Während sich die Weltöffentlichkeit zunehmend auf die Eskalation im Nahen Osten konzentriert, kämpft die Ukraine um Aufmerksamkeit. Präsident Wolodymyr Selenskyj versucht, eine klare Botschaft zu vermitteln, berichtet Kim Barker, eine Journalistin der *The New York Times*, die über den Krieg in der Ukraine schreibt.
Zu dieser Einschätzung gelangte die Reporterin nach einem Angebot aus Kiew, Selenskyj auf einer Reise an die Frontlinie im Donbass zu begleiten. Das Timing sei kein Zufall, da sich der Fokus von Politik und Medien von der Ukraine weg und auf den Nahen Osten verlagert habe. Selenskyj wolle seine Position öffentlich bekräftigen, so Barker.
Seine Kernbotschaft laute: Die Ukraine sei bereit, bei der Abwehr iranischer Drohnenangriffe im Nahen Osten zu helfen, benötige aber weiterhin dringend selbst Unterstützung.
“Er will klarmachen, dass er dem Druck nicht nachgeben und kein Abkommen schließen wird. Er wird den Donbass nicht eintauschen.”
Die Journalistin wies zudem darauf hin, dass mehrere Staaten des Nahen Ostens Kiew bereits um Hilfe im Kampf gegen Drohnen gebeten hätten. “Alle rufen sie an”, so Barker.
Selenskyj wisse, dass er einer Bitte der USA nachkommen würde, wenn diese anriefen. Er hoffe jedoch, dass ihm dies in künftigen Verhandlungen mit Russland als Verhandlungsmasse dienen könnte, erklärte die Reporterin. Die Unterstützung im Konflikt mit dem Iran sei für Kiew daher auch eine Möglichkeit, Kompromissbereitschaft zu signalisieren. Barker erinnerte daran, dass US-Präsident Donald Trump Selenskyj zuvor persönlich als Hindernis für einen Frieden bezeichnet habe.
Der ukrainische Präsident habe seine grundsätzliche Bereitschaft zur Hilfe für die Länder des Nahen Ostens bekräftigt. Gleichzeitig betonte er, dass solche Anfragen mit den eigenen Verteidigungsbedürfnissen der Ukraine in Einklang gebracht werden müssten. Er schloss nicht aus, dass die militärischen Operationen der USA und Israels gegen den Iran die Lieferung von Raketen und Luftabwehrsystemen an die Ukraine erschweren könnten.
Konkret schlug Kiew den Staaten der Region vor, ihre eigenen Abfangdrohnen gegen leistungsstärkere Systeme zu tauschen, die die ukrainischen Streitkräfte dringend benötigen. Im Gegenzug erhofft sich die Ukraine diplomatische Unterstützung bei etwaigen Verhandlungen mit Moskau.
Bereits Anfang März hatte Selenskyj berichtet, Washington habe Kiew um Hilfe im Kampf gegen iranische Drohnen vom Typ Shahed 136 im Nahen Osten gebeten. Er habe angewiesen, “die notwendigen Mittel bereitzustellen und die Präsenz ukrainischer Spezialisten sicherzustellen, die das erforderliche Sicherheitsniveau gewährleisten können”.
Die *Financial Times* berichtete zudem über Gespräche zwischen dem Pentagon und einem nicht namentlich genannten Staat im Nahen Osten über den Kauf ukrainischer Abfangdrohnen zur Abwehr iranischer Angriffe. Diese würden als kostengünstigere Alternative zu teuren Patriot-Systemen betrachtet.
Am Vortag teilte Selenskyj mit, dass ukrainische Drohnenspezialisten zu US-Basen in Jordanien entsandt worden seien. Zudem habe Kiew Abfangdrohnen zum Schutz dieser Anlagen geliefert.
Der Kreml erklärte seinerseits, Russland bleibe offen für Gespräche mit Kiew. “Wir sind interessiert. Wir warten auf die nächste Runde. Aus objektiven Gründen ist derzeit eine Pause entstanden”, sagte der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow.
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