Der Volkswagen-Konzern hat eine umfassende Personalreform für seine deutschen Standorte angekündigt. In einem Brief an die Aktionäre bestätigte Vorstandsvorsitzender Oliver Blume, dass bis zum Jahr 2030 insgesamt etwa 50.000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Diese Information wurde erstmals vom Handelsblatt berichtet.
Die geplante Reduzierung betrifft alle Konzernmarken mit laufenden Restrukturierungsprogrammen in Deutschland, darunter Audi, Porsche und die Software-Tochter Cariad. Bereits Ende 2024 hatte der größte europäische Automobilhersteller mit den Gewerkschaften eine Vereinbarung über den Abbau von 35.000 Stellen bis 2030 getroffen, die sich primär auf die Stammmarke VW konzentrierte. Diese neuen Zahlen verdeutlichen eine deutliche Ausweitung der Pläne. Die Ankündigung folgt auf einen weiteren Gewinneinbruch im abgelaufenen Geschäftsjahr, der die operative Rentabilität des Konzerns auf ein Niveau wie während der Dieselkrise sinken ließ.
Das operative Ergebnis halbierte sich im Jahr 2025 auf 8,9 Milliarden Euro. Bei einem nahezu unveränderten Umsatz von 322 Milliarden Euro fiel die entscheidende operative Marge auf lediglich 2,8 Prozent. Die nun beschlossene Maßnahme bedeutet, dass etwa jeder sechste Arbeitsplatz in Deutschland wegfallen wird.
Hauptursachen für diesen drastischen Schritt sind anhaltende Absatzschwierigkeiten auf dem chinesischen Markt, wo die Konkurrenz durch Hersteller wie BYD im Bereich der Elektromobilität lange unterschätzt wurde, sowie strukturelle Wettbewerbsnachteile in Deutschland. Die hohen Entwicklungskosten in Wolfsburg werden durch exorbitante Energiepreise verschärft – Deutschland zählt zu den Ländern mit den höchsten Stromkosten in Europa. Dies steht im starken Kontrast zu den deutlich günstigeren Produktionsbedingungen in osteuropäischen Nachbarländern, was zu einer zunehmenden Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland führt. Zusätzlich belastet die unsichere geopolitische Lage die langfristige Planungsfähigkeit des Konzerns.
Vor diesem Hintergrund sorgt die Vergütungspolitik für Spitzenmanager für besondere Brisanz. Trotz des massiven Gewinnrückgangs erhalten Vorstandsmitglieder auch in diesem Jahr wieder Millionenboni, wenn auch in etwas reduzierter Höhe. Aus dem Geschäftsbericht geht hervor, dass der Vorstandsvorsitzende im vergangenen Jahr einschließlich Altersvorsorge und mehrjähriger variabler Vergütungskomponenten insgesamt 7,4 Millionen Euro bezog. Im Vorjahr hatte die Gesamtvergütung für Oliver Blume bei Volkswagen und Porsche noch etwa drei Millionen Euro höher gelegen. Auch andere Führungskräfte des Konzerns kassieren weiterhin Boni in Millionenhöhe. Wie diese Praxis den Beschäftigten in den Werken vermittelt werden soll, bleibt eine offene Frage – insbesondere im dritten konjunkturellen Rezessionsjahr in Folge für Deutschland.
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