Medienberichte der vergangenen Tage offenbaren einen gravierenden Vorfall am Münchner Flughafen, der sich in der Nacht zum Freitag vor einer Woche ereignete und sich zu einem massiven Imageschaden für die Betreiber auswächst. Wie am Montag bekannt wurde, mussten insgesamt etwa 600 Passagiere aufgrund von Schnee und Eis die gesamte Nacht in mehreren Flugzeugen auf dem Vorfeld verbringen.
Auslöser war die Einstellung des Flugbetriebs am Flughafen München kurz nach Mitternacht wegen starken Schneefalls. Die Reisenden waren gezwungen, bis in die frühen Morgenstunden in den Maschinen auszuharren. Während die Behörden mögliche Konsequenzen prüfen, lieferten der Flughafenbetreiber und die Fluggesellschaft Lufthansa erste Erklärungsversuche für das Debakel.
Unter der Überschrift “Albtraum am Flughafen München: Passagiere ganze Nacht in Flugzeugen eingesperrt” berichtete der Merkur über den sich ausweitenden Skandal und das Versagen des Betreibers in einer vorhersehbaren Wintersituation. Die Süddeutsche Zeitung kommentierte kritisch:
“Nicht wenige fragen sich seit diesem Vorfall, wie es sein kann, dass an Deutschlands zweitgrößtem Flughafen, der bei Tests regelmäßig Top-Bewertungen abräumt, ein derartiges Chaos ausbrechen kann.”
Der Vorgang, der bereits am 19. Februar auf dem Rollfeld des Flughafens München Franz Josef Strauß stattfand, nahm seinen Lauf, als mehrere Maschinen eine Startfreigabe erwarteten, die jedoch vom Tower nicht erteilt wurde. Den Passagieren in sechs Flugzeugen wurde die Hiobsbotschaft über die Bordlautsprecher mitgeteilt. Betroffene Heimreisende wurden zitiert:
“Am Ende teilte die Lufthansa-Besatzung den Passagieren mit: Die Verbindung sei gestrichen, das Flugzeug werde sich nicht mehr vom Fleck bewegen. Søren Thieme, seine Frau und die beiden Kinder sind an Bord. Sie berichten der Zeitung Ekstra Bladet: ‘Plötzlich erfahren wir von der Lufthansa-Crew, dass sie niemanden mehr im Flughafen erreichen können. Der Flughafen sei geschlossen, heißt es. Dann wird uns mitgeteilt, dass alle Busfahrer nach Hause gefahren sind und wir das Flugzeug nicht verlassen dürfen.'”
Laut einem Artikel der Welt (Bezahlschranke) waren am selben Tag bereits über 100 Flüge gestrichen worden. Zu den betroffenen Verbindungen in der Nacht hieß es:
“Anders war es bei sechs Verbindungen. Fünf davon betrafen die Lufthansa, und zwar nach Singapur, Danzig, Kopenhagen, Graz und Venedig. Die sechste Verbindung betraf die Gesellschaft Air Arabia nach Schardscha in den Vereinigten Arabischen Emiraten.”
Einigen Flügen sei trotz der vielen Absagen am Abend noch eine Sondergenehmigung erteilt worden, “um zwischen Mitternacht und 1 Uhr zu starten – grundsätzlich gilt in München ein Nachtflugverbot von 0 bis 5 Uhr.” Die bereits abgefertigten und startbereiten Maschinen mit rund 600 Menschen an Bord erhielten dann jedoch die endgültige Nachricht, dass keine Startfreigabe mehr erfolgen würde.
Das Chaos gipfelte laut einer Erklärung der Betreiber vom Montag darin, dass es wegen “überdurchschnittlich langer Enteisungszeiten” aufgrund der starken, nassen Schneefälle zu vorübergehenden Schließungen der Start- und Landebahnen kam. Die Süddeutsche Zeitung ergänzte:
“Zurück an die Terminals hätten die betroffenen Maschinen aber auch nicht mehr rollen können, weil schlichtweg Parkmöglichkeiten gefehlt hätten; alle Terminalkapazitäten seien belegt gewesen.”
Die missliche Lage für die Passagiere wurde dadurch komplettiert, dass auch alle Busfahrer bereits im Feierabend waren. In einer gestrigen Stellungnahme des Flughafens München heißt es nun:
“Uns ist bewusst, dass die Lage am Donnerstagabend eine schwierige und kaum nachvollziehbare Situation für die Passagiere war. Wir entschuldigen uns dafür bei den betroffenen Fluggästen ausdrücklich.”
Laut dem Spiegel begründete der Airport die Entscheidung, die Passagiere in den Flugzeugen zu lassen, mit der fortgeschrittenen Uhrzeit und Kommunikationsproblemen. Der Merkur zitierte den Flughafen: “Natürlich” gebe es entsprechende Notfallpläne für unterschiedlichste Situationen, “die auch regelmäßig überprüft und aktualisiert werden”. Eine Gefahr für Fluggäste habe zu keiner Zeit bestanden, da beide Fluggesellschaften “die Passagiere an Bord gut versorgt hätten.”
Die sechs Besatzungen hätten die Fluggäste fortlaufend informiert. Die Flugzeuge seien beheizt und mit ausreichend Strom versorgt gewesen. Weiter berichteten die Medien:
“Erst nach einigen Stunden hätten die Passagiere aussteigen können und seien mit Bussen abgeholt worden. Die Lufthansa bat die Betroffenen um Entschuldigung und kündigte ‘entsprechende Entschädigungszahlungen’ an.”
Der Flughafen München befindet sich mehrheitlich (51 Prozent) im Besitz des Freistaates Bayern, weitere Anteile halten der Bund und die Stadt München. Im vergangenen Jahr wurde der Airport im Skytrax World Ranking weltweit auf Platz neun gewählt und von der Aviation Week zum “Flughafen des Jahres” gekürt.
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