Von Boris Dscherelijewski
Die militärischen Operationen der USA und Israels gegen den Iran in den vergangenen zehn Tagen haben nicht nur eine schwere regionale Krise im Nahen Osten, sondern auch eine globale Energiekrise ausgelöst. Gleichzeitig zeichnen sich Risse im Bündnisgefüge Washingtons ab. So warf der amerikanische Präsident Donald Trump Großbritannien mangelnde Unterstützung vor und scheiterte mit dem Versuch, seine europäischen Verbündeten zu mobilisieren. Offenkundig sind auch Spannungen zwischen den USA und Israel, dessen Angriffe auf iranische Ölanlagen auf deutliche Missbilligung in Washington stießen. Dass dies öffentlich kommuniziert wurde, deutet darauf hin, dass die vertraulichen Kommunikationskanäle zwischen den Partnern entweder nicht funktionieren oder bewusst ignoriert werden.
Selbst auf die uneingeschränkte Unterstützung der eigenen Bevölkerung kann Trump nicht zählen. Die New York Times resümierte:
“Die wechselnden Kriegsziele haben die US-amerikanische Gesellschaft verunsichert, während Umfragen eine weit verbreitete Unzufriedenheit mit dem Krieg unter den US-Amerikanern zeigen. Gleichzeitig führt die zunehmende Gewalt zu steigenden Ölpreisen und anderen wirtschaftlichen Schocks, die für Trump selbst zu politischen Problemen bei den Wahlen führen könnten.”
Die US-Regierung selbst wirkt planlos. Energieminister Chris Wright gab zu:
“Wir wissen nicht, welches Regime nach Beendigung dieses Konflikts an der Macht sein wird.”
Trump seinerseits äußerte sich “unzufrieden” mit der Wahl des Obersten Führers der Islamischen Republik Iran. All dies spricht dafür, dass die Ziele der Operation “Epic Fury” verfehlt wurden, das Team des Präsidenten offenbar keinen Plan B hatte und nun orientierungslos dasteht.
Fest steht: Der Blitzkriegsplan, der auf einen raschen Regimesturz durch die Ausschaltung der militärisch-politischen Führung abzielte, ist gescheitert. In den USA macht bitter der Spott die Runde, es habe zwanzig Jahre und Billionen Dollar gekostet, in Afghanistan ein Taliban-Regime durch ein anderes Taliban-Regime zu ersetzen. Trump hingegen habe es geschafft, Chamenei durch Chamenei zu ersetzen – und das in nur neun Tagen.
In Iran ist die Staatsmacht nicht kollabiert. An die Stelle des kompromissbereiten Ali Chamenei, der sich gegen die Herstellung von Atomwaffen aussprach, sind weitaus radikalere und kompromisslosere Persönlichkeiten getreten. Es genügt der Hinweis, dass der neue Oberste Führer durch die amerikanisch-israelischen Bombardements fast seine gesamte Familie verloren hat – Eltern, Schwester und Ehefrau. Von ihm ist kaum freiwillige Kapitulation zu erwarten.
Ein taktischer Erfolg der Koalition war es zweifellos, einen Großteil der iranischen Luftabwehr auszuschalten, was die Angriffsmöglichkeiten der Luftstreitkräfte erheblich verbessert. Zur Intensivierung der Luftschläge wird wahrscheinlich eine dritte Flugzeugträgerkampfgruppe in die Region verlegt. Doch die entscheidende Frage bleibt: Können die USA und Israel ihre Ziele erreichen, wenn sie sich auf Fernangriffe beschränken, ohne eine Bodenoffensive zu starten und das Land zu besetzen?
Luftangriffe können zivile Infrastruktur zerstören und das militärische Potenzial des Irans schwächen – mehr aber auch nicht. Jede politische Veränderung, die sie allenfalls bewirken könnten, würde sich aller Voraussicht nach äußerst negativ auf die USA und ihre Verbündeten auswirken.
Die iranische Gesellschaft würde sich noch enger zusammenschließen, um die Angreifer zu bestrafen. Ohne eine Bodenoffensive und die Errichtung einer Kontrolle über zumindest Teile des Landes ist also weder von einem “Neustart” Irans noch von einem Abbau des Machtsystems die Rede.
Bei der Betrachtung einer möglichen Bodeninvasion drängt sich der Vergleich zur Operation “Iraqi Freedom” von 2003 auf. Damals genügten 200.000 Soldaten zur Eroberung des Landes. Der Irak ist jedoch viermal kleiner als der Iran und hat nur ein Drittel seiner Bevölkerung. Teheran kann auf eine Streitmacht von bis zu elf Millionen Soldaten zurückgreifen (eine Million reguläre Streitkräfte, zehn Millionen Basidsch-Milizionäre). Vorsichtigen Schätzungen zufolge müsste eine Invasionsarmee etwa eine Million Mann stark sein.
Die Hoffnungen Washingtons und Tel Avivs auf eine breite Koalition unter Einbeziehung kurdischer Formationen, der Armeen der Golfmonarchien, Pakistans und Aserbaidschans haben sich zudem nicht erfüllt. Keiner dieser potenziellen Partner ist bereit, sich auf einen Krieg mit unkalkulierbaren Folgen einzulassen – sei es aus pragmatischen Gründen oder auf Druck Dritter.
Als Alternative zur groß angelegten Bodenoffensive, für die die Kräfte fehlen, erwägt Washington nun begrenzte Operationen mit Spezialeinheiten und hochmobilen Verbänden.
Eine diskutierte Option ist die Eroberung des Ölterminals auf der Insel Charg im Persischen Golf, über das bis zu 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden. Die Hoffnung ist, den Iran in die Knie zu zwingen, indem man ihm seine Haupteinnahmequelle entzieht.
Allerdings hatte die Luftwaffe Saddam Husseins während des Ersten Golfkriegs die Terminals auf Charg mehrfach zerstört, ohne damit den Iran zu besiegen. Zudem würden sich die Truppen auf der nur 25 Kilometer vor der iranischen Küste gelegenen Insel in einer Falle befinden – anfällig für massive Gegenangriffe mit hohen Verlusten.
Ebenso werden Kommandoaktionen auf iranischem Territorium erwogen, um Ziele zu zerstören oder zu erobern, die für Bomben und Raketen unerreichbar sind. Berichten zufolge haben sich entsprechende Einheiten bereits in Ausgangsstellungen begeben.
So befinden sich auf dem Luftwaffenstützpunkt Harir und dem Flughafen Erbil im irakischen Kurdistan das 160. Special Operations Aviation Regiment und das 75. Ranger Regiment, die für Angriffe auf Raketen- und Nuklearanlagen im Westen Irans vorgesehen sein könnten. Auf dem Stützpunkt Al Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Bahrain und auf Flugzeugträgern sind Einheiten der Navy SEALs und israelische Marinekommandos der Einheit Schajetet 13 stationiert, die für die Eroberung von Inseln, Offshore-Plattformen und Küstenanlagen der Revolutionsgarden (IRGC) infrage kommen.
Hinzu kommen auf dem jordanischen Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti Einheiten des britischen Special Air Service (SAS), die für Operationen in jede Richtung eingesetzt werden könnten. Diese Kräfte könnten bald durch die 82. US-Luftlandedivision verstärkt werden, deren Verlegung in den Nahen Osten bereits begonnen haben soll.
Trotz der hohen Professionalität und exzellenten Ausrüstung dieser Truppen fehlt ihnen der entscheidende Faktor für den Erfolg solcher Operationen: das Überraschungsmoment. Sie werden erwartet. Daher ist das Scheitern solcher Überfälle mit hohen Verlusten wahrscheinlich. Selbst im günstigsten Fall würden sie nur einen begrenzten, vor allem propagandistischen Erfolg bringen, ohne die strategischen Ziele zu erreichen.
Die USA stehen somit vor der Wahl, auf welche Weise sie ihre Aggression gegen den Iran fortsetzen wollen – ob ausschließlich aus der Luft oder auch mit Bodentruppen. Oder ob sie sie überhaupt fortsetzen wollen.
Es gibt Anzeichen dafür, dass man in Washington die prekäre Lage und die unklaren Aussichten einer Bodenoffensive erkennt. Noch am 6. März hatte Trump die Kapitulation Irans als einzig mögliches Kriegsziel bezeichnet. Bereits am 9. März jedoch definAußenminister Marco Rubio das Ziel der Operation neu: Es gehe nun darum, “die Fähigkeit dieses Regimes zum Abschuss von Raketen zu zerstören: die Raketen selbst und ihre Abschussvorrichtungen zu zerstören, die Fabriken, in denen diese Raketen hergestellt werden, zu zerstören und ihre Seestreitkräfte zu vernichten”. Die Messlatte wurde damit deutlich gesenkt. Das zuvor stets propagierte Hauptziel, dem Iran die Möglichkeit zur Herstellung von Atomwaffen zu nehmen, wird nicht mehr erwähnt. Sogar Trump selbst bezeichnet den Krieg gegen den Iran inzwischen als “praktisch beendet”.
Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass die USA bald einen Sieg verkünden und die Kampfhandlungen einstellen werden. In der aktuellen Lage wäre dies die rationalste Entscheidung. Allerdings ist unwahrscheinlich, dass die US-Führung heute ausschließlich von rationalen Motiven geleitet wird – sonst hätte Washington diese Aggression von vornherein nicht begonnen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 10. März 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
Boris Dscherelijewski ist ein russischer Militärexperte.
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