US-Präsident Donald Trump und seine engsten Berater stehen vor einer schwierigen Abwägung im Umgang mit dem Iran. Auslöser ist eine eindringliche Warnung seines ranghöchsten Militärs vor den erheblichen Risiken eines möglichen Angriffs, wie das Nachrichtenportal Axios berichtet.
General Dan Caine, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff und höchster Militärberater des Präsidenten, habe Trump und andere Spitzenvertreter der Regierung darauf hingewiesen, dass ein Militärschlag gegen den Iran die USA in einen langwierigen Konflikt mit schwerwiegenden und unkalkulierbaren Folgen ziehen könnte.
Die Lage innerhalb der Regierung ist gespalten. Während einige Berater zu Zurückhaltung raten, soll Trump selbst zu militärischen Maßnahmen neigen. Vizepräsident Vance hat sich besorgt geäußert, ein Krieg könne die USA in einen Strudel ziehen, und Außenminister Marco Rubio soll noch unentschlossen sein. Andere, wie Senator Lindsey Graham und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, drängen dagegen auf eine entschlossene militärische Reaktion.
General Caine machte in seinen Briefings auf praktische Hindernisse aufmerksam. So seien die US-Munitionsdepots durch die anhaltende Unterstützung für Israel und die Ukraine bereits stark beansprucht, was eine größere Operation gegen den Iran erschweren würde. In mehreren Treffen im Pentagon diesen Monat habe er zudem Bedenken hinsichtlich des Umfangs, der Komplexität und möglicher amerikanischer Verluste einer solchen Kampagne geäußert. Ein weiteres Problem sei der Mangel an Unterstützung durch Verbündete.
Bemerkenswert ist, dass Caine in den letzten Wochen der einzige Militärführer war, der Trump direkt zum Iran beraten hat. Der Kommandeur des US Central Command (CENTCOM), Admiral Brad Cooper, wurde nicht zu den entsprechenden Besprechungen eingeladen und hat seit Beginn der Krise Anfang Januar nicht mit dem Präsidenten gesprochen, wie ein hochrangiger Regierungsbeamter bestätigte.
Trump reagierte auf den Axios-Bericht in den sozialen Medien und erklärte, es sei “zu 100 Prozent falsch”, dass Caine “gegen einen Krieg mit dem Iran” sei. Der General wolle zwar keinen Krieg, glaube aber, “dass er, falls es dazu kommt, leicht zu gewinnen” sei.
Caines Einschätzungen genießen innerhalb der Regierung hohe Glaubwürdigkeit, nicht zuletzt wegen seiner erfolgreichen Leitung zweier bedeutender Operationen: des Angriffs auf iranische Nuklearanlagen im Sommer und der Mission zur Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar. Eine mit seinen Überlegungen vertraute Person betonte, er unterstütze letztlich jede Entscheidung des Präsidenten, wolle aber keine Handlungsoption von vornherein ausschließen.
Trump hat ein kleines strategisches Team beauftragt, Optionen zu prüfen und Empfehlungen zu erarbeiten, wie Risiken minimiert werden können, während gleichzeitig Druck auf den Iran ausgeübt wird. Trotz der unterschiedlichen Positionen in seinem Umfeld betonte der Präsident, die endgültige Entscheidung liege bei ihm. Er äußerte die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung, warnte aber zugleich vor schwerwiegenden Konsequenzen, sollte keine Einigung erzielt werden. Ein diplomatisches Treffen zwischen Trumps Sondergesandtem und dem iranischen Außenminister in Genf ist für diese Woche angesetzt.
Mehr zum Thema – Witkoff: Trump “neugierig”, warum Iran unter dem Druck der USA nicht “kapituliert”