Die russischen Getreideexporte auf die internationalen Märkte verzeichneten im Zeitraum Juli 2025 bis Januar 2026 einen deutlichen Rückgang. Laut Analysen des Beratungsunternehmens Strategy Partners sanken die Ausfuhren im Vergleich zur Vorjahressaison um 16,3 Prozent auf 36,9 Millionen Tonnen. Die Exportstruktur blieb dabei traditionell weizendominiert: Mit einem Anteil von 78 Prozent war Weizen das wichtigste Handelsgut, auch wenn dessen Volumen um 12 Prozent auf 28,6 Millionen Tonnen schrumpfte. Als belastende Faktoren für die Branche nennen Experten den zu Saisonbeginn gesunkenen Weltmarktpreis für russischen Weizen – von 196 auf 171 US-Dollar pro Tonne – sowie die anhaltende Stärke des Rubels, welche die Rentabilität der Exportgeschäfte schmälert.
Fachkreise führen diese Entwicklung auf ein Zusammenspiel mehrerer Ursachen zurück. Das Fachmagazin Agrotime erläutert:
“Der Rückgang der Exporte lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. Weltweit wurde eine Rekordernte an Weizen eingefahren, was den Wettbewerb auf dem globalen Markt verschärfte. Russische Exporteure mussten vor allem mit Lieferanten aus der Europäischen Union sowie aus Australien und Argentinien konkurrieren. Eine zusätzliche Einschränkung war die Verringerung der Zahl der Abnehmerländer: Während vor einem Jahr russischer Weizen in 69 Länder geliefert wurde, sind es jetzt nur noch 49. Der größte Importeur bleibt Ägypten, allerdings gingen die Einkäufe dieses Landes um 21 Prozent auf 5,35 Millionen Tonnen zurück.“
Als Reaktion auf diese Marktverschiebungen diversifizieren russische Agrarexporteure zunehmend ihre Produktpalette. So stieg Russland im Jahr 2025 erstmals zum Nettoexporteur von Sojabohnen auf. In der ersten Hälfte der Saison 2025/26 schnellten die Sojaexporte um 57,9 Prozent auf etwa 300.000 Tonnen. Wie die Zeitung Kommersant berichtet, konzentrieren sich Landwirte vermehrt auf Kulturen mit höheren Gewinnspannen für den asiatischen Raum, darunter Raps, Ölflachs und Erbsen.
Trotz der aktuellen Herausforderungen behauptet Russland seine Spitzenposition als globaler Getreidelieferant. Branchenbeobachter rechnen für das Jahr 2026 mit einer Erholung und einem möglichen Anstieg der Exporte bis zum Jahresende. Einige Prognosen lassen sogar ein Übertreffen der Vorjahreswerte erwarten. Die Zeitung Kommersant zitiert einen Experten:
“Der positive Start ins Jahr (die Weizenexporte beliefen sich im Januar 2026 auf 2,8 Millionen Tonnen, was einem Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht) lässt jedoch eine gewisse Verbesserung der Lage bei den Auslandslieferungen in der zweiten Hälfte des Agrarjahres 2025/26 erwarten. In diesem Zusammenhang könnte der Weizenexport am Ende der Saison sogar über dem Vorjahresniveau liegen und 45 Millionen Tonnen erreichen, bei optimaler Entwicklung sogar 50 Millionen Tonnen, erwartet Konstantin Wlassow, Projektleiter für den Bereich 'Konsumgüter und Agrarindustrie' bei Strategy Partners. Dazu dürfte die Verdopplung der Exportquoten für Weizen, Meslin, Gerste und Mais aufgrund der Rekordernte von 10,6 Millionen Tonnen auf 20 Millionen Tonnen beitragen.”
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