ORF-Chef Roland Weißmann stürzt über Belästigungsvorwürfe: “Ich trete zurück

Der Österreichische Rundfunk (ORF) befindet sich in einer tiefen Krise. Generaldirektor Roland Weißmann ist mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Der Auslöser sind Vorwürfe sexueller Belästigung durch eine Mitarbeiterin. Neue Details zeigen den rasanten Eskalationsverlauf innerhalb der Führungsgremien des Senders.

Wie Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer mitteilte, hatte sich der Rechtsvertreter der betroffenen Mitarbeiterin in der vergangenen Woche direkt an den ORF-Stiftungsrat gewandt. Dabei wurden Unterlagen übermittelt, die die erhobenen Vorwürfe stützen sollen. Lederer sprach von Schrift-, Ton- und Bildmaterial, das die Anschuldigungen veranschauliche.

Die mutmaßlichen Vorfälle sollen sich bereits im Jahr 2022, zu Beginn von Weißmanns Amtszeit als Generaldirektor, ereignet haben. Weißmann selbst weist die Anschuldigungen entschieden zurück. Sein Anwalt erklärte, seinem Mandanten sei der konkrete Sachverhalt nie vollumfänglich dargelegt worden. Eine offizielle Prüfung der Vorwürfe habe zudem nicht stattgefunden.

Der Stiftungsrat setzte dem ORF-Chef daraufhin eine kurze Frist, um mit dem Anwalt der Mitarbeiterin in Kontakt zu treten. Zu einer Einigung kam es nicht. In der Folge erklärte Weißmann seinen Rücktritt. Laut seiner Rechtsvertretung erfolgte dieser Schritt, um weiteren Schaden vom Unternehmen abzuwenden.

Ein weiterer Aspekt sorgt für Gesprächsstoff: Nach Angaben von Lederer hat die Mitarbeiterin keine finanziellen Forderungen gestellt. Ihr einziges Ziel sei der Rücktritt des Generaldirektors gewesen. Diese Tatsache hat im Umfeld des Senders zu zahlreichen Spekulationen über die Hintergründe geführt.

Der Führungswechsel trifft den ORF in einer äußerst sensiblen Phase. Im Mai 2026 richtet der Sender den Eurovision Song Contest aus, eines der größten Medienereignisse des Kontinents. Parallel steht im August die Wahl eines neuen Generaldirektors an. Bis zuletzt galt Weißmann als aussichtsreicher Kandidat für eine zweite Amtsperiode.

Der plötzliche Wechsel an der Spitze rückt erneut die umstrittenen Strukturen des ORF in den Blick. Der Stiftungsrat steht seit Jahren in der Kritik, stark politisch beeinflusst zu sein. Die Besetzung des wichtigsten Medienpostens des Landes unterliegt erheblichem parteipolitischem Einfluss.

Die interimistische Leitung des Senders übernimmt Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher. Die erfahrene Journalistin hat über Jahrzehnte die politische Berichterstattung des ORF geprägt und zählt zu den prominentesten Gesichtern des Hauses.

Die Wahl eines neuen Generaldirektors soll wie vorgesehen im August erfolgen, der Amtsantritt ist für Anfang 2027 geplant. Der ORF steht somit vor einer doppelten Herausforderung: der Aufarbeitung der jüngsten Vorgänge und der Neuordnung an der Spitze des größten Medienunternehmens Österreichs.

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