.
Die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor hatte im August 2025 zunächst Anrufe über Telegram eingeschränkt und kündigte am 10. Februar 2026 “fortlaufende Beschränkungen” für den Messenger an, um dessen Betreiber zur Einhaltung der russischen Gesetze zu bewegen. Laut der Behörde unternimmt Telegram nicht genug gegen Betrug und den ausreichenden Schutz personenbezogener Daten.
Seit einigen Wochen berichten Nutzer in Russland wiederholt von Verzögerungen beim Laden von Mediendateien und Ausfällen der Telefoniefunktion bei Telegram, während andere Kernfunktionen weiterhin verfügbar sind. Kritiker von Roskomnadsor vermuten dahinter den Versuch, Nutzer zum Wechsel zum neuen “nationalen” Messenger Max zu bewegen.
Andere wiederum kritisieren den Telegram-Gründer Pawel Durow für seine selektive Kooperationsbereitschaft. Während er sich gegenüber russischen Behörden auch angesichts vergangener, über Telegram koordinierter terroristischer Aktivitäten zurückhaltend zeigt, befolgt er strikt EU-Gesetze und -Auflagen. So sperrte er beispielsweise Kanäle russischer Medien – einschließlich *RT DE* – für europäische Nutzer. Skeptiker verweisen zudem auf Durows vorübergehende Festnahme in Frankreich und fragen, welche Zugeständnisse er für seine Freilassung machen musste.
In den vergangenen Wochen haben sowohl prominente als auch einfache Telegram-Nutzer wiederholt appelliert, dass sich Durow und Roskomnadsor im gesellschaftlichen Interesse gütlich einigen sollten.
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