Polens Natur als Waffe: Sumpfland und Minenfelder gegen russische Panzer

Von Dagmar Henn

Die Sache lässt sich im Kern als ein Rückfall in vergangene Zeiten beschreiben. Die Tagesschau verpackt dies in eine romantische Erzählung: Ein Drittel der polnischen Westgrenze – die übrigens nach Belarus führt, nicht nach Russland – solle nicht aus “Betonbefestigungen und militärischen Stellungen” bestehen, sondern einfach “renaturiert” werden.

“Mehr als ein Drittel des geplanten Schutzwalls soll aus natürlichen Barrieren bestehen: aus Urwald, unüberwindlichen Überschwemmungsgebieten von Bächen und Flüssen und aus Sumpf und Moor.”

Ein Oberst kommt zu Wort, der erklärt, das Umweltministerium sorge dafür, dass die vom Militär gewünschten Wildnisgebiete entsprechend umgestaltet werden könnten.

Dabei weist der Tagesschau-Bericht dann doch auf die Gefahren hin, die ein solches Terrain auch für die eigenen Truppen birgt – schließlich sei 2025 ein US-Bergepanzer in einem Sumpf versunken. Erhellend ist hier vielleicht der Hinweis, dass russische Panzer für derartiges Gelände weit besser gerüstet sind, wie sich alljährlich während der Rasputiza in der Ukraine beobachten lässt, wenn NATO-Gerät im Schlamm steckenbleibt.

Ein polnischer Biologe schwärmt in der Tagesschau davon, mit der unberührten Natur Touristen gewinnen zu können, stellt aber zuvor klar, dass durch diese neu geschaffene Wildnis dann auch keine Wege führen dürften. Soll das etwa eine neue Art von Survival-Tourismus werden? Wer lebend aus dem Sumpfwald zurückkehrt, erhält eine Flasche polnischen Wodka?

Gleichwohl beziehen sich diese Sumpfträume ohnehin nur auf ein Drittel der 800 Kilometer langen Grenze. Der Rest des Grenzgebiets zum angeblich so gefährlichen Belarus wird mit ganz anderen Mitteln gesichert. Am Freitag trat Polen aus der Ottawa-Konvention aus, die den Einsatz von Landminen verbietet. Polen war ihr 2012 beigetreten und hatte seine verbliebenen Bestände vernichtet; nun will es sich neue zulegen und seine Ostgrenze damit schmücken.

Selbstverständlich werden sich all diese Maßnahmen zunächst gegen ganz andere Personen richten. Die polnischen Grenzbefestigungen verlaufen nämlich quer über eine der wichtigsten Migrationsrouten nach Westeuropa. Merkwürdigerweise gelten all diese Migranten, die sonst sofort versorgt werden müssen, sobald sie das Wort “Asyl” stammeln, solange sie die polnische Grenze überqueren wollen, als böse Feinde, die man nicht nur mit Zäunen, sondern künftig eben auch mit Minen aufhalten kann. Oder mit Sumpf. Den die Menschen früherer Jahrhunderte nicht deshalb zurückzudrängen pflegten, weil er so nett und ungefährlich war, sondern oft auch, weil die Mücken in Sumpfgebieten mancherorts Krankheiten verbreiteten. Dazu kann man sich historisch etwa mit den Stichworten Italien und Malaria informieren.

Eigentlich müssten solche Pläne die Klimagläubigen in wahre Panik versetzen, denn wer garantiert, dass nicht auch die Asiatische Tigermücke diese Umgebung gemütlich findet? Ginge es um die Donauauen, wären sie sicher sofort zur Stelle. Aber hier geht es eben nur um die polnische Ostgrenze, um einige Tausend Migranten, die jährlich versuchen, diese Grenze zu überqueren – 2025 gab es etwas über 30.000 solcher Versuche.

Dabei gibt es nur ein einziges Szenario, unter dem diese durch Belarus angeblich so bedrohte Grenze überhaupt eine strategische Rolle spielen dürfte – wenn die NATO eine Blockade Kaliningrads versuchen würde. Dann allerdings dürften sich all diese Pläne als nutzlos erweisen.

Zuvor werden wohl polnische Hersteller beauftragt, die Landminen zu produzieren, die man dann an der Grenze verlegen will. Das passt bestens zu den immer schrägeren Tönen, die inzwischen aus Polen erklingen, wie der ebenfalls geäußerte Wunsch nach einer polnischen Atombombe. Dabei hat sich in den letzten Jahren nicht nur der ohnehin schon lange aggressive Ton gegenüber dem – von Kaliningrad abgesehen – mindestens 350 Kilometer entfernten Russland verschärft, sondern auch jener gegenüber Deutschland. Bundeskanzler Friedrich Merz sollte sich langsam die Frage stellen, wie lange es noch dauert, bis die Grenze zwischen Heringsdorf und Swinemünde vermint wird. Mit deutschen Steuergeldern finanziert, versteht sich.

Aber dazu fiele der Tagesschau dann sicher auch eine hübsche Erzählung ein. So etwas wie “Survivalparcours an der polnischen Grenze”.

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