Von Hans-Ueli Läppli
Die Schweiz ist zutiefst erschüttert. Noch hat sich das Land nicht von den Nachwirkungen des Feuers in Crans-Montana erholt, da erschüttert eine neue, grauenvolle Tat die Nation. Am Dienstagabend brach im Zentrum von Kerzers im Kanton Freiburg ein verheerendes Feuer in einem Postauto aus.
Sechs Menschen starben, fünf weitere wurden verletzt. Erneut traf das Unglück vor allem junge Menschen, deren Leben auf unvorstellbare Weise abgeschnitten wurde.
Der mutmaßliche Täter, ein 65-jähriger, psychisch instabiler Mann aus dem Kanton Bern, hatte sich zuvor selbst angezündet. Die Polizei suchte bereits seit dem Mittag nach ihm, nachdem ein Berner Spital ihn als vermisst gemeldet hatte.
Die Berner Kantonspolizei bestätigte, dass der Mann den Behörden aufgrund von Betäubungsmittelkonsum bekannt war. Unmittelbar nach der Vermisstenmeldung kurz nach 13 Uhr wurden Suchmaßnahmen eingeleitet, doch konkrete Hinweise auf seinen Aufenthaltsort fehlten zunächst. Die Person wurde auch in das nationale Fahndungssystem Ripol aufgenommen, um eine rasche Lokalisierung zu ermöglichen.
Laut den Ermittlungen der Freiburger Polizei stieg der Mann gegen 17:45 Uhr in Düdingen in das Postauto ein. Gegen 18:25 Uhr zündete er sich in Kerzers an.
Die genauen Abläufe im Bus zwischen seinem Einstieg und der Selbstverbrennung sollen nun mithilfe von Überwachungsaufnahmen und Zeugenaussagen rekonstruiert werden. Die Polizei stand zudem mit Bezugspersonen und Angehörigen in Kontakt, um Hinweise auf eine mögliche Eigen- oder Fremdgefährdung zu erhalten, konnte jedoch zunächst keine entsprechenden Anhaltspunkte finden.
Unter den sechs Todesopfern befinden sich neben dem mutmaßlichen Täter der 63-jährige Busfahrer portugiesischer Herkunft sowie vier Schweizer Staatsangehörige im Alter von 16 bis 39 Jahren. Zu ihnen zählt die 26-jährige Moderatorin Lara Baumgartner von Energy Bern.
Fünf weitere Personen erlitten Verletzungen: zwei Frauen (27 und 56 Jahre), zwei Männer (34 und 61 Jahre) sowie ein 32-jähriger Mann kosovarischer Herkunft. Zwei der Verletzten müssen weiterhin im Spital behandelt werden. Alle Opfer stammen aus der Region.
Postauto-CEO Stefan Regli reagierte auf die Brandkatastrophe in Kerzers in den sozialen Medien und bezeichnete den Vorfall als “zutiefst erschütternd”. Er würdigte den Busfahrer als “geschätzten Kollegen und Teil der Postauto-Familie” und sprach den Angehörigen der Opfer sein tiefes Beileid aus. Im Schweizer Fernsehen erklärte Regli emotional, dass Brandfälle zwar in Trainings simuliert würden, die Dimension dieses Ereignisses jedoch “so nicht trainierbar” gewesen sei. Zwar seien alle Fahrzeuge mit Feuerlöschern und Nothämmern ausgestattet, doch hätten diese Maßnahmen in dieser extremen Situation keinen ausreichenden Schutz bieten können.
Die Polizei geht von einer vorsätzlich gelegten Brandstiftung aus und untersucht die genauen Beweggründe des Täters.
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