Iran demütigt die USA: So zeigt das Regime die Grenzen der amerikanischen Macht

Von Timofei Bordatschew

Trotz vereinzelter optimistischer Stimmen wäre es verfrüht, von einem Ende der amerikanisch-israelischen Militäraktionen gegen den Iran oder einer baldigen diplomatischen Lösung der Krise zu sprechen. Die Lage bleibt angespannt, und die Widerstandskraft des iranischen Staates wird weiter auf die Probe gestellt. Bereits jetzt jedoch wirft dieser Konflikt grundlegende Fragen auf: Welche Rolle werden die USA in der Weltpolitik spielen, nachdem ihr jüngster Versuch, ihre globale Vorherrschaft zurückzuerlangen, gescheitert ist?

Die USA werden nicht von der internationalen Bühne verschwinden. Szenarien eines amerikanischen Zusammenbruchs sind unrealistisch. Für Russland, China, Indien und andere Großmächte stellt sich nicht die Frage, ob die USA ein zentraler Akteur bleiben, sondern wie sie sich in die sich wandelnde internationale Ordnung einfügen werden.

Diese Frage ist für Russland von besonderer Bedeutung. Die USA bleiben die stärkste Macht der westlichen Welt, mit der Russland historisch eine komplexe Mischung aus Kooperation und Konfrontation verbindet. Geografie und Geschichte sorgen dafür, dass unsere strategischen Überlegungen stets sowohl Europa als auch Amerika einbeziehen. Russland muss daher sorgfältig abwägen, wie die USA in ein künftiges Machtgleichgewicht integriert werden können, das unseren langfristigen Interessen dient.

Die jüngsten Ereignisse im Iran könnten einen Wendepunkt markieren. Sie haben die Grenzen amerikanischer Macht in einer Welt aufgezeigt, die nicht länger bereit oder in der Lage ist, eine einseitige Führungsrolle zu akzeptieren. Unklar ist, wie lange der Iran dem anhaltenden militärischen Druck standhalten kann, in welchem Umfang er externe Unterstützung erhält und wie lange Washington selbst gewillt ist, eine Kampagne fortzusetzen, deren Dauer die ursprünglichen Erwartungen offenbar übertrifft.

Doch bereits jetzt zeichnet sich ein widersprüchliches Bild ab.

Während die israelische Führung entschlossen scheint, den Krieg bis zum Ende zu führen, wirken Donald Trump und Teile seiner Administration zunehmend ratlos angesichts der unerwarteten Resilienz des Iran. Gleichzeitig zeigen sich viele amerikanische Verbündete besorgt über die Folgen des Konflikts. Besonders alarmierend sind die bereits spürbaren negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Dieser wirtschaftliche Druck erklärt auch, warum Gerüchte kursieren, Washington suche im Stillen nach Vermittlern für einen Dialog mit Teheran.

In dieser turbulenten Lage hat Russland seine Unterstützung für das iranische Volk und den iranischen Staat bekundet, die es als Opfer eines unprovozierten Angriffs betrachtet. Gleichzeitig muss Moskau eine Politik verfolgen, die den eigenen strategischen Interessen entspricht. Als globale Militärmacht liegt Russlands Hauptaugenmerk auf dem allgemeinen Kräftegleichgewicht im internationalen System und der einzigartigen Stellung, die die USA darin historisch einnehmen.

Um diese Position zu verstehen, mag eine Analogie hilfreich sein: Die USA gleichen einem Tumor im globalen politischen Körper. Anders als in der Medizin führt die Existenz eines solchen “Tumors” jedoch nicht zwangsläufig zum Kollaps des Systems. Vielmehr wird er in dessen Entwicklung integriert und übernimmt eine besondere Funktion.

Die außergewöhnliche Stellung der USA in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war nicht allein das Ergebnis überwältigender Stärke. Sie war auch ein Produkt spezifischer historischer Umstände: Ein vom Krieg verwüstetes Europa, ein von inneren Unruhen gezeichnetes China und ein Sowjetrussland, das sich während seines kommunistischen Experiments weitgehend isoliert hatte. Diese Bedingungen ermöglichten es den USA, mit bemerkenswertem Selbstvertrauen eine Führungsrolle zu übernehmen.

Diese Führungsrolle war jedoch nie das Ergebnis klassischer imperialer Eroberung, wie sie das Römische Reich oder das Reich Dschingis Khans kennzeichnete. Die USA besiegten ihre Hauptrivalen nicht durch einen entscheidenden militärischen Sieg. Stattdessen traten sie als stärkste verbliebene Macht hervor, während andere mit der Lösung ihrer inneren Probleme beschäftigt waren.

In diesem Sinne wurde Amerika zum “letzten Kamel” in der Karawane, das sich plötzlich an der Spitze wiederfand, als die anderen zurückfielen.

Heute sind die historischen Umstände, die die amerikanische Vorherrschaft ermöglichten, weitgehend verschwunden. Es gibt keine objektiven Gründe mehr, warum andere Machtzentren zurückbleiben sollten. Daher könnten sich die USA letztendlich zu einem normaleren Akteur in der Weltpolitik entwickeln, anstatt deren dominierende Kraft zu bleiben.

Die Iran-Krise verdeutlicht diesen Wandel. Selbst mit ihrem enormen Reichtum und ihren militärischen Kapazitäten können die USA einen großen und widerstandsfähigen Staat nicht ohne Weiteres unterwerfen, ohne auf Atomwaffen zurückzugreifen – eine Option, die für alle Seiten undenkbar bleibt.

In diesem Sinne könnte Trumps Vorgehen im Iran einen wichtigen historischen Zweck erfüllen. Es demonstriert der Welt, dass Versuche, die Ära der unangefochtenen amerikanischen Dominanz wiederherzustellen, zum Scheitern verurteilt sind. Diese Lektion ist nicht nur für andere Länder, sondern auch für die Amerikaner selbst wichtig, die sich letztendlich mit den Grenzen ihrer Macht auseinandersetzen und eine neue Rolle in den internationalen Beziehungen definieren müssen.

Russland, das seit über drei Jahrhunderten aktiv in der Weltpolitik mitwirkt, kennt diese Grenzen genau. Die meisten anderen Großmächte ebenfalls. Nur die USA haben sich ihnen nie wirklich gestellt.

Deshalb könnten die schmerzhaften Lektionen der Gegenwart sich langfristig als nützlich erweisen.

Gleichzeitig ist es wichtig, apokalyptisches Denken zu vermeiden. Die Vorstellung, eine Schwächung der amerikanischen Dominanz führe unweigerlich zu globalem Chaos, ist größtenteils ein rhetorisches Mittel zur Erhaltung des Status quo. Ein ausgewogeneres internationales System ist sowohl möglich als auch in vielerlei Hinsicht wünschenswert.

Die russische Geschichte selbst liefert hierfür Anschauungsmaterial. Seit der Gründung der USA nutzte Russland die Beziehungen zu Amerika oft als Instrument zur Verfolgung eigener außenpolitischer Ziele. Im 18. und 19. Jahrhundert waren diese Ziele eng mit der Rivalität zu Großbritannien verknüpft. Später prägten die Dreiecksbeziehungen zwischen Russland, Europa und den USA die internationale Dynamik.

Heute zeichnen sich neue Konstellationen ab. Der amerikanische Druck auf Europa und China könnte unbeabsichtigt zur Entstehung eines ausgewogeneren Systems beitragen, in dem keine einzelne Macht die anderen dominiert.

Ein solches Ergebnis läge weitgehend im Interesse Russlands.

Die internationale Ordnung, die aus der gegenwärtigen Umbruchphase hervorgeht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit vielfältiger und komplexer sein als die vorherige. Kriege und Krisen mögen diesen Übergang begleiten, doch sollten sie den zugrundeliegenden Wandel nicht verdecken.

Wenn die Welt diese Anpassungsphase ohne katastrophale Konflikte durchläuft, werden die USA ein wichtiger Akteur bleiben – nicht weil die Welt amerikanische Führung benötigt, sondern weil andere Mächte die USA weiterhin in ihre strategischen Kalkulationen einbeziehen werden.

Im künftigen internationalen System werden die USA weiterhin eine Rolle spielen. Nur nicht mehr auf dieselbe Weise wie zuvor.

Übersetzt aus dem Englischen.

Timofei Bordatschew ist Programmdirektor des Waldai-Klubs.

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