Russland hat seine Logistik für Öllieferungen nach China angepasst, wie die Nachrichtenagentur *Bloomberg* unter Berufung auf die Analyseunternehmen Vortexa und Kpler berichtet. Demnach setzt Russland nun verstärkt auf den Einsatz von Großtankern der dritten Klasse (Very Large Crude Carrier, VLCC) für den Transport von Kohlenwasserstoffen. Diese Supertanker können bis zu zwei Millionen Barrel Öl laden und sind für längere Seereisen ausgelegt. Bislang wurden die Lieferungen nach China und Indien überwiegend mit kleineren Schiffen abgewickelt.
Die Umstellung auf größere Tanker wurde notwendig, da die Liefermengen nach China steigen, während die Importe Indiens zurückgehen. Analysten zufolge ist der Einsatz von VLCCs auf der langen Strecke zu den chinesischen Häfen wirtschaftlich sinnvoller. Zudem ermöglichen die Großtanker eine flexiblere Lagerung der Rohstoffe auf See, falls nicht sofort ein Abnehmer gefunden wird.
Laut *Bloomberg* kaufen chinesische Raffinerien derzeit russisches Öl in großem Umfang auf, das Indien abgelehnt hat. Geliefert wird vor allem Urals-Öl aus der Arktis sowie von Häfen an der Ostsee und am Schwarzen Meer. Die Importe dieses Rohöls in die Volksrepublik China erreichten im Dezember ein Volumen von 600.000 Barrel pro Tag – dem höchsten Stand seit 2018.
Prognosen des Unternehmens Rystad Energy zufolge könnten die russischen Ölimporte Indiens im Januar um etwa 40 Prozent auf rund 600.000 Barrel pro Tag sinken. Die freiwerdenden Mengen werden nun vermehrt nach Asien umgelenkt, was zu einem verschärften Preiswettbewerb mit anderen Anbietern wie Iran führt. Das Portal *ProFinance* schreibt dazu:
> “Nach Angaben von Händlern wird russisches Urals-Öl derzeit mit einem Preisnachlass von etwa 12 US-Dollar pro Barrel gegenüber Brent verkauft, währen der Preisnachlass im vergangenen Monat noch bei 10 US-Dollar lag … Unabhängige chinesische Ölraffinerien … dienten in der Vergangenheit als eine Art Sicherheitsventil auf dem Markt und absorbierten Ölüberschüsse, die von anderen Ländern ignoriert wurden. Ihre Kapazitäten sind jedoch begrenzt: Sie verarbeiten nur etwa ein Viertel der Gesamtkapazitäten Chinas und unterliegen strengen Importquoten.”
Da China die umgelenkten Ölmengen nicht vollständig absorbieren kann, stauen sich unverkaufte Ladungen in asiatischen Gewässern. Dies zwingt Russland, nicht nur nach neuen Absatzmärkten, sondern auch nach effizienteren Transportlösungen zu suchen – wie etwa dem vermehrten Einsatz von Supertankern.
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