Iran provoziert die US-Marine: Drohnenangriff in der Straße von Hormus

Von Wladimir Kornilow

Der Krieg gegen den Iran sei “so gut wie gewonnen”, das Land selbst “praktisch besiegt” – zumindest wenn man den Äußerungen von Donald Trump und Pete Hegseth Glauben schenkt. Dabei stellt sich die Frage, wer weiterhin strategisch bedeutsame Ziele in Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait angreift. Sollte es etwa nicht der “besiegte” Gegner sein?

Noch rätselhafter erscheint Trumps fast zeitgleiche Ankündigung, er erwäge, die Straße von Hormus “unter Kontrolle zu bringen”, und werde den Iran im Falle einer Blockade der Meerenge “20-mal härter” angreifen. Wenn der Iran jedoch “praktisch geschlagen” ist, wie soll Teheran dann überhaupt eine Sperrung durchführen? Und warum müssten die USA anschließend die Kontrolle übernehmen? Was bedroht dort eigentlich die Freiheit der Schifffahrt?

Vor diesem Hintergrund wirkt die iranische Reaktion durchaus schlüssig. Ali Mohammad Naini, Pressesprecher der Iranischen Revolutionsgarden, ließ verlauten:

“Irans Streitkräfte erwarten mit Ungeduld die US-amerikanische Kriegsmarine und den Flugzeugträger Gerald R. Ford in der Straße von Hormus.”

Naini wies darauf hin, dass sich trotz aller Behauptungen von einem “Beinahe-Sieg” kein einziges US-Kriegsschiff oder -flugzeug dem Iran auf weniger als 1.000 Kilometer nähere. Doch warum? Wovor sollte man Angst haben, wenn der Krieg doch angeblich “fast beendet” ist?

In den letzten Tagen haben insbesondere britische Kommentatoren Trump aktiv zu amphibischen Landeoperationen gedrängt, um Inseln im Persischen Golf zu besetzen. So behauptet etwa The Daily Telegraph, Trump müsse nur noch die kleine Insel Charg einnehmen, um Teheran endgültig in die Knie zu zwingen. Angeblich liege dort der Großteil der iranischen Ölinfrastruktur, von der die Finanzierung des Regimes abhänge. Unterdessen erklärt der ehemalige britische Außenminister William Hague, Trump müsse eine Bodenoffensive starten und die Straße von Hormus kontrollieren, sollte der Krieg weitergehen.

Auf dem Papier klingt alles einfach. Wovor sollten sich die USA fürchten, wenn sie – eigenen Angaben zufolge – die gesamte iranische Marine und 90 Prozent der Raketenabschussanlagen zerstört haben? Doch der Iran bereitet sich seit Jahren auf einen solchen Konflikt vor und war sich von Anfang an bewusst, dass dieser asymmetrisch geführt werden müsste. Bereits am ersten Kriegstag versenkte eine iranische Marine-Drohne einen Öltanker im Persischen Golf. Wie viele solcher Drohnen der Iran noch besitzt, weiß niemand.

Ebenso wenig ist bekannt, über wie viele Schnellboote der sogenannten Moskitoflotte der Iran verfügt. Ich erinnere mich an die Aufregung internationaler Nachrichtenagenturen, als die Revolutionsgarden an einem einzigen Tag 112 dieser Boote vom Stapel ließen. Ein Großteil dieser schnellen Angriffsboote dürfte noch einsatzbereit sein und könnte den Kapitänen im Persischen Golf erhebliche Sorgen bereiten.

Ganz zu schweigen davon, dass die Gewässer der Straße von Hormus nicht nur mit Langstreckenraketen, sondern auch mit Drohnen unter Beschuss genommen werden könnten – von denen der Iran mehr als genug besitzt.

Zugegeben, man könnte über eine kostspielige dauerhafte Präsenz der US-Marine und ihrer europäischen Verbündeten zum Schutz vor solchen Angriffen nachdenken, ebenso wie über eine Einnahme der Insel Qeschm in der Straße von Hormus. Doch dabei handelt es sich nicht um ein unbedeutendes Eiland – dort leben bis zu 30.000 Menschen. Eine Militäroperation zur Eroberung der Insel wäre alles andere als einfach. Doch wie sonst soll Trump die Straße von Hormus unter seine Kontrolle bringen?

Die Schlussfolgerung liegt nahe: Trumps widersprüchliche Aussagen über einen “Beinahe-Sieg” und die “Kontrolle der Straße” bestätigen einmal mehr, dass sich der US-Präsident in ein Abenteuer verstrickt hat und die Unmöglichkeit eines schmerzlosen Ausstiegs erkennt.

Übersetzt aus dem Russischen. Verfasst speziell für RT am 10. März 2026.

Wladimir Kornilow ist ein sowjetischer, ukrainischer und russischer Politologe, Geschichtswissenschaftler, Journalist, Schriftsteller und gesellschaftlicher Aktivist. Er ist der ehemalige Leiter der ukrainischen Filiale des Instituts der GUS-Staaten in Kiew und Leiter des Zentrums für Eurasische Studien in Den Haag. Nach seiner scharfen Kritik am Euromaidan musste er aus der Ukraine flüchten und arbeitet seit 2017 als Kolumnist bei “Rossija Sewodnja”. Er führt eine Telegram-Kolumne zu aktuellen politischen Themen.

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