Internationale Zurückhaltung gegenüber Trumps Aufruf zur Hormus-Mission
US-Präsident Donald Trump hat alle Nationen, die Öl durch die Straße von Hormus transportieren, aufgefordert, Kriegsschiffe zur Sicherung dieser lebenswichtigen Schifffahrtsroute zu entsenden. Dieser Appell stößt international jedoch auf weitgehende Ablehnung oder äußerste Zurückhaltung.
Der Hintergrund: Eskalation und wirtschaftliche Folgen
Die Krise begann vor über zwei Wochen, als die USA und Israel einen Angriff auf den Iran starteten. Als Reaktion verhängte Teheran ein Durchfahrtsverbot für Schiffe aus Ländern, die es als feindlich betrachtet. Da fast ein Fünftel des globalen Rohöls durch die Meerenge fließt, schnellten die Weltmarktpreise daraufhin auf über 100 US-Dollar pro Barrel.
Trump bekräftigte seinen Aufruf an Länder wie China, Japan und Großbritannien und verband ihn mit einer Warnung an die NATO: “Wenn es keine oder eine negative Reaktion gibt, wird das meiner Meinung nach sehr schlecht für die Zukunft der NATO sein.”
Abgelehnt: Klare Absagen aus aller Welt
Die Reaktionen auf Trumps Forderung fallen deutlich aus:
- Deutschland: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) schloss eine Beteiligung kategorisch aus: “Es ist nicht unser Krieg. Wir haben ihn nicht begonnen.” Er hinterfragte den militärischen Nutzen: “Was erwartet Donald Trump von einer Handvoll europäischer Fregatten, was die mächtige amerikanische Marine dort nicht allein erreichen kann?”
- Australien: Die Regierung erklärte, weder gebeten worden zu sein, noch sich beteiligen zu wollen.
- Japan: Premierministerin Sanae Takaichi sagte, man habe noch keine Entscheidung getroffen und prüfe rechtliche Möglichkeiten.
- Griechenland: Die Regierung in Athen lehnte eine Beteiligung an Militäroperationen ab.
Unentschlossen: Vage Prüfungen und diplomatische Wege
Andere Staaten zeigen sich zurückhaltend und bevorzugen politische Lösungen:
- Großbritannien: Premierminister Keir Starmer prüft Optionen, darunter Schiffe und Drohnen, machte aber keine Zusagen. Man wolle sich nicht in einen “größeren Krieg” hineinziehen lassen.
- Europäische Union: Die EU erwägt eine Ausweitung der Marine-Mission “Aspides”, betont aber, dies sei “nicht Europas Krieg”. Eine Entscheidung liegt bei den einzelnen Mitgliedsstaaten.
- Italien & Dänemark: Rom ist skeptisch gegenüber einer Ausweitung der EU-Mission. Kopenhagen hält sich Optionen offen, pocht aber auf Deeskalation.
- Südkorea: Man werde sich eng mit den USA abstimmen und nach sorgfältiger Prüfung entscheiden, was eine parlamentarische Zustimmung erfordert.
Der diplomatische Weg: China und Indien setzen auf Dialog
Während die USA auf eine militärische Koalition drängen, verfolgen andere Großmächte einen anderen Ansatz:
- China: Peking betont die gemeinsame Verantwortung für stabile Energielieferungen und intensiviert die Kommunikation mit allen Seiten, um eine Deeskalation zu erreichen. Medienberichten zufolge führt China bereits direkte Gespräche mit dem Iran.
- Indien: Außenminister Subrahmanyam Jaishankar sieht direkte Gespräche mit Teheran als effektivsten Weg. Durch Verhandlungen konnten bereits zwei indische Tanker passieren. “Aus indischer Sicht ist es sicherlich besser, dass wir vernünftig verhandeln, uns abstimmen und eine Lösung finden.”
Die Position des Iran: Gesprächsbereitschaft und Schuldzuweisung
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi wies die Verantwortung für die Blockade von sich. Er erklärte, mehrere Länder hätten sich bereits für sichere Durchfahrten an Teheran gewandt. “Wir sind offen für Gespräche mit Ländern, die die sichere Durchfahrt ihrer Schiffe regeln möchten.” Er betonte, die Straße sei nie geschlossen worden; die Schiffe kämen “aufgrund der bestehenden Unsicherheit und der Aggression der USA von selbst nicht mehr”.
Fazit: Trumps Aufruf zur Bildung einer maritimen Koalition in der Straße von Hormus offenbart eine tiefe Kluft in der internationalen Gemeinschaft. Während die USA auf militärische Stärke setzen, lehnen viele Verbündete eine Beteiligung ab oder favorisieren diplomatische Lösungen. Der Konflikt unterstreicht die Grenzen amerikanischer Führungsansprüche und die globale Suche nach deeskalierenden Wegen in einer hochbrisanten Krise.